Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Weniger wäre hier mehr

Der Preis steht unter Druck. Druck bekommt er vom Weltmarkt, genauer von den Börsen, und Druck bekommt er im Binnenmarkt. An den Börsen gibt die Finanzwirtschaft den Ton an. Nachdem sie über Wochen wirtschaftliche Erholung und Aufschwung handelte, versucht sie nun die Annäherung an die Realität. Die hat wenig Aufschwung, noch weniger Ölnachfrage und ein überbordendes Angebot zu bieten. Im Binnenmarkt gibt der Verbraucher den Ton an. Der heißt Stille. Trotz ungewöhnlich tiefer Temperaturen ist die Nachfrage nach Heizöl dürftig. Händler kämpfen um die wenigen Kunden mit vergleichsweise günstigen Preisen. Dabei verzichten einige gänzlich auf die Marge. Wer es sich leisten kann, setzt auf Verdrängungswettbewerb. Darauf setzen auch einige Händler, die es sich nicht leisten können. Sie können durchaus Opfer der eigenen Strategie werden.

Verbraucher freuen sich über einen günstigen Preis. Ob sie sich über den Verzicht auf Marge freuen, ist nicht gewiss. Die Vermutung liegt nahe, dass das nicht der Fall ist, zumindest nicht wenn sie sich über die Konsequenzen bewusst werden. Margenverzicht ist Ausdruck eines extremen Wettbewerbs. Dabei geht es um Kundenfang und Konkurrenzsterben. Sinn aggressiven Marktverhaltens ist es, durch Abschütteln des Wettbewerbs eine dominante Marktposition zu erlangen, die es bestenfalls erlaubt, Preise zu diktieren. Das ist dann spätestens die Situation, die Verbraucher definitiv nicht wollen.

Die EU-Kommission legt großen Wert auf Wettbewerb im Energiemarkt. Sie erklärt diesen Wettbewerb für verbraucherfreundlich. Im Heizölmarkt gibt es seit jeher Wettbewerb. Diesen Markt kann die Kommission in ihrem Streben nach Verbrauchergerechtigkeit nicht meinen. Sie zielt auf den Strom- und Gasmarkt. In beiden Märkten ist der Wettbewerb in den letzten Jahren in der Tat gestiegen. Billigeren Strom haben Verbraucher dadurch nicht bekommen. Beim Gas sieht es anders aus. Dass der Wettbewerb mehr zur Verbilligung des Gases als die Ölpreisbindung beigetragen hat, ist alles andere als gewiss. Was beobachten wir? Einerseits gibt es wenige sehr potente Unternehmen, deren einziges Interesse darin besteht, Marktmacht zu erlangen und die Gewinne ihrer Firmen in die Höhe zu treiben. Immerhin sind sie relativ zuverlässige Lieferanten mit einer ordentlichen Kundenführung. Dafür bezahlen Kunden üblicherweise einen höheren Preis als bei den „neuen Wilden“. Das ist die zweite Gruppe von Unternehmen. Die wollen zunächst einmal möglichst viele Kunden sammeln. Das geschieht mit besonders günstigen Einstiegsangeboten. Wer bereits Kunde ist, muss mehr bezahlen. Es handelt sich um einen unfreundlichen Zug im freundlichen Wettbewerb. Dass einige „neue Wilde“ samt ihrer gesammelten Kunden eines Tages von einem potenten Unternehmen übernommen werden, ist eine unfreundliche Möglichkeit. Sie könnte nur vom Bundeskartellamt vereitelt werden.

Über diese Form von Wettbewerb lässt sich trefflich diskutieren, insbesondere über den Nutzen für den Verbraucher. Schwierig wird die Diskussion mit Marktfundamentalisten. Sie neigen dazu, jede Form von Wettbewerb per se als gut zu verstehen. Ohne fundamentalistische Grundeinstellung stellt sich die Frage, ob es kundenfreundlich ist, endliche und in unserer Gesellschaft lebensnotwendige Güter, deren Unterscheidungsmerkmal einzig der Preis ist, dem Wettbewerb auszusetzen. Die Idee des kapitalistischen Wettbewerbs ist es, dem besseren Gut oder der besseren Dienstleistung eine Chance zu geben, sich durchzusetzen. Daraus zieht der einzelne Mensch und die ganze Gesellschaft einen Vorteil. Um diesen Vorteil geht es beim Preiswettbewerb endlicher Energieträger nicht. Es geht um Kunden- und Kapitalmacht. Wenn genügend Kunden und Kapital zusammengekommen sind, kommt der unglückliche Einfluss der Finanzindustrie hinzu. Dadurch wird das Geschehen definitiv nicht kundenfreundlicher. Die Tatsache, dass wir weniger statt mehr Energie verbrauchen müssen, steht im Widerspruch zur Wettbewerbsausrichtung der im Markt agierenden Unternehmen. In einer solchen Marktlage ist es wahrscheinlich sinnvoller, mit staatlicher Regelung zum Wohl des Kunden zu arbeiten. Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer. Der Staat ist aber der einzig mögliche Regulierer. Und in der Energiepolitik bedarf es mehr Regeln und weniger Markt. Dass es mit dem Staat sogar im Markt geht, zeigt uns übrigens China. Die staatliche Petrochina ist zur wertvollsten Gesellschaft der Welt aufgestiegen. Sie hat ExxonMobil im vergangenen Jahr überholt.

Das ist kein Plädoyer für den Staat im Heizölmarkt. Dort gehört er nicht hin, weil die Zahl der Wettbewerber groß ist und der Zugang zum Verbraucher im Gegensatz zu Strom und Gas vielfältig. Hier kann der Verbraucher üblicherweise zwischen unterschiedlichen Typen von Lieferanten wählen. Die Erfahrung zeigt, dass der Wunsch nach Konstanz, also die Lieferantenbindung, nach wie vor größer ist als die Wahl des billigsten Anbieters. Letzteres wäre aus preislicher Sicht ohnehin nur suboptimal, da die nennenswerten Preisunterschiede nicht vom Anbieter sondern von der Börsenlage festgelegt werden. Gebraucht wird der Staat allerdings in der dem Heizölmarkt vorgelagerten Preisbildung an den Ölbörsen. Hier hätten längst Regeln eingeführt werden müssen, um den Preis des realen Gutes Heizöl von den virtuellen Geschehnissen der Finanzmärkte zu entkoppeln.

Heute Morgen hat die Kopplung an den Finanzmarkt ausnahmsweise etwas Gutes. Die Verunsicherung der Finanzindustrie zu ihren eigenen Aussichten drückt auf den Ölpreis. Sein Abwärtstrend bleibt erhalten. Die Tonne Gasöl kostet 613 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 78,02 Dollar. Der US-Dollar wird zu 69,44 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Ihr Abgang hat sich lediglich verlangsamt. Die Aussichten für mehr Rückgang schätzen wir positiv ein. Als Gefahr bleibt aber das, was uns seit mindestens einem Jahr hartnäckig verfolgt, der plötzliche Stimmungswandel der Finanzjongleure. Wenn dieser eintritt, drehen die Preise umgehend aufwärts. Vorhersehbar ist die Stimmung nicht. Jede Form von Spekulation auf tiefere Heizölpreise ist ein reines Glückspiel. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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