Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preissprung setzt kein Zeichen

Gestern Abend schoss der Ölpreis um über fünf Prozent in die Höhe. Die Spurensuche zur Klärung des Preismirakels führt zur Aktienbörse. In New York gingen die Papiere nach irrsinnigen Schwankungen mit einem Plus von über sechs Prozent aus dem Handel. Die weitere Ursachenforschung brachte keine fundamentalen Fakten zutage, die die Gewinne rechtfertigen. So bleibt, wie so oft, nur die Erkenntnis, dass es sich dabei um den ganz normalen Wahnsinn einer aus den Fugen geratenen Börse handelt. Der Dollar folgte dem neuen Motto „Aktienbörse gut, Dollar schlecht“ und gab um zweieinhalb Prozent nach.

Vor Kurzem noch galt „Ölpreis gut, Dollar schlecht“. Aber seitdem Öl einen größeren Teil seiner Spekulanten verloren hat, ist der Stoff keine Führungsgröße mehr. Die Preise richten sich tendenziell näher an den Zusammenhängen von Angebot und Nachfrage aus. Der gestrige Sprung kippt die Tendenz nicht.

Die IEA (Internationale Energie Agentur) sieht die preisliche Auswirkung der Nachfrageentwicklung mit Argwohn. Zwar erkennen ihre internationalen Fachleute einen dramatischen Rückgang der Nachfragesteigerung. Aber ein Negativwachstum wie es die amerikanischen Kollegen von der EIA (Statistikbüro des US-Energieministeriums) prognostizieren, wollen sie noch nicht testieren. Allenfalls nähern sie sich diesem Gedanken an. Das klingt dann so: Die Steigerung der Weltölnachfrage nähert sich einem 25-Tief. Es könnte zu einem Nachfragerückgang kommen.

Weil die Preise als Folge der negativen Nachfragedynamik überproportional fallen, sorgt sich die IEA um die langfristige Sicherung des Ölangebots. Um dieses aufrecht zu halten, bedarf es enormer Investitionen in die Ölinfrastruktur. Dabei geht es nicht einmal um eine Steigerung des Förderaufkommens sondern lediglich um ein Halten der aktuellen Mengen. Die Quellen sind in die Jahre gekommen. Sie altern schnell. Lebenserhaltende Maßnahmen werden immer dringender. Die sind kostspielig. Wenn die Preise wegbrechen, schrumpfen die Gewinne und in direkter Folge die Investitionen in die lebenserhaltenden Maßnahmen. Am langen Ende wird abermals zu teures Öl stehen, das die Wirtschaft lähmt.

Man kann die Problematik als eine weitere Seite eines fehlerhaften Finanzsystems sehen, das die Gewinnsteigerung zum Schaden einer menschlichen Marktwirtschaft übergewichtet. Ohne Zweifel bedarf dieser Aspekt dringend einer grundlegenden Korrektur. Die kann nicht allein von einer am Tagesgeschehen ausgerichteten Politik kommen. Ein Politiker, der gestern noch eine Bedrohung der heimischen Wirtschaft durch die in den USA losgetretene Finanzkrise kategorisch ausgeschlossen hat, um sich Tags darauf zum Krisenmanager der Finanzwelt aufzuspielen und dabei alle bisher gültigen Grundsätze über Bord zu werfen, wird kaum über den nötigen Weitblick verfügen, um dem aus den Fugen geratenen System eine neue Grundlage zu geben. Man kann und muss die Problematik aber auch als Wink für eine ressourcenextensivere Wirtschaft verstehen. Die Übung eines allfälligen Wandels lautet: Rückkehr zum Wohlstand für alle bei Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs. Angesichts der gewaltigen Sparpotentiale, die allein die beiden Hauptbereiche Wohnwärme und Verkehr in sich tragen, bleibt es unverständlich, warum staatliche Investitionsprogramme im Gießkannenprinzip überkommene Konsumansätze protegieren, anstatt ein neues Bauen und ein neues Fahren anzuschieben. Gebraucht werden kleinere Häuser mit gegen Null gehendem Wärmeverbrauch und kleinere Autos, die mit zwei Liter Sprit pro 100 Kilometer auskommen. Wenn als dritte Säule dann noch Geld in die Bildung gesteckt wird, die erfreulicherweise kaum endliche Ressourcen vernichtet aber unendlichen Wert schaffen kann, steht ein inspirierendes Zukunftsprogramm, an dem sich eine Gesellschaft wieder aufrichten kann. Man darf gespannt sein, ob es in den USA in Kürze in diese Richtung geht.

Gestern war mit eintägiger Verspätung übrigens noch Meldetag für die US-Bestandsdaten. Die brachten der Ölpreisbewegung etwas bärische Inspiration auf der Benzinseite. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: +0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,6 (DOE) bzw. 6,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt unverändert bei schwachen 85 Prozent.

Der unerwartet starke Aufbau zeugt vom deutlichen Rückgang des Benzinverbrauchs. Das ist auch der Grund, warum die schlechte Verfügbarkeit der Raffinerien keinen bullischen Impuls generieren kann. Die Anlagen werden nicht zuletzt aus ökonomischen Motiven heruntergefahren. Benzin übernimmt bei fallenden Preisen eine Schrittmacherfunktion.

Heute Morgen wird der späte gestrige Anstieg bereits wieder annulliert. Die Tonne Gasöl kostet 599 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 57,37 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben tendenziell nach. Heute Morgen werden sie durch den Einfluss des Weltmarkts etwas heraufgesetzt. Die relativ hohen Margen gegenüber den Börsenpreisen schrumpfen ein wenig. Es bleibt aber deutliches Rückschlagspotential aus dem Binnenmarkt erhalten. Sobald die Nachfrage sinkt und die Transportbedingungen auf den Wasserstraßen besser werden, wird weiterer Druck auf die Heizölpreise gebracht. Verbraucher können also mit dem Kauf ruhig abwarten, wenn ihr Tank das erlaubt. Auf lange Sicht wird Heizöl aber teurer werden. Dann ist Energiesparen wieder angesagt. Schauen Sie sich dazu auch unser Logbuch für den Heizölverbrauch an.

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