Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Wer hat die Bankenkrise eigentlich bestellt?

Öl wird tendenziell billiger. Und zwar in einem Ausmaß, das vor drei Monaten niemand erahnen konnte. Die Bankenkrise macht es möglich. Nach landläufiger Meinung bremst das Desaster die Konjunktur. Als Folge wird weniger Öl verbraucht. Die Preise fallen.

Im Juni haben wir die Wahl zwischen Pest und Cholera beschrieben. Eine bessere Wahl hat sich bis heute nicht ergeben. Allerdings haben wir nicht die Bankenkrise sondern den Ölpreis selbst als die eine der beiden Krankheiten vermutet. Teurer Ölpreis bremst Konjunktur. Das war falsch. Es hätte richtig sein können, wenn die Suchtkrankheit der Banken nicht plötzlich aufgeflogen wäre. Nun müssen die Blamierten die Schuld an weiter reichenden Missetaten auf sich nehmen. So will es die öffentliche Meinung.

Die erste Schuldzuweisung kam aus der Autoindustrie. Der wird es nun schlecht gehen. Na ja, gut ging es ihr auch vor dem Bankendesaster nicht mehr. In den USA und in Europa lahmte der Absatz. Aber ein Schelm ist, wer da denkt, dass eine fehlerhafte Modellpolitik Ursache des Problems sein könnte. Tonnenschwere Autos vollgestopft mit eleganten Details zur Erleichterung eines harten Fahrerdaseins und vor Kraft strotzende Motoren finden nach wie vor ihren Markt. Der liegt allerdings nicht hier. Hier, also in Mitteleuropa, wollen die Leute das, was aus heimischer Autoproduktion kommt, nicht mehr in großer Zahl haben. Aber was soll’s. Nun können sie es sowieso nicht mehr kaufen. Die Konjunktur erlaubt das nicht.

Die nächste Schuldzuweisung kam aus der Politik. Die Rettungsaktion für notleidende Banken erzwingt den Sündenfall. Die Sanierung der Staatshaushalte wird über Bord geworfen. Sie hätte klappen können. Klappt aber nicht. Das Ziel ist aufgegeben. Eine Rüge wird es nicht geben. Still und leise frohlockt das Gros der politischen Klasse. Ihr war die Sanierung ohnehin nie populär genug.

Verstaatlichung. Was für ein schlimmes Wort. Staatskapitalismus führt in die Verarmung. Reichtum schafft nur der Markt. Ein beachtlich großer Teil der Menschheit wurde auf dem Markt in der Tat sehr begütert. Aber der andere Teil wurde nicht glücklich. Plötzlich steht das Erfolgsmodell Markt in Frage, weil das Bankendesaster den Weg zur Verstaatlichung öffnet. Wie in den drei zuvor genannten Fällen stellt sich auch hier die Frage, sind die Banken wirklich die Ursache des Problems? Könnten wir uns nicht vielmehr mit einer geschichtlich unausweichlichen Reaktion auf zu viel Markt konfrontiert sehen? Hat die Erfolgsformel „Markt statt Staat“ ihre beste Zeit nicht bereits hinter sich? Dass der versprochene Wohlstand für alle nicht geschaffen wird, ist evident. Wozu, wenn nicht zu eben diesem Wohlstand, ist der Markt aber gut? Dem Markt als Markt zu frönen, kommt einer Götzenverehrung gleich. Dem Markt hat man nicht zu frönen. Der Markt hat dem Menschen zu dienen.

Weiterhin stellt sich die Frage, ob die reifen Industriegesellschaften nicht schon lange mit dem falschen Geschäftsmodell arbeiten. Es handelt sich um ein Modell, das dazu tendiert, endliche Ressourcen zu verschlingen und unendliche Ressourcen, zu denen auch der Mensch gehört, zu verstoßen. Wachstum wird in diesem Modell in quantitativen Kategorien gemessen. Qualitative Kategorien des Wohlstands kommen darin nicht vor. Um viel Geld zu besitzen, wird die Verfügbarkeit über wenig Zeit akzeptiert. Um die Chance auf den Besitz von viel Geld zu erhalten, wird in einen jungen Menschen viel hineingesteckt. Das Nötige für die Bildung einer Persönlichkeit wird allerdings unterlassen. Dieses Modell steht zu Recht in der Kritik. Nun könnte es diesem Modell an den Kragen gehen.

Stürzen wir uns also hinein in die Wellenbewegung der Geschichte aus Reaktion und Gegenreaktion. Seien wir gespannt, was uns diese Geschichte morgen bietet. Für die Ölpreise lässt sie sich relativ einfach beschreiben. Wenn sich der Markt wider unsere Erwartung schnell wiederbelebte und der Konsumismus seine Fortsetzung fände, würden die Preise deutlich über 100 Dollar pro Barrel steigen. Andernfalls werden sie sich eher unter 75 Dollar einstellen.

Übrigens, Goldman & Sachs senken ihre Ölpreisprognose. Nicht mehr 200 Dollar wie im Sommer sondern 75 Dollar pro Barrel werden für 2009 angepeilt. Sie erinnern sich. Es handelt sich hierbei um die ehemals größte Investmentbank der Welt. Sie war so stark, dass ihre Prognose eine Art Gesetz für den Ölpreis darstellte.

Apropos Gegenreaktion. Gestern holten die Preise zu einer solchen aus. Der Jubel über die Rettungsaktionen der Banken erfasste in erster Linie die Aktienmärkte. Öl wurde von diesem Jubel mitgerissen. Die Preise legten vergleichsweise moderat zu. Dem Abwärtstrend als Phänomen hat die Gegenreaktion derzeit nichts entgegen zu setzen. Der Dollar vollzieht, wie seit einigen Monaten üblich, die Spiegelung des Ölpreises. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 766 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York mit 83,13 Dollar gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Die Bindung an den Weltmarkt ist dabei schwach. Der Binnenmarkt hat ein ungewohnt starkes Eigenleben der Preisbildung. Es ist der extremen Nachfragesituation geschuldet. Das Beben an den Märkten hat eine weitere Welle des Kauf-Tsunamis ausgelöst. Der Handel wird abermals mit Aufträgen überrollt. Das geschieht zu einer Zeit, da die letzte Welle noch nicht abgearbeitet ist. Es ist nicht zu erwarten, dass die aktuelle Gegenreaktion der Preise zu einer generellen Umkehr in den Aufwärtstrend führt. Daher sollten sich potenzielle Käufer, die nicht unbedingt Heizöl benötigen, derzeit zurückhalten. Wer diesem Rat nicht folgen mag, muss sich bewusst darüber sein, dass die Lieferzeit erheblich länger als normal ist. Damit man zukünftig derartige Marktphasen umschiffen kann, empfiehlt es sich, mehr über den eigenen Verbrauch zu wissen. Dieses Wissen ist auch für die energetische Verbesserung des Hauses zu gebrauchen. Gesammelt wird es zum Beispiel mit unserem kostenlosen Logbuch für den Heizölverbrauch.

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