Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Ärgerliche Gewinne

Konjunkturprogramme haben Konjunktur. Sie kommen in diesen Tagen zahlreich. Wenn sie auftauchen, ruckt die Börse meistens kurz aufwärts. Von Dauer können die Reaktionen kaum sein. Die Programme müssen noch zeigen, dass sie eine Medizin gegen die Wirtschaftsseuche sind. Fachleute streiten sich über Sinn und Unsinn dieser Maßnahmen. Die bullische Ölpreisreaktion auf Chinas Konjunkturprogramm hat der allmächtige Abwärtstrend kurz nach Beginn bereits kassiert. Das Dollar-Euroverhältnis bewegt sich dessen ungeachtet seitwärts. Der Aufwärtstrend hat sich einstweilen ausgerast. Richtung Seitwärts dürfte bald auch der Ölpreistrend zeigen. Bei einem Rückgang der Rohölpreise auf ein Drittel seines Spitzenswertes ist sowohl das rational fassbare als auch das geschichtlich vergleichbare Maß erreicht. Von diesem Drittel ist der Preis nicht mehr weit entfernt.

Die Mineralölgesellschaften trotzen den allgemeinen Sorgen der Unternehmenswelt in bemerkenswerter Weise. In der aktuellen Berichtssaison warten sie mit unfassbaren Gewinnen auf. Nun kann man der Ansicht sein, diese Gewinne werden dringend gebraucht, um die zu erwartende schlechte Zeit zu überstehen. Die Leiden einer schlechten Zeit kennen die Gesellschaften, die nicht bankrott gingen, aus der Krise der 1980er Jahre noch all zu gut. Bei allem Verständnis für die Vorsorge drängt sich aber der Eindruck auf, dass mit diesem Argument ein systemischer Fehler schön geredet wird. Auf der individuellen Ebene wird übertriebene Gewinnsucht als Gier verstanden. Die Gier einzelner Manager wird oft als der wesentliche Fehler angesehen, der in die aktuelle Finanzkrise geführt hat. Im Verhältnis zu den Gewinnsummen der Ölgesellschaften dürften die persönlichen Gewinne ihrer Manager immer noch „Peanuts“ sein. Wirklich schwerwiegend ist der Umstand, dass dem realen Wirtschaftsleben mit den gigantischen Gewinnen Mittel entzogen werden, die nicht mehr für die allgemeine Verbreitung von Wohlstand zur Verfügung stehen. Und diese Mittel sind beileibe keine „Peanuts“. Seit vielen Jahren beobachtet und goutiert man steigende Unternehmensgewinne. Bei einem anhaltenden Trend stellte sich die Frage, wohin dieses Entzugssystem von Mitteln noch führen sollte. Es kann unmöglich zum Wohl der Menschen in ihrer Allgemeinheit dienen. Es dient bestenfalls den Aktionären, von denen es in den USA immerhin deutlich mehr gibt als hierzulande.

Aber selbst die Idee einer zu Wohlstand kommenden breiten Aktionärsbasis zeigte seit Jahren ihre Schwächen. Die Forderung nach steigenden Gewinnen führt zum Zwang unzureichender Investitionen in die Ölinfrastruktur. Die IEA (Internationale Energie Agentur) wird nicht müde, die Gefahren des bereits aufgelaufenen und des anhaltenden Investitionsstaus zu kritisieren. Auch jetzt, da alle Welt nur an fallende Ölpreise denkt, weist die IEA zu Recht auf die in einigen Jahren zu erwartende Hochpreisphase hin, die ihren Ursprung in nicht erfolgten Investitionen hat. Wenn Öl dann wieder extrem teuer ist, zahlt die Allgemeinheit den Preis zum Wohl deutlich weniger Aktionäre. Wenn die aufgelaufenen Gewinne hingegen in Energieinfrastruktur investiert werden, wird dringend benötigte Arbeit geschaffen und der Ölpreis auf einem niedrigeren Niveau gehalten. Energieinfrastruktur kann übrigens auch der Vermeidung von Verbrauch dienen. In der neoliberalen Wirtschafttheorie kommt der zu Tage getretene Fehler des Systems nicht vor. Die Theorie basiert auch der Annahme, dass der Markt immer selbst für Ausgleich von unliebsamen Ungleichgewichten sorgt.

Wie soll man nun dem Fehler begegnen? Schnell ist der Ruf nach dem Staat zu hören. Von staatlicher Regelung bis zur Verstaatlichung reicht die Forderung. Alles das wurde und wird von der Mehrheit der politischen Klasse abgelehnt. Mit Blick auf die weltweite Ölwirtschaft ist diese Ablehnung durchaus angebracht. Denn über 80 Prozent der Ölwirtschaft befindet sich in staatlicher Hand. Die Probleme mangelhafter Investition mit all ihren Folgen gibt es dennoch. Verstaatlichung konnte bisher noch nie für dauerhaften Wohlstand für alle sorgen. Die Geschichte von Staatswirtschaft sollte alle Rufer nach dem Staat zur Ruhe mahnen. Das heißt nicht, dass der Staat nicht gegen Exzesse der Finanzwirtschaft vorgehen muss. So wäre eine Regelung, nach der ein börsennotierter Ölkonzern vor dem Einfluss einer Klicke gewinnsüchtiger Fondsmanager zu Gunsten einer Vielzahl am Gemeinwohl interessierter Aktionäre geschützt wird, wünschenswert. Es ist Fakt aber kein Naturgesetz der Marktwirtschaft, dass dem Kapitalmarkt demokratische und soziale Kompetenz fehlt. Die an den Aktienbörsen geschlagenen Schlachten um Einfluss und Macht sind ein politischer Anachronismus. Den sollte man bekämpfen ohne den Kapitalmarkt selbst zu bekämpfen. Gleiches gilt übrigens für die Rohstoffbörsen. Sie zu bekämpfen wäre ein Fehler. Sie bieten die segensreiche Möglichkeit einer Versicherung vor Unwägbarkeiten. Sie bergen aber auch die Gefahr der Manipulation durch gewinnsüchtige Fonds und Investmentbanken. Diese müssen, um eine Gefahr darzustellen, allerdings eine kritische Größe haben. Gegen diese kritische Größe kann und muss die Politik zu Felde ziehen. Ein Verbot von Rohstoffbörsen wäre der falsche Weg.

Heute Morgen bringt die Rohstoffbörse Erleichterung für Verbraucher. Sie schickt die Preise weiter abwärts. Die Tonne Gasöl kostet 628 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 60,67 Dollar.

Unsere Heizölpreise haben eine leichte Tendenz zu fallen. Die Margenüberhöhung des Binnenmarktes bleibt allerdings wegen der nach wie vor starken Auftragslage erhalten. Die Ölkonzerne schaffen es derzeit, die sinkenden Rohöleinnahmen mit steigenden Einnahmen für die Raffinierung zu kompensieren. Insbesondere im Süden Deutschlands werden die Preise durch einen Mangel an Raffineriekapazität unterstützt. Begünstigt wird die Lage durch unzureichende Transportmöglichkeiten, um Ware über die Wasserstraßen heranzuschaffen. Wenn der Staat überhaupt einen sinnvollen Einfluss auf die Lage nehmen könnte, wäre dies kurzfristig allenfalls über Bahntransporte zur Umverteilung der Ware von Norden nach Süden möglich. Noch gehört die Bahn immerhin dem Staat. Im Norden sind Ölprodukte günstiger, weil sie in größeren Mengen über See eingeführt werden können. Da die Öl- und Energiepreise langfristig wieder teurer werden, raten wir dazu, sich in Ruhe und mit Bedacht um die Senkung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Vor einer Baumaßnahme steht der Aufbau von Erkenntnis. Den unterstützen wir mit dem Logbuch für den Heizölverbrauch.

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