Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preise formieren sich zum Abstieg

Die Marktlage verschiebt sich in Richtung Preisentspannung. US-Vorräte und die Konjunkturaussichten der alten Industrienationen geben Anlass für einen Trendwechsel. Gestern gestaltete sich der Preisrückgang verhalten. Der Atomstreit mit dem Iran und die bevorstehende Hurrikansaison in den USA verhindern eine bärische Euphorie. Der französischen Finanzminister Thierry Breton sandte Interventionssignale, um einen weiteren Euroanstieg zu verhindern. Das gewünschte Ergebnis trat ein. Der Dollar legte deutlich zu. Das erste Mal seit über einem Monat bildet sich eine Formation aus, die das Prädikat Gegenbewegung wirklich verdient.

In allen Märkten wird sehr nervös gehandelt. Die bis vor wenigen Tagen festen Einstellungen zur Preisentwicklung wackeln gewaltig. Sie gelten heute als übertrieben. Die Marktteilnehmer suchen neue Standpunkte. Die US-Bestandsdaten konnten zur Klärung der Standpunktsuche nur bedingt beitragen. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten Zahlen vor, denen man kaum ein gemeinsames Betrachtungsobjekt zutraut.

Rohöl: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,1 (DOE) bzw. ein Abbau von 6,5 (API) Mio. Barrel. Die Werte sind nicht in Deckung zu bringen. Börsianer entschieden sich, die DOE-Werte für die Preisbildung zu verwenden. Damit geht von den aktuellen Bestandsdaten ein schwacher bärischer Impuls aus. In der längerfristigen Betrachtung erweisen sich die Vorräte weiterhin als komfortabel.

Komfortabel sind sie insbesondere dann, wenn die Nachfrage nicht mehr wächst. Genau diese These wurde gestern vorgebracht. Sie resultiert aus einem Inflationsverdacht für die USA. Ein entsprechender Indikator löste heftige Verluste am Aktienmarkt aus. Wenn das Geld einerseits weniger wert ist und andererseits der gefühlte Wohlstand auf Grund hoher Aktienkurse nicht mehr trägt, wird das negative Auswirkungen auf die Konjunktur haben. Die Folge wird u.a. ein Rückgang des Nachfragewachstums oder sogar ein Nachfragerückgang sein. Eine ähnlich lautende Prognose für die Nachfrageentwicklung in den westlichen Industrienationen wird im jüngsten OPEC-Monatsbericht vertreten.

Die übrigen Daten aus den US-Bestandsmeldungen beziehen sich auf die Importe und auf die Raffinerieverfügbarkeit. Die Importe sind höher als in der Vorwoche aber geringer als im Vorjahr. Die Raffinerien arbeiten weiterhin ungenügend effektiv. Sie standen nur mit 90 Prozent zur Verfügung.

In den nächsten Tagen muss sich zeigen, ob die neue Sicht zur Konjunktur der reifen Industriestaaten in Form von Ölpreisrückgang anschlägt. Charttechnisch sind die Voraussetzungen hierfür gut. Fundamental bestehen die bekannten Hemmnisse durch die geopolitischen Rahmenbedingungen. Insbesondere Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad lassen vermuten, dass die preistreibende Kraft des Atomstreits kurzfristig nicht zu überwinden ist.

Heute Morgen hält der Gasölpreis auf dem Niveau von gestern Abend inne. Die Tonne kostet aktuell 606,50 $.

Unsere Heizölpreise geben etwas nach. Die entspannte Vorgabe vom Weltmarkt findet auf Grund des deutlich gestiegenen Dollarkurses nur wenig Widerhall in den heimischen Preisen. Die Chancen für einen weiteren Preisrückgang schätzten wir verhalten positiv ein. Ölpreis und Dollarkurs werden sich vermutlich in naher Zukunft gegensätzlich entwickeln. Damit bliebe für das Heizöl relativ wenig Veränderungsspielraum.

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