Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Verbrauchsanalyse statt Marktanalyse

Fallende Ölpreise geschehen von Zeit zu Zeit. Steigende Notierungen sind Zeitgeschehen. Auf diesen Nenner lässt sich die Preisbildung seit eineinhalb Jahren bringen. Der langfristige Aufwärtstrend ist schon älter. Er begann vor zehn Jahren. Bemerkenswert ist, dass der Wert eines Barrels Öl in dieser Zeit von einem Rekordtief zu einem Rekordhoch aufstieg. Zehn Jahre sind erfahrungsgemäß zu kurz, um das menschliche Handeln grundlegend zu ändern. Nicht mehr und nicht weniger scheint das Zeitgeschehen aber zu verlangen.

Am Anfangspunkt dieser Geschichte stand der absolute Überfluss, billiges Öl in nicht endenden Mengen. So schien es zumindest 1998. Autos wurden voluminöser, schwerer und stärker motorisiert. Die mobile Gesellschaft wurde neu erfunden. Mobilität wurde, wie zuvor unbegrenztes Wirtschaftswachstum, zur Gesellschaftsdoktrin erhoben. Neue Wohngebiete weit außerhalb der Zentren entstanden. Die Häuser wurden größer. Immerhin verlangten sie zum Heizen nicht mehr Öl und Gas als die Bauwerke der 1970er Jahre. Dafür sorgten Regeln, die ihren Ursprung in der Zeit des ersten Ölpreisschocks haben.

Warnende Stimmen, dass sich die Industriegesellschaft auf einem falschen Weg befindet, gab es schon damals. Hören wollte sie niemand. Heute mag man diese Stimmen immer noch nicht. Aber das Zeitgeschehen scheint ihnen Recht zu geben. Die Ressourcen auf die unser Wirtschaftswachstum aufgebaut ist, geraten viel schneller an den Punkt einer spürbaren Endlichkeit, als man das zu glauben bereit ist. Ob das wirklich so ist oder es sich aktuell um eine temporäre Energiekrise handelt, ist immer noch Gegenstand politischer und wirtschaftlicher Diskussionen. Nicht nur der wenig informierte Pendler auch der gut informierte Wirtschaftslenker, der Politiker und sogar der eine oder andere Wissenschaftler hängen weiterhin dem Traum nach, dass Ressourcenüberfluss eine tragfähige Grundlage für unsere Gesellschaft ist. Sie neigen dazu, sich von Herrschern über Ölfelder mit mangelhaft ausgeprägtem Wachstumsethos und von Völkern mit zu hoch entwickeltem Wachstumsstreben um die Fortführung ihres Gesellschaftstraums betrogen zu sehen. Für manche von ihnen ist sogar Krieg eine akzeptable Methode im Kampf gegen das Platzen des Traums von der Überflussgesellschaft.

Heute zeichnet sich deutlich ab, dass es viele Menschen gibt, für die das Festhalten an diesem Traum im Desaster enden wird. Man redet darüber in den Medien und in der Politik. Man redet, aber man handelt nicht. Betroffene führen das darauf zurück, dass die, die reden, nicht handeln müssen, weil sie nicht betroffen sind. Im Umkehrschluss hieße das, dass die Betroffenen selbst handeln müssen. Das klingt nach einem Aufruf zur Revolte. Warum nicht? Wogegen soll revoltiert werden? Gegen zu geringe Öl- und Gaslieferungen oder gegen einen Traum, der nicht zu halten ist. Ersteres bedeutet, sich gegen die Welt zu stellen. Man hätte nicht nur Ölförderländer zum Feind. Man machte sich auch Feinde unter den vielen konkurrierenden Verbraucherländern. Die Schlacht wäre bereits vor ihrem Beginn verloren. Bleibt also nur, gegen den Traum zu revoltieren, der für viele zum Albtraum wird. Die Revolte muss sich also gegen zu schwere Autos, gegen zu weit von Zentren entfernte Häuser und ihre Größe, gegen die Idee übertriebener Mobilität und gegen das Dogma von Wohlstandsteigerung über Verbrauchssteigerung richten. In der Terminologie der Märkte heißt das, wenn die Revolte auf der Angebotsseite ausgeschlossen ist, muss sie auf der Nachfrageseite stattfinden. Das Schwierige daran ist, dass sie Änderungen gewohnter Denk- und Handlungsweisen verlangt. Das Schöne daran ist, dass jeder umgehend mit Denken und Handeln beginnen kann. Eine derartige Veränderung bricht sich gerade den USA mit den Worten „yes we can“ Bahn.

An der Börse glaubt man noch nicht an diese Veränderung. Die Preise sind unwesentlich leichter als an den Vortagen. Die Tonne Gasöl kostet 1.276,25 Dollar. Die Tonne Rohöl kostet in New York 141,12 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben etwas nach. Sie befinden sich knapp unter ihrem Allzeithoch. Ein Preisrückgang, der das Wort verdient, ist nicht in Sicht. Man ist auf alle Fälle gut beraten, sich intensiver mit dem eigenen Verbrauch als mit der Preisentwicklung des Marktes zu beschäftigen. Die Verbrauchsanalyse ist nicht minder spannend als die Marktanalyse. Langfristig ist sie aber die erfolgsversprechendere Betätigung.

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