Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Zurechtgeschüttelt

Internationaler Markt

Aktuelle Volkswirtschaftsdaten sind zur Beurteilung der Volkswirtschaften nicht hilfreich. Ein brauchbares Bild entsteht erst, wenn Vergangenheitsdaten hinzugezogen werden. Es entsteht logischerweise ein Vergangenheitsbild. Gegenwart als Anfang der Zukunft ist, genau wie bei Ölpreisen und Aktienkursen, nur spekulativ zu beurteilen. Chinas Gegenwart sah nach Datenlage in den letzten Monaten nicht mehr gut aus. Neue Zahlen lassen sie etwas besser dastehen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sich das Land hinter den Erwartungen der Finanzszene befindet. Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass der einstige Preistreiber China derzeit wenig Einfluss auf die Ölpreise hat.

Der Irak bringt sich kontinuierlich als neue Ölsupermacht ins Gespräch. Das Land steht mittlerweile auf Rang Neun der Nationenwertung. Nur einmal in der Geschichte wurde mehr Öl produziert als im letzten Jahr. Das war 1979. Die aktuelle Steigungsrate der Produktion beträgt elf Prozent. Damit rücken ein neuer Landesrekord und die Verbesserung auf Rang Sieben der Ölsupermächte in greifbare Nähe. Die Regierung lässt sich weder von der üppigen Angebotslage am Weltmarkt noch von terroristischen Zerstörungen davon abhalten, die Produktion aggressiv zu steigern. Diese Haltung steht beispielhaft für die meisten Ölstaaten. Sie alle brauchen dringend Geld. Das pressen sie in Form von Öl aus ihren Böden. Solange das funktioniert, ist die exzessive Steigerung der Ölpreise unwahrscheinlich.

Handfester als die Beurteilungen zwischen Gegenwart und Zukunft ist, zumindest der Idee nach, die Sachstandslage der US-Ölbestände, die grundsätzlich die Vergangenheit betrachtet. Aber selbst diese eindeutig scheinende Angelegenheit ist unscharf. Sie lässt Platz für Spekulationen. So ist er, dieser Ölmarkt. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, gaben mal wieder deutlich abweichende Zahlen für ein und denselben Sachverhalt zu Protokoll, wohlgemerkt Zahlen der letzten und nicht etwa der kommenden Woche:

Rohöl: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,7 (DOE) bzw. 3,2 (API) Mio. Barrel. Die Gesamtbestände sind nach wie vor hoch, wie diese Grafik zeigt. Die Raffinerieauslastung beträgt 91 Prozent. Der recht gute Wert ist möglich, weil sich der Produktenexport derzeit lohnt. Mit der US-Nachfrage allein ließe sich der Wert nicht erreichen.

Einen Einfluss auf die Preisbildung konnten die US-Bestandsdaten kaum ausüben. Sie wird im Wesentlichen durch die Charttechnik bestimmt. Und die signalisiert eine verstimmte Finanzszene. Das ist auch heute Morgen so. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 903,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,49 Dollar und in London zu 107,49 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,98 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Gestern kamen die Vorgaben erneut von den Öl- und Devisennotierungen. Der Binnenmarkt bleibt sommerlich ruhig. Die zwischenzeitlichen Preiseingriffe der Vorlieferanten sind erledigt. Se bestanden in einer Übertreibung der bullischen Preisgestaltung in der letzten Woche. Nun sind die Heizölpreise wieder auf Kurs. Sie könnten den kurzfristigen Aufwärtstrend zugunsten einer Ankopplung an den mittelfristigen Abwärtstrend sogar knacken. Eine große Verbesserung sollte man dadurch allerdings nicht erwarten. Die Heizölpreise sind auch ohne einen Abgang passabel, da sie deutlich billiger sind als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Serie freundlicher Konjunkturdaten
Spannungsbedingte (sozial, politisch) Ausfälle in wichtigen Ölstaaten
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
EIA-Monatsbericht
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Irak steigert Produktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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