Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Jagt den Schuldigen

Die US-Bestandsdaten geben keinen Anlass, an der derzeit guten Versorgungslage zu zweifeln. Zumindest jenseits des Atlantiks ist das Angebot üppig. Dort schauen Volks- und Finanzwirte gebannt auf die Nachfrage in der Hoffnung, dass sie anziehen möge. Das würde dann als Erholungszeichen für die Wirtschaft und als Bestätigung der exorbitanten Defizitpolitik Obamas interpretiert. In der letzten Woche wurde mehr Benzin nachgefragt als in der Woche zuvor und die Arbeitslosenzahlen sanken ein wenig. Das klingt bullisch. Der Benzinverbrauch ist sehr niedrig und die Arbeitslosenzahlen sind hoch. Die realwirtschaftliche Lage ist nicht bullisch. Bullisch wirken lediglich die über das Defizitprogramm generierten freien Finanzmittel. Sie fließen dorthin, wo die Bullen stehen. Und die stehen beim Öl ungeachtet der Tatsache, dass es in den USA reichlich vorhanden ist. Die Bestandszahlen von API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) zeigen das mehr oder weniger deutlich. Für die abgelaufene Woche lauten sie wie folgt:

Rohöl: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,8 (DOE) bzw. von 4,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 86 Prozent gestiegen. Die Gesamtbestände sind annähernd auf Vorjahresniveau. Trotz des Bestandsaufbaus legten die Rohölnotierungen um satte drei Prozent zu. Hier wirken das bereits erwähnte freie Geld und der lange Arm der Iranaffäre.

Sie schafft ein kriegsschwangeres Klima, das Spekulanten jede Scheu vor einer falschen Positionierung ihres Geldes nimmt. Die einfache Regel lautet, im Krieg wird Öl teuer, besonders wenn es knapp ist. Und knapp kann es mindestens in Europa werden. Auf eine so klare Botschaft konnte die Finanzszene seit dem Frühjahr 2008 nicht mehr setzen. Das war die Zeit, in der die Ölpreise zum ganz großen Anstieg getrieben wurden. Dass im Hintergrund eine vollkommen ungelöste Finanzkrise herumirrt, interessiert momentan niemanden. Auch hier gibt es Parallelen zu 2008. Es sieht nicht so aus, als sei die Entwicklung bereits nahe an ihrem Umkehrpunkt. Es sieht hingegen so aus, als sei die Politik unfähig zu erkennen, dass sie nun auch noch den Zünder für die in den letzten Jahren gebaute Finanzbombe herstellt. Der Iran braucht keine Atombombe, um seine Feinde zu vernichten. Für ihre Vernichtung sorgen die eskalationswilligen Feinde im Zweifel selbst. Die Finanzbombe ist eine größere Massenvernichtungswaffe als der Iran mit seiner Atomtechnologie jemals schaffen könnte.

Hierzulande machen sich Medien und Öffentlichkeit derweil über Ölkonzerne her, um ihrem Unmut zur Preisentwicklung Raum zu geben. Dabei werden die Zusammenhänge unkorrekt dargestellt. Am Ende der Kette, an der Tankstelle und am Tankwagen ist lediglich der Effekt des oben skizzierten Problems zu finden. Dort ist niemand Schuld am Geschehen. Schuld ist auch niemand auf der Stufe davor, bei den Raffinerien. Dort ist die Lage für die Beteiligten nicht minder schwierig, wie die Pleite des größten unabhängigen Raffineriebetreibers (Petroplus) in Europa zeigt. Raffineure müssen den Preis für Rohöl akzeptieren, den sie am Markt vorfinden. Das ist im Wesentlichen Folge des begrenzten Angebots. Der Rohölmarkt bietet ungenügende Alternativen unter den Anbietern. Die sind die Verwalter einer tendenziell knappen Ressource. In den USA, wo Rohöl derzeit nicht knapp ist, ist der Preis prompt billiger. Das zeigt, dass die Grundidee des Markts funktioniert. Aus dem Ruder läuft die Sache, weil sich Knappheit und Überfluss im Rohölmarkt treffen. Der endlichen Ressource Öl steht die unendliche Verrechnungsgröße Geld gegenüber. Sie bildet lange nicht mehr das ab, was man hinter ihr vermutet, das Warenangebot der Welt. Ölkonzerne arbeiten intelligenter mit dem Problem als ihre Kontrolleure, die Politik. Sie sind Nutznießer der Schwächen und Fehler. Sie sind nicht ihre Ursache. Das Problem wäre übrigens keins, wenn das überflüssig vorhandene Geld wenigstens gerecht verteilt wäre. Es wird aber nur denen zugeschlagen, die bereits Herr über große Mengen sind, den Banken. Der Zorn auf die Ölkonzerne ist Ausdruck einer ungenügenden Ursachenforschung über den Missstand. Wieder zeigt sich, dass es nach mehr als drei Jahren Finanzkrise immer noch keine Bereitschaft gibt, das Problem an der Wurzel anzupacken.

Heute Morgen halten die Preise das gestern erreichte Niveau. Höchst wahrscheinlich werden sie im Tagesverlauf weiter steigen. Immerhin überrascht der Dollar mit einem Rückgang. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Schuldenproblematik derzeit kein Interesse findet. Die Finanzwelt spekuliert in diesen Tagen sorgenfrei. Die Tonne Gasöl kostet 1.48,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,33 Dollar und in London zu 123,97 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,79 Eurocent.

Unsere Heizölpreise halten sich den Umständen entsprechend gut. Sie steigen nur geringfügig im Gegensatz zu dem, was der Weltmarkt zu bieten hat. Der Dollar dämpft die schlimmsten Exzesse. Der Binnenmarkt liegt danieder. Von hier kommt kein Preisauftrieb mehr mit Ausnahme der Raffineriestörung in Bayern. Es sieht nicht so aus, als sollte sich die allgemeine Lage in der nächsten Zeit ändern. Mit Glück bleibt ein deftigerer Preisanstieg beim Heizöl erspart, wenn der Euro angesichts der Spekulationsfreude im globalen Zirkus weiter positiv gesehen wird. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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