Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Ungleichheit ist auch keine Lösung

Die Finanzszene ist bei guter Laune. Sie hat einen neuen Liebling. Mario Draghi, Chef der EZB, wird ihre Wünsche nach mehr Geld zum richtigen Zeitpunkt befriedigen. Davon ist sie überzeugt. Deshalb stiegen Aktien- und Ölnotierungen zuletzt gegen sämtliche Konjunkturprognosen an und der Euro gewann im Mittel seit drei Wochen an Wert. Das ist angesichts der Lage um die Gemeinschaftswährung ein kleines Wunder. Der Totgesagte lebt, oder besser, wird am Leben gehalten. Das einfache Motto der Lebenserhaltung lautet, viel hilft viel. Die systemisch gierige Finanzszene wird gegebenenfalls mit Geld zugeschüttet. Das war bereits in den USA der Plan. Dort wurde das Geld- und Finanzsystem vor dem Untergang gerettet. Wirtschaft und Arbeitsplätzen hat es wenig gebracht. Einzig die ungleiche Verteilung der Einkommen ist weiter gestiegen. So wird es nun auch in Europa versucht. Die Konsequenz wird die gleiche sein, die Ungleichheit wächst.

Das Bemühen um Gleichheit kann man ethisch begründen. Man kann es auch ökonomisch und ökologisch begründen. Ausgewogene, nach Gleichheit strebende, Volkswirtschaften sind stabiler, weil sie ein breit angelegtes realwirtschaftliches Fundament haben. Das Volkseinkommen wird von allen Beteiligten zur Lebensführung genutzt. Hätten alle genug Geld, könnte der überfällige ökologische Umbau der Gesellschaft vollzogen werden. Niemand würde zur Energiewende die Frage stellen, wer sie eigentlich bezahlen soll. Es wäre selbstverständlich, dass die Aufgabe von allen gestemmt werden würde. Nach Gleichheit zu streben, bedeutet selbstverständlich nicht, dass alle Arbeit gleich bezahlt wird und dass Leistungsunterschiede ignoriert werden. Es bedeutet lediglich, dass nicht permanent aus Geld neues Geld geschöpft wird, dass heißt, dass Vermögende nicht aus ihrem Finanzvermögen heraus vermögender werden.

Ungleichheit sorgt für extreme Verteilung von Einkommen. Wenige haben viel und viele haben wenig. Die, die viel Geldvermögen haben, können dies nicht ausgeben. Deshalb steht es der Realwirtschaft nicht zu Verfügung. Es bleibt dort, wo es geschaffen wurde, im finanztechnischen Elfenbeinturm. Der ist bereits heute dreimal so groß wie das realwirtschaftlich relevante Geldvermögen. Es wird weiter wachsen.

Nun könnte man die Sache gelassen hinnehmen, weil sie sich im Elfenbeinturm abspielt. Der ist allerdings über die Schulden, die als Äquivalent zum Vermögen entstehen, und über einige an Warenterminbörsen handelbare Güter mit der Realwirtschaft verbunden. Die Konsequenzen sind hinlänglich bekannt. Heute landet ein großer Teil der Schulden bei Staaten, Ländern und Kommunen. Die müssen ihre Dienste immer weiter reduzieren. Realwirtschaftlich wird das aus Geld geschaffene Geld in den Ölpreisen und einigen anderen fossilen und nachwachsenden Ressourcen (Weizen Mais etc.) in aberwitzigen Preissteigerungen sichtbar.

Niemand vermag den als spekulativ bezeichneten Anteil am Ölpreis zu quantifizieren. In Europa ist das Barrel Öl gut 20 Dollar teurer als in den USA. Weder hier noch dort herrscht derzeit Knappheit. Die Grenzkosten der Förderung, das sind die Kosten für das teuerste geförderte Öl, sind hier wie dort ungefähr gleich. Die durchschnittlichen Kosten liegen sehr weit unterhalb der Preise bei ungefähr 20 Prozent. Ein Ansatz, den spekulativen Anteil zu beziffern, basiert auf dem genannten Preisunterschied. Er betrüge so betrachtet 20 Prozent. (Die Gleichheit mit dem Kostenanteil ist zufällig.) Ein plausiblerer Ansatz, die Spekulation in Zahlen auszudrücken, basiert auf der Wirkung des Elfenbeinturmgeldes. Da es dreimal so hoch ist wie das Realwirtschaftsvermögen, muss der Ölpreis drei Anteile Überschussgeld und einen Anteil werthaltiges Geld enthalten. Er ist also viermal mal so hoch, wie sein realwirtschaftlicher Wert. Auch hier gilt, der Preis wird weiter wachsen, nicht nur wegen der steigenden Kosten, sondern auch wegen der steigen Geldvermögen. Der rasante Absturz der Ölpreise im Moment des zusammenbrechenden Geld- und Finanzsystems 2008 hat den Ölpreis übrigen auf ein Viertel seines Preises fallen lassen.

Hohe Ungleichheit wirkt in hohem Maß destabilisierend auf Gesellschaftssysteme. Das zeigt sich in dieser Zeit in Nordafrika, im Nahen Osten und in der Golfregion. Dort, wo die Revolution noch nicht ausgebrochen ist, versucht man sie durch Reduzierung von Ungleichheit aufzuhalten. Das treibt die Staatskosten in die Höhe. Diese Kosten werden in vielen der betroffenen Länder aus Öl, ihrem wichtigsten Wirtschaftsgut, aufgebracht. Damit das bei ausgeglichenem Haushalt geschehen kann, benötigt Saudi Arabien einen Ölpreis von 94 Dollar pro Barrel, der Iran braucht 127 Dollar pro Barrel und die OPEC insgesamt benötigen 99 Dollar pro Barrel. Vor zwei Jahren langten noch 77 Dollar, um die Haushalte stabil zu halten.

Es sieht so aus, als seien die einzelnen Probleme nicht sehr schwierig zu benennen. Die Lösung der Probleme ist damit allerdings alles andere als naheliegend, denn die Verstrickungen und Wechselwirkungen sind so gravierend, dass sie unauflösbar scheinen. Daher rührt die politische Tatenlosigkeit. Sie wissen eben nicht, was sie tun sollen. Weder das Laufen lassen der Dinge noch das beherzte Beenden der aberwitzigen Geldschöpfung versprechen eine geordnete Fortsetzung. Es wird einen Bruch geben. Die Frage ist nur wann und wie er steuerbar ist.

Heute Morgen steigen die Ölpreise beherzt an. Das passt zur Stimmung an den „Märkten“. Auf und davon werden sie aber kaum laufen. Einerseits ist eine technische Gegenreaktion auf den letzten Preisanstieg zu erwarten. Andererseits würde ein zu schneller Anstieg der Preise Kollapsängste hervorrufen. Die Szene wird sich für weitere Gewinne also in einer gewissen Selbstbeschränkung üben müssen. Die Tonne Gasöl kostet 985,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,36 Dollar und in London zu 114,09 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 80,81 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Sie folgen damit den aktuellen Börsenvorgaben. Da das Finanzmarktgeschehen zurzeit recht sorgenfrei verläuft und da mit neuer Geldausschüttung der Notenbanken sowie mit dem iranischen-israelischen Atomkonflikt bullisches Potenzial vorhanden ist, gehen wir von weiter steigenden Heizölpreisen aus. Es braucht Friedenswillen und Finanzmarktängste, um das zu ändern. Wer mit einem fast leeren Tank da steht, sollte Heizöl kaufen, lieber früher als später. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen