Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


US-Vorräte wachsen weiter

Seit vier Monaten wachsen die Vorräte in den US-Tanklagern. Selten standen sie in den letzten zwanzig Jahren höher als heute. Mittlerweile ist der Aufbau der Bestände zur Normalität geworden. In den Preisen spiegelt er sich aktuell nicht mehr wieder. Selbst der Umstand, dass die Realität die Erwartungen übertrifft, blieb gestern unbeachtet. Die Angebotsseite hat ihre Magie verloren. Die Blicke sind auf die Nachfrage gerichtet. Dort wartet man sehnsüchtig auf ein Signal, das eine Umkehr des konjunkturellen Trends ankündigen könnte. Dieses Signal gibt es nicht. Es gibt nur finstere Wirtschafts- und Finanzprognosen. Immerhin, an den Aktienmärkten ist Karneval. Dort steigen die Kurse. Das hat üblicherweise sinkende Dollarnotierungen zur Folge. Gestern wurde selbst diese Bindung außer Kraft gesetzt. Die feste Zusicherungen der US-Notenbank (FED), gegen den Absturz alle denkbaren und undenkbaren Mittel einzusetzen, stärkte die US-Währung. Nachdem die Zinsschraube bereit am unteren Anschlag steht, wird nun Geld gedruckt, um wertlose Hypothekenpapiere aufzukaufen.

Eventuell bewirkte die fehlende Kohärenz in den Mitteilungen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) das Desinteresse an der Bestandsentwicklung. In solchen Fällen werden üblicherweise nur die Werte des API ignoriert. Gestern wurden die Datensätze in Sippenhaft genommen und komplett mit Ignoranz gestraft. Ihr Inhalt soll deshalb nicht unerwähnt bleiben. Die wöchentliche Veränderung in den öffentlichen US-Tanklagern lautet wie folgt:

Rohöl: +6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,1 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit steht fast unverändert bei 83 Prozent. Der Wert ist äußerst schwach. Aber die nicht minder schwache Nachfrage verlang nicht mehr.

Im Gegensatz zu Deutschland ist das Geldverdienen im Raffineriegeschäft der USA sehr schwierig geworden. Dass der abgestürzte Rohölpreis Spuren in den Bilanzen der Mineralölgesellschaften hinterlässt, versteht sich von selbst. Nicht unerwartet meldet mit ConocoPhillips nun ein erstes der erfolgsverwöhnten Unternehmen einen Quartalsverlust an. Vor einem Jahr wurde für den gleichen Zeitraum noch ein Gewinn von 4,4 Mrd. Dollar ausgewiesen. Heute steht ein Verlust von 31,8 Mrd. Dollar in den Büchern. Als Folge des Ölpreissturzes und der Rezession Anfang der 1980er Jahre gingen viele Ölgesellschaften pleite.

Pleite zu gehen, kommt für die meisten Ölgesellschaften in den OPEC-Staaten nicht in Frage. Sie sind fast alle staatliche Unternehmen. Der Staatsbankrott ist schon eher denkbar. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass es zu Aufruhr und gegebenenfalls sogar zu politischen Umstürzen kommt, wenn die Erlöse aus dem Ölgeschäft nicht bald wieder steigen. Viele Staatswesen im OPEC-Kreis sind höchst gefährdet, weil ihnen das Geld zur Beruhigung ihrer Völker fehlt. Saudi Arabien gehört in den engeren Kreis dieser Wackelstaaten. Daher ist es logisch, dass aus diesem Land tägliche Preisbeschwörungen kommen. Man werde für die Anhebung mit weiteren Mengenreduzierungen kämpfen. Börsianer und Preise lässt das kalt.

Nun ist aus der OPEC eine weitere, und dieses Mal keine neue Aktivität zur Beeinflussung der Preisbildung zu hören. Man fordert eine Begrenzung der Spekulation auf Öl. Händlern, die kein physisches Interesse an der Ware haben, sollen Grenzen gesetzt werden. Diese Forderung stößt mittlerweile in den USA, dem Haupthandelsplatz für Ölpapiere, auf offene Ohren. Heute ist vorstellbar, was vor einem halben Jahr noch undenkbar schien. Der außerbörsliche Handel mit Ölderivaten, der als eigentliche Ursache für die Preisexzesse gilt, könnte eines Tages tatsächlich verboten werden. Der OPEC muss man zu Gute halten, dass sie nicht nur jetzt, da die Ölpreise unter den Grenzkosten (Produktionskosten für das teuerste Barrel Öl) liegen, gegen überbordende Spekulation argumentiert. Sie tat es auch, als die Preise übertrieben hoch waren.

Heute Morgen halten die Preise ihr gestriges Tagesniveau. Ein Anstieg, der sich zum Handelsschluss ausbildete, wurde über Nacht annulliert. Die Tonne Gasöl kostet 435 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 41,91 Dollar.

Unsere Heizölpreise ziehen munter seitwärts. Der Weltmarkt gibt keine anders lautenden Impulse. Die Nachfrage im Binnenmarkt entspannt sich, ohne abzureißen. Kühle Temperaturen halten Käufer im Markt. Lieferzeiten sind in einigen Regionen noch lang, weil in den Büchern Altaufträge stehen, die abgearbeitet werden müssen. Eine Kältewelle hier oder in den USA könnte einen begrenzten Preisanstieg verursachen. Insgesamt rechnen wir aber eher mit unveränderten bis leicht rückläufigen Preisen. Das erfreulich gefallene Preisniveau sollte nicht davon abhalten, sich langfristig um die Reduzierung des Verbrauchs zu kümmern. Als einzelner Verbraucher wird man so die Kosten für Raumwärme im Griff behalten. Als Gesellschaft kann man die Nachfrage spürbar drosseln. Und das hat, wie jetzt sichtbar wird, den größten Einfluss auf die Preisbildung selbst.

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