Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preistreibender Cocktail

Die Woche fallender Ölpreise ist zu Ende. Am Freitag wurde die dominante Richtung bereits wieder angezeigt. Die Preissteigerung betrug ca. 3%. Ein bunter Cocktail brisanter Vorkommnisse dient den Börsenhändlern als argumentatives Rüstzeug auf dem Kreuzzug gegen erschwingliches Öl. Dem Dollar könnte gerade noch die Kurve zurück zum Abwärtstrend gelingen. Die heftige Gegenreaktion der letzten Tage ließ schon am Bestand des übergeordneten Trends zweifeln.

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht. Im Fall der Ölpreise kommt der Bruch spätestens, wenn die Weltwirtschaft ernsthaft zu leiden beginnt. Das kann eigentlich nicht mehr lange dauern. Eine Preissteigerung von 80% für das Barrel Rohöl binnen eines Jahres und 170% innerhalb von zwei Jahren ist kaum auszuhalten. Bisher steckten die USA das weg, ohne dass die Wirtschaft spürbaren Schaden nahm. Bisher bekamen die Verbraucher aber eine Kompensation durch Bushs Steuergeschenke. Zu verschenken gibt es nichts mehr. Dennoch, Benzin und Heizöl werden immer teurer. Jeder zusätzliche Dollar für Treib- und Brennstoff fehlt dem Konsum. Die deutsche Konsumschwäche interessiert die Welt nur periphär. Eine US-Konsumschwäche hat andere Bedeutung. Sie kann den Konjunkturmotor abwürgen.

Spätestens dann werden die Preistreiber an den Märkten erkennen, dass der Bogen überspannt wurde. Noch scheint das nicht der Fall zu sein. Das Engagement an den Ölbörsen kennt derzeit keine Grenzen. Noch nie gab es so viele offene Kontrakte wie heute. Offene Kontrakte sind Wetten auf die Entwicklung der Ölpreise. Der Ausstieg aus dem Geschäft geschieht durch Glattstellung eines Kontrakts. Man kauft dazu die Gegenposition der ursprünglich eingegangenen Wette. Interessanterweise ist die Meinung, wohin die Preisreise gehen wird, durchaus gemäßigt. Im Frühjahr war die Stimmung eindeutiger auf der bullischen Seite. Möglicherweise ist das schon ein Zeichen von Vorsicht, dass der Krug bald zerbrechen könnte.

Die auf steigende Preise spekulierenden Glücksritter sehen sich argumentativ immer wieder gestärkt. Zu eindeutig scheinen die Vorkommnisse in der Welt zu sein, um gegen weitere Preissteigerungen zu stehen. Der Streit mit dem Iran um das Atomprogramm mündete bereits in der Drohung vor einer Ölkrise. In Ecuador, einem Zwerg der Ölproduktion mit 0,7% der Weltförderung, gibt es Unruhen, die zur Einstellung der Lieferungen führten. Das Volk will die versprochene Beteiligung am Ölreichtum eingelöst sehen. Die Hurrikansaison hält Befürchtungen über Störungen durch weitere Stürme wach. Konkrete Warnungen liegen nicht vor. Jüngste Berichte über die US-Ölbevorratung zeigten einen Rückgang. Er kommt auf hohem Niveau. Die OPEC prognostiziert eine Steigerung des Bedarfs. Sie liegt im Bereich der Unschärfe einer Prognose. US-Raffinerien erweisen sich in den letzten Tagen als schrottreife Anlagen mit gewaltigen Ausfallerscheinungen. Ihre Verfügbarkeit liegt bei 95%. In Saudi Arabien ist jederzeit mit neuem Terror zu rechnen. Das ist spätestens seit Bushs Irakfeldzug so. Schließlich gibt es noch die Binsenweisheit, dass Öl irgendwann aufgebraucht sein wird. Spürbare Erscheinungen in der Gegenwart gibt es nicht.

Mit etwas Abstand betrachtet sind die bullischen Argumente reichlich lahm. Wenn Preise irgend etwas über Angebot und Nachfrage aussagen sollten, ist alles und einiges mehr bereits eingepreist. Was aber wirklich zieht, ist die Stimmung. Sie ist bullisch jenseits aller Argumente. Sie zieht spekulatives Geld an die Börsen. Und das macht den Preis. Mit jedem Dollar Teuerung erhöht sich das Potential des Preisverfalls. Leider gibt es keine Anzeichen, dass der bald kommen wird. Und so geht der Krug weiter zum Brunnen.

Die Entwicklung war seit Monaten absehbar. Vor dieser Entwicklung wurde lange gewarnt. Die Warnungen verhallten bei vielen Verbrauchern hierzulande ungehört. Nun, da die Preise neue Rekorde markiert haben, werden sie ernst genommen. Die Kaufwelle rollt. Das sorgt für zusätzliche Teuerung durch gute Nachfrage.

Heute Morgen wird der Gasölpreis noch im Zaum gehalten. Die Tonne kostet 578$. Das ist etwas weniger als am Freitag. Der Trend weist allerdings aufwärts.

Unsere Heizölpreise haben Rekordhöhen erreicht. Das hält Verbraucher nicht davor ab, zu bestellen. Leere Tanks und die Sorge, dass die Preise noch ganz andere Dimensionen erreichen können, treibt sie um. Wenn der Vorrat nicht bis in den Winter hinein reicht, ist die Kaufentscheidung nach unserer Meinung sinnvoll. Nur wer einen einigermaßen vollen Tank hat, sollte die Spekulation auf Preisverfall im Winter riskieren. Wenn eine Eskalation im Iran-Atom-Konflikt vermieden werden kann, könnte sie aufgehen.

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