Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Geschichtsstunde

Internationaler Markt

Die Ölbörsen hatten gestern eine Feiertagspause. Handelaktivitäten liefen gegen Null. Das passt gut zur Preisbewegung der letzten Tage. Die droht gerade einzuschlafen, wie man diesem Chart entnehmen kann. Offensichtlich fehlt es den Finanzjongleuren derzeit an Phantasie. Das ist nachvollziehbar. Der Ölmarkt ist so entspannt wie lange nicht mehr. Das Angebot ist hoch. Die Nachfrage ist vergleichsweise gering. Sie ist ein Spiegelbild der Wirtschaftserwartungen. In einfachen Worten kann man sagen, da kommt nicht viel. Das heißt nicht, dass die Wirtschaft stillsteht. Das heißt aber, dass es keine Ideen für eine mitreißende Perspektive gibt, auf die die Finanzszene wetten würde. Und so wettet sie nur noch auf die Gelddruckerei der Notenbanken. Reale Lebensbedingungen lassen sich damit nicht bewegen.

Der mentale Notstand hat eine Geschichte, die sich am Öl gut darstellen lässt. Im Preischart für die letzten zehn Jahre sind die wesentlichen Phasen sichtbar. In der ersten Hälfte bis in das Jahr 2006 gab es ein beeindruckendes Wachstum. Es wurde in den USA durch eine Kreditschwemme und in Europa durch Stimulierung der südlichen Ökonomien mit dem neuen Geld und mit ungewöhnlich niedrigen Zinsen befeuert. Man baute und konsumierte derart berauscht, dass die Grundlage für den Spaß, die Ressourcen im Allgemeinen und das Öl im Speziellen, knapp zu werden drohten. Der schöne Schein verdunkelte sich, als man nach den Perspektiven des Wahnsinns fragte. Es fehlten die Antworten. Die Finanzszene wechselte die Präferenz ihrer Anlagen von Wirtschaftswachstum auf Ressourcenverknappung. Die zweite Phase der Geschichte begann. Sie endete in 2008 mit einem soliden Börsencrash.

Das Geld, das die Finanzszene aus dem Nichts, das heißt ohne realwirtschaftliche Gegenpositionen, geschaffen hatte, wurde annulliert. Dieser Umstand hatte eine Rückwirkung auf einige reale Güter wie Öl und Häuser. Im Prinzip geschah etwas sehr Heilsames, die Beseitigung von irrealen Vermögenspositionen. Diesen für die Finanzszene unangenehmen Umstand konnte sie recht schnell beenden, weil es ihr gelang, die Politik für ihre Interessen zu gewinnen. Die Mittel, die sie dafür einsetzte, waren primitiv aber wirkungsvoll. Nun begann die dritte Phase der Geschichte, die Auferstehung der Finanzszene. Sie wurde noch einflussreicher als vor ihrem Fall. Sie forderte den Ausgleich ihrer Verluste und sie bekam ihn. Öl- und Aktiennotierungen kehrten annähernd auf die alten Höhen zurück, obwohl die Realwirtschaft keine nennenswerten Fortschritte mehr zeigte.

In 2011 kam es zu einem partiellen Wechsel der Erscheinungen, weil Energie den Nimbus der Knappheit verlor. Die Finanzszene wechselte erneut die Präferenzen. Sie begrub das Knappheitsszenario zu Gunsten einer Wachstumsmythologie, die bis heute nicht real wurde. Seit damals dümpeln die Ölnotierungen leicht abwärts, während die Aktienkurse auf immer neue Höhe steigen. Letztes ist allerdings nicht allgemeingültig. Es kam regelmäßig zu Störungen des Finanzwachstums aufgrund widerspenstiger EU-Politiker, die nicht ihren US-Kollegen folgten und unbegrenzt Geld zur Verfügung stellen wollten. Mario Draghi, Chef der EZB, beendete den Zwist im letzten Jahr durch ein eigenmächtiges Geldversprechen.

In der ganzen Zeit wurde die Realwirtschaft um keine neue Perspektive bereichert. Reales Wirtschaftswachstum findet in der alten Industriewelt kaum statt. Finanzanlagen gewinnen gleichwohl an Wert, als stünde eine neue Welt vor den Toren. Die Buchgewinne der Finanzszene drohen früher oder später abermals wertlos zu werden. Es bleibt zu hoffen, dass bis zu diesem Moment keine neue Knappheitsphantasie für Öl geboren wird. Andernfalls schössen die Notierungen wahrscheinlich explosionsartig in Höhe.

Heute Morgen schießen sie bereits aufwärts, aber nicht explosionsartig und vermutlich nicht von langer Dauer. Sie holen lediglich vor Kurzem eingefahrene Verluste zurück. Die Tonne Gasöl kostet 863,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,23 Dollar und in London zu 103,14 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,47 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise legen etwas zu. Der Auftrieb kam von den Gasölnotierungen. Ich gehe nicht davon aus, dass aus dieser Richtung ein generelles Ungemach droht. Der Binnenmarkt zeigt sich belebter als in den letzten Wochen. Margen und Preise des Handels sind davon kaum berührt. Die weiteren Aussichten sind aus meiner Sicht durchwachsen, weil die gute physische Marktlage, die eigentlich tiefere Preise erzwingen muss, durch das lockere Geld im Finanzgeschehen verfälscht wird. Der kurzfristige Trend weist seitwärts. Der mittelfristige Trend hält die Hoffnung auf eine Abwärtsbewegung am Leben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea
Einige kleine Infrastrukturstörungen
China wächst weiterhin
Notenbankgeld fließt noch locker

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
EIA-, OPEC- und IEA-Monatsberichte
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik ungewiss
Sehr viel Öl am Markt

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