Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Laufen lassen bis es knallt

Wächst die Wirtschaft, geht es den Menschen gut. Der Kleine Mann freut sich, weil er Arbeit hat. Der Unternehmer freut sich, weil er Gewinne macht. Und der Politiker freut sich, weil sich alle freuen. Damit die Wirtschaft wächst, braucht sie Innovationsschübe und Energie. Die Innovationsschübe sind der mentale oder besser der immaterielle Antrieb des Wachstums. Sie wecken Bedürfnisse. Die Energie ist der physische Antrieb des Wachstums. Energie potenziert die menschliche Arbeitskraft. Das Konzept hat über viele Generationen mehr oder weniger gut geklappt. Bis heute klappt das so gut, dass Wachstum eine Industriemaschinerie antreibt, die den ganzen Planeten umkrempelt. Sie bedient sich aller verwertbarer Ressourcen und hinterlässt riesige Mengen unbrauchbarer Abfälle zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Was vor hundert Jahren nur in der Theorie vorstellbar war, dass stetiges Umkrempeln auf endlichem Terrain endlich ist, beginnt heute spürbare Realität zu werden. Mittlerweile muss sich jeder Unternehmer und jeder Politiker fragen, woher er morgen die für das angestrebte Wachstum nötige Energie bekommt.

In den alten Industrieländern müssen sich Unternehmer und Politiker aber vor allen Dingen fragen, welches die Innovationsschübe sind, die Wachstum zukünftig antreiben sollen. Denn mehr noch als an Energie mangelt es an Innovation. Hier in Deutschland scheint das kein ernsthaftes Problem zu sein, weil viele Leistungen und Produkte, die ihren Ursprung in der Zeit der starken Wachstumsphase haben, in Ländern, die eine solche Phase heute durchlaufen, gefragt sind. Die Phase ist endlich. In der größten Volkswirtschaft der Welt ist das Problem der fehlenden Innovation virulent. Gebannt schauen Horden von Analysten Tag für Tag auf die US-Wirtschaftsdaten in der Hoffnung, die Indikatoren endlich wieder steigen zu sehen. Sehnsüchtig wünschen sie sich, dass die Industriemaschinerie wieder mehr Ressourcen unseres Planeten verwertet und daraus Abfall macht. Dabei steht nicht der Abfall, sondern die Ressource selbst im Fokus. Öl ist die wichtigste Ressource. Je mehr Öl nachgefragt wird, umso besser läuft das Wachstum, so die einfache Denkweise. Je mehr Öl nachgefragt wird, umso teurer wird es. Auch dieser Zusammenhang ist Teil des Geschehens. Er ist vernachlässigbar, solange der Ölpreis sich ähnlich entwickelt wie die Preise für andere Waren und Leistungen. Wenn sich die Teuerung allerdings von den anderen Preisen abkoppelt, funktioniert das Wachstum nicht mehr. In der Wirkung ist es gleichbedeutend mit dem Fehlen von Öl.

So gesehen ist es müßig, darüber zu spekulieren, ob der Ölpreis aufgrund der sichtbaren Endlichkeit der Ressource oder aufgrund von Finanzexzessen in die Höhe getrieben wird. Die Wirkung ist reduziertes Wachstum und der Niedergang der so lange erfolgreichen Ökonomie. Das Verbot exzessiver Spekulation auf den Ölpreis und der Entzug der dafür nötigen Finanzmittel könnte kurzfristig neues Wachstum durch preiswertes Öl schaffen. Es ist aber offensichtlich, dass entsprechende Maßnahmen im althergebrachten Wirtschaftparadigma nur zeitlich begrenzten Erfolg haben werden. Denn in Kürze würde der physische Mangel an Öl wieder zuschlagen und das eigentliche Problem, das der unzureichenden Innovationskraft zur Neugestaltung von Wachstum, offen zu Tage befördern.

Denker sind sich nicht einig, ob es besser ist, den für die Wirtschaft notwendigen Veränderungsprozess durch exzessive Teuerung von Öl oder durch massive politische Einflussnahme herbeizuführen. Im ersten Fall lässt man die Dinge laufen wie sie laufen. Das bezieht den Irrsinn an den Finanzmärkten ein. Im zweiten Fall nimmt man sich der Gestaltung von Zukunft an. Das bedeutet in erster Linie, man setzt Programme fest, mit deren Hilfe die Wirtschaft zu wirklicher Innovation gezwungen wird. Dazu muss ihr notwendigerweise die heutige Energiebasis entzogen werden. Der zweite Weg wird sich in demokratischen Gesellschaftsordnungen kaum durchsetzen lassen. Er verlangt wohl eher ein gewisses Maß an modernem Absolutismus.

Aktuell ist die Energiebasis auch im Fall von Öl noch auskömmlich vorhanden. Die neuen Daten aus den US-Tanklagern sind ein Beleg dafür. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben dazu Folgendes zu Protokoll:

Rohöl: +3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,0 (DOE) bzw. 2,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt unverändert 83 Prozent.

Die Ölnotierungen fallen derzeit deutlich. Die Finanzszene setzt sich mit der oben skizzierten Fragestellung auseinander. Die alternativ gehandelten Umstände, dass die US-Wirtschaft entweder zu schwach ist, um mehr Öl nachzufragen, oder dass sie nicht mehr nachfragen wird, weil es zu teuer ist, verdirbt den Finanzjongleuren die Stimmung. In Kürze werden sie allerdings wiederentdecken, dass es bekanntermaßen andere Länder auf dieser Erd gibt, die die Ölnachfrage wachsen lassen. Dann werden auch sie wieder Freude daran haben, mit ihrem Geld für die Teuerung von Öl zu sorgen. Heute Morgen sind bereits entsprechende Zeichen an den Börsen zu erkennen. Die Tonne Gasöl kostet 1.011 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 109,20 und in London zu 121,71 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 67,13 Eurocent.

Unsere Heizölpreise haben einen recht ordentlichen Rückgang erlebt. Den haben sie sowohl einem schwachen Dollar als auch der jüngsten Konsolidierung an den Ölbörsen zu verdanken. Wir gehen davon aus, dass der Ölpreisrückgang nur von kurzer Dauer sein wird. Dem Dollar trauen wir hingegen einen weiteren Abgang zu. Daraus folgt die hohe Skepsis, dass Heizöl sehr viel billiger werden wird. Wir erwarten in Kürze die Änderung der Bewegungsrichtung. Wenn diese dann seitwärts verlaufen würde, wäre das eine relativ gute Nachricht. Denn die Gefahr eines neuen Aufwärtsschubs der Preise besteht unverändert fort. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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