Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Verbraucher in einer fremden Welt

Der Iran tritt freiwillig in die zweite Reihe der Stichwortgeber für die Ölpreise, indem er auf ein sofortiges Ölembargo gegen die EU verzichtet. In der ersten Reihe stand gestern die EU. Finanzjongleure versuchten, die Sparbemühungen und den Fiskalpakt der Union preislich einzuordnen. Eine klare Linie fanden sie nicht. Wie auch, mag man sagen? Die Quadratur des Kreises ist nach wie vor ein ungelöstes Problem. Nichts anderes wäre es, durch das Nichtausgeben von Geld Wachstum zu generieren. Dort, wo die Wirtschaft nicht läuft, muss sie mit Geld angekurbelt werden. Das kann über Schenkungen aus Umverteilung geschehen oder klassischerweise über neue Schulden. Letztes machen die USA und Großbritannien. In diesen Tagen verkünden die Chefs der beiden Länder Erfolge ihrer Bemühungen. Die EU meldet Misserfolge für ihre Sorgenländer. Das eine ist so unglaubhaft wie das andere schlecht. Denn weder sinkt die Arbeitslosigkeit bei den Schuldenmachern signifikant, noch sinken die Schulden bei den Sparsamen auf ein erträgliches Maß. Rezession, ruft die Wissenschaft. Eine andere Wirtschaft, schallt es mittlerweile sogar schon aus den gut gestellten Bevölkerungsschichten. Das ist großes Theater mit derzeit noch wenig Substanz. Was soll ein Finanzjongleur daraus machen? Etwas auf, etwas ab und so hoppeln die Ölpreise seit einem Jahr seitwärts.

Unterbrochen wurde dieser Trend nur durch den Schock, den das Wegbrechen libyschen Öls im Frühjahr 2011 auslöste. Auf einen solchen Schock mag die Finanzszene im Fall Iran nicht setzen. Derzeit neutralisieren sich die diplomatischen Rangeleien zum Streit. Anders sähe es aus, wenn Waffen zischten oder eine weitere Revolution losbräche. Daran kann kein Würdenträger ernsthaft Interesse haben. Solange die Lage angespannt aber kontrollierbar bleibt, wird das Öl in ausreichendem Maß fließen, um für einige Jahre ein bescheidenes globales Wirtschaftswachstum zuzulassen. Den einen oder anderen Ausfall eines Ölproduzenten kann man sogar verkraften.

Für den Iran gilt das nur bedingt. Ein Totalausfall, der aktuell nicht auf dem Programm steht, wäre fatal. Das Land ist weltweit die Nummer Vier der Produktionsrangliste, mit einem Anteil von 5,2 Prozent am Gesamtaufkommen. Den gleichen Rang hat es bezüglich der Reserven. Der Anteil beträgt allerdings 9 Prozent. Das ist mehr als Russland zu bieten hat. Das Land verfügt lediglich über 5,1 Prozent der Reserven. Bei der Produktion steht Russland auf Platz Eins. Nach heutigem Stand wäre in 21 Jahren Schluss mit russischem Öl. Spätestens dann sollten wir unseren inneren Frieden mit den Ländern des Nahen Ostens gefunden haben. Sie verfügen nämlich fast alle über Ölreserven, die weit länger als 50 Jahre reichen, wenn man ihren eigenen Angaben glauben darf. Die einzigen nennenswerten Ölreserven mit sehr langer Reichweite außerhalb dieser Region besitzen Venezuela und Kanada. In beiden Fällen ist die Produktion teuer, da das Gros als Schweröl oder Ölsand vorkommt. Wichtiger als die Produktionskosten ist aber die Tatsache, dass die Länder zum Vorhof der USA zählen. Damit ist das Öl „besetzt“.

Bekannte Ölländer mit einer uns geläufigen politischen Kultur wie Norwegen, Brasilien, Australien oder Großbritannien verfügen jeweils über nicht einmal ein Prozent der Weltölvorräte. Unsere Lieferanten Großbritannien (Rang 2) und Norwegen (Rang 4) haben ihr Peak Oil längst hinter sich. Von dort kommt immer weniger Öl zu uns. Gleiches wird in einer nahen Zukunft für unseren Toplieferanten Russland gelten.

Als Ausfallkandidaten machen derzeit Libyen, Nigeria und der Sudan von sich reden. Im Fall Libyens ist es ein positiver Ton. Nachdem das Land, das normalerweise für zwei Prozent der Weltölproduktion und drei Prozent der Weltölreserven steht, total ausfiel, kommt es nun rasant zurück. Es dürfte derzeit 1,4 Prozent zur Weltölproduktion beitragen. Nigeria ist ein ständiger Wackelkandidat, weil die politische Führung des Landes nicht in der Lage ist, den Reichtum angemessen im Volk zu verteilen. Das führt zu explosivem, sozialem Dauerstress. Mit 2,9 Prozent am globalen Angebot ist die nominelle Produktion groß genug, um bei Ausfällen preisrelevante Effekte beisteuern zu können. Die Reserve von 2,4 Prozent weist auf ein nicht sehr langes Leben als Ölproduzent hin. Der Sudan machte vor Kurzem mit seiner Staatsteilung auf sich aufmerksam. Nun befinden sich die Ölvorkommen im Südsudan, einem Land ohne Meerzugang. Öl kann es nur liefern, wenn die Nachbarn das zulassen. Das ist momentan nicht der Fall. Deshalb sind 1,5 Prozent der Weltölproduktion und 0,4 Prozent der Weltölreserven nicht nutzbar. Der Ölmarkt kann das verkraften.

Die Lage ruft das ölabhängige Europa zur Veränderung auf. Sie ist in keiner Weise dramatisch, wenn die Bereitschaft zum Wandel besteht. Gefragt ist Wandel durch Verbrauchssenkung und durch politische Annäherung an uns fremde Kulturen. Diskussionen über die Ursachen nationaler Preisbildung versperren den Blick vor den Erfordernissen des Wandels. Sie gehören eher in das Genre der Unterhaltung als der Problemlösung. Dass Öl teurer wird, unterliegt dem Gesetz von Inflation und Begrenztheit der Rohstoffe. Damit Öl nutzbar bleibt und uns weiterhin wertvolle Dienste leistet, muss eine Kultur des Maßes und des Ausgleichs mit den Anbietenden entwickelt werden.

Heute Morgen wird Öl teurer. Das ist eine Momentaufnahme. Sie hat nicht erkennbar mit der Teuerung zu tun, die sich aus Knappheit ergibt. Der Dollar wird zum Ausgleich etwas billiger. Die Tonne Gasöl kostet 967,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,90 Dollar und in London 111,65 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,81 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen unwesentlich zu. Eine erkennbare Wende zurück zum Aufwärtstrend haben sie noch nicht vollzogen. Der Markt macht es in diesen Tagen schwierig, eine solche Wende zu begründen. Das ist die gute Nachricht für Verbraucher. Die schlechte Nachricht ist, dass die Insolvenz des Raffineriebetreibers Petroplus die Produktion in Ingolstadt betreffen wird. Dadurch kann die Versorgung regional knapp werden. Deutliche Preisanstiege werden möglich. In den betroffenen Regionen können Nachfrageschwankungen zu stärkeren Preisausschlägen führen. Verbraucher sollten vor oder nach den größten Wirren der Insolvenz kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen