Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Soros und Buffet

Nun wird die Preisentwicklung wirklich spannend. Die jüngste Rallye rückt einen Anstieg über die Marke von 60 Dollar pro Barrel in den Bereich des Möglichen. Das wäre realwirtschaftlicher Unsinn. Aber Preisbildungsprozesse haben nichts mit Realwirtschaft zu tun, wenn sie in den Einfluss liquider, spekulationssüchtiger Banken geraten. Und liquide sind diese Banken derzeit. Dafür haben die Staaten gesorgt. Banken fühlen sich wieder wohl, während andere Sektoren Sorge über die zukünftige Entwicklung ihrer Geschäfte befällt. Dazu gehört auch die Mineralölwirtschaft. Nach eigener Ansicht muss sie sich auf magere Jahre einstellen. Die Branche rechnet damit, dass sich der Rohölpreis viele Jahre lang auf einem Niveau von 50 Dollar pro Barrel halten wird. Für ein solches Preisniveau werden neue Planungen geschrieben. Damit die Gesellschaften weiterhin Geld verdienen, werden einige Investitionsprojekte eingestellt. Über die Projekte, die fortgesetzt werden, wird neu verhandelt. Nicht nur Investitionen auch Kosten für die laufende Förderung geraten bei den kalkulierten Preisen aus dem Ruder. Mittlerweile ist klar, dass die Ölgewinnung aus Sänden nicht mehr profitabel ist. Shell steckt damit in Kanada in der Verlustzone.

Ob die Preisschätzung der Ölexperten die Realität treffen wird, ist indes ungewiss. In der Vergangenheit wurde diese mit schöner Regelmäßigkeit übertroffen. Das könnte erneut drohen. Die Voraussetzung hierzu ist in Form gut aufgestellter Spekulanten gegeben. Die Schranken, die ihnen nach dem jüngst angerichteten Desaster auferlegt werden sollten, existieren nicht. Sie genießen nach wie vor Narrenfreiheit. Einzig ihre finanziellen Mittel entscheiden über ihren Einfluss. Den Zustrom dieser Mittel haben sie sich gesichert. Große Teile des verbrannten Geldes wurden für sie neu gedruckt. Selbst das außerhalb jedweder Kontrolle angesiedelte Geschäft mit Zertifikaten und Papieren für Rohstoffe scheint wieder zu blühen. Anders lässt sich die jüngste Preisrallye beim Öl nicht erklären. In der offiziellen Börsenstatistik ist weder ein Anstieg der Handelaktivitäten noch ein Anstieg einer zu vermutenden bullischen Positionierung der großen Spekulanten zu erkennen. Im Gegenteil, sie signalisiert eine bärische Einstellung.

Die Börsen geben den Takt vor. Spekulanten machen ihn mit, soweit sie ihn nicht selbst bestimmen. Der Altmeister George Soros, der sich zu einem kritischen Geist seiner Zunft entwickelt hatte, bejubelt bereits das Ende der Krise. Dem mag sein Kollege Warren Buffet, üblicherweise der reichste Bürger unseres Planeten, nicht zustimmen. Er, der sich nach eigener Angabe nicht für Börsen sondern nur für den Wert seiner Investitionen interessiert, kann keine Anzeichen von wirtschaftlicher Erholung feststellen. So geht es den Ölgesellschaften auch. Sie sorgen sich nun sogar schon um das Raffineriegeschäft, das bis Februar noch sehr einträglich war. Das ist es nicht mehr. Man beginnt sich mit schwarzen Nullen zu arrangieren. In Deutschland stehen zwei Raffinerien zum Verkauf. An Schließungen wird wohl kein Weg vorbeiführen. Der weltweite Aufbau neuer Kapazitäten, er wurde in der Hochpreisphase begonnen, könnte dazu zwingen. Ursache des Problems ist die Nachfrage. Sie ist nach wie vor rückläufig. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Trotz aller Rückläufigkeit der Nachfrage kann von ihrem Zusammenbruch keine Rede sein. Mehr oder weniger werden ähnliche Mengen Öls über die Meere geschifft wie vor einem Jahr. Die Differenz liegt irgendwo zwischen drei und acht Prozent. Die Preise für die Verschiffung von Rohöl sind hingegen um 60 Prozent eingebrochen. Zuletzt traf es sogar die tendenziell stabileren Preise für die Produktenverschiffung. Sie fielen um 33 Prozent. Diese Zahlen werden kaum von Börsen beeinflusst. Sie sind Ausdruck einer Geschäftseinstellung, die in direktem Kontakt mit der Realwirtschaft steht.

Die Beobachtungen laufen seit Tagen auf den selben Schluss hinaus. Die Ölpreise müssten aus fundamentaler Sicht niedriger sein. Spekulatives Treiben lässt sie indes ansteigen. Wenn die Bodenhaftung nicht so kurz nach Ausbruch der Krise wieder verloren gehen sollte, muss es zu einer Preisumkehr kommen. Die müsste Rohöl in einen Bereich zwischen 55 und 45 Dollar pro Barrel führen. Ein solcher Preis wäre zwar nicht gerade eine Urkraft für eine von Effizienz geprägte Energierevolution, die die Welt und ihre Wirtschaft dringend benötigt. Er ist aber das, was man im Moment als plausibel bezeichnen darf.

Heute Morgen lässt diese Plausibilität weiterhin zu wünschen übrig. Die Preise geben unzureichend bis gar nicht nach. Die Tonne Gasöl kostet 473 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 58,34 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,39 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben gestern etwas nach. Sie folgten damit einer leichten Gegenreaktion am Weltmarkt. Eine Trendwende ist das noch nicht. Eine Trendwende stünde aber an. Ob diese kommt, können wir nicht erkennen. Trotz der nicht zu bändigen Kraft von bullischer Spekulation gehen wir noch von einem Funken Vernunft der Märkte aus. Das heißt, dass sich die Preise weiterhin in den Grenzen der Märzlimite bewegen werden. Die Verfolgung der Preisbewegung ist wegen der darin liegenden Überraschung durchaus spannend. Nicht minder spannend ist die Verfolgung des eigenen Energieverbrauchs. Auch dabei kommen oft Überraschungen zu Tage. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com. Die Seite kann Ihnen helfen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen