Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Rita diktiert Preise

Die Preise ziehen weiter an. Die Sorge, dass der Hurrikan Rita mit voller Wucht auf die texanischen Raffinerien trifft, dominiert den Markt. Gute Zahlen über die US-Vorräte konnten keine Entspannung schaffen. Der Dollar verlor gestern an Wert. Eine klare Richtung der übergeordneten Bewegung ist nicht zu erkennen.

Gäbe es Rita nicht, müssten die Preise fallen. Diesen Schluss legen zumindest die gestern präsentieren US-Bestandszahlen nahe. Sie geben keinen Anlass, an der Zuverlässigkeit der Versorgung zu zweifeln. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben eine überraschend deutliche Zunahme der Vorräte zu Protokoll.

Rohöl: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,9 (DOE) bzw. 5,1 (API) Mio. Barrel. Die Lager sind weiterhin gut gefüllt. Daran konnte der Hurrikan Katrina offensichtlich nicht viel ändern. In diesem Jahrhundert gab es keinen besseren Gesamtbestand zum vergleichbaren Zeitpunkt. Lediglich die Benzinvorräte sind dürftig. Sie geben Anlass überhaupt an Versorgungsengpässe zu denken. Andererseits sind die Heizölvorräte so gut, dass Spekulationen über Versorgungsprobleme im Winter z.Z. absurd erscheinen. Der Aufbau wurde trotz schwacher Importe zustande gebracht. Die Raffinerieverfügbarkeit ist gegenüber der Vorwoche deutlich gestiegen. Die Wiederherstellung der Anlagen im Süden geht offensichtlich voran. Es fehlen noch 6-7% der US-Kapazität. Das entspricht 1,3% der Weltkapazität.

Im Jahr 2001 kostete das Barrel Texasöl bei ähnlichen Vorratszahlen wie heute rund 22$. Aktuell liegt der Preis bei 67,82$. Was ist passiert, das zu einer Verdreifachung des Preises geführt hat? Eine spürbare Verknappung der Versorgung scheidet als Grund aus, selbst wenn die Raffineriekapazitäten im Verhältnis zum Verbrauch nachweisbar knapper geworden sind. Die Industrieländer spüren keinen Mangel an Treib- und Kraftstoff, sie erahnen ihn lediglich. Die Angst geht um, dass es zum Mangel kommen kann. Das Bewusstsein von der Endlichkeit der Ressourcen ist zurückgekehrt. Damit wird Geschäft gemacht. Es ist wie im 17. Jahrhundert mit Tulpenzwiebeln oder wie Ende des 20. Jahrhunderts mit dem Internethype. Nicht die Sache selbst sondern die Phantasie hinter dieser Sache treibt die Preise in die Höhe. Phantasien werden zu Emotionen. Und Emotionen bringen die Börse in Schwung.

Die Reaktionen den Ölbörsen sind so emotional geworden, dass sie den Verstand teilweise lahm legen. So rechtfertigt beispielsweise die Prognose, dass der kommende Winter extrem kalt werden soll, einen Teil der aktuellen Preissteigerung. Wettervorhersagen über mehr als drei bis fünf Tage entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage. Derart getriebene Preise kommen einer Zockerpartie gleich.

Die emotionsgetriebenen Preise werden irgendwann auf ein tieferes Niveau zurückfallen. In absehbarer Zeit ist daran allerdings nicht zu denken, da kein Wechsel in der Grundeinstellung zum Markt sichtbar ist. Vermutlich bedarf es einer spürbaren Dämpfung der Wirtschaft und eines Umdenkens im Energieverbrauch. Eine technische Revolution der Sparsamkeit muss denkbar werden. Allein die sich Bahn brechende Idee könnte die Ölbörse zur Umkehr bringen.

Davon kann man momentan nur träumen. Jetzt regieren Rita und der Iran an den Börsen. Beide stehen für preistreibende Verknappungsszenarien. Rita nimmt 30% der US-Raffinerien ins Visier. Das entspricht 6% der Weltkapazität. Der Iran droht im Streit um das Atomprogramm mit dem Drosseln der Rohölströme. Er herrscht über 5% der Weltversorgung. Sollten beide Attacken glimpflich ablaufen, hat ein baldiger Preisrückgang eine Chance. Ein deutlich tieferes Niveau steht allerdings nicht in Aussicht. Es wird kaum mehr als eine Gegenreaktion zum langfristigen Aufwärtstrend zu erwarten sein. Um diesen Trend zu brechen, bedarf es des Phantasiewechsels.

Heute Morgen arbeitet die Angst für die Preise. Gasöl wird teurer gehandelt als gestern. Die Tonne koste 625$.

Unsere Heizölpreise zieht es aufwärts. Die Angst vor Rita bindet sie an den langfristigen Aufwärtstrend. Eine Mögliche Entspannung ist fest mit dem Hurrikan verknüpft. Derzeit stehen die Zeichen auf Sturm. In ein paar Tagen bekommt der Markt neue Impulse. Eine Preisvorhersage leitet sich direkt aus der Wettervorhersage für den Golf von Mexiko ab.

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