Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Öl in allen Medien

Wie weit kann der Ölpreis noch steigen? Kaum ein Tag vergeht, an dem die Zeitungen des Landes nicht mit einer spekulativen Antwort auf diese Frage gefüllt sind. Die meistgehandelten Zahlen sind 50 und 60 Dollar. Die Gemeinde der Schreibenden teilt sich in zwei Lager, diejenigen, die das aktuelle Preisniveau als übertriebenes Sommertheater von kurzer Dauer ansehen, und diejenigen, die eine neue Zeit mit dauerhaft hohen Ölpreisen auszumachen glauben. Da innerhalb der Lager voneinander abgeschrieben wird, mangelt es an substanziell neuen Erkenntnissen.

Wo sitzt die Intelligenz, die es wissen muss? In Europa soll es die IEA (Internationale Energie Agentur) sein. Sie ist die autorisierte Instanz der EU für Energiefragen. Öl fällt in ihr Ressort. Darüber hinaus haben wenige Großbanken Analyseabteilungen, die sich um das Thema mit eigenen Recherchen kümmern. Die meisten Banken und Sparkassen gehören eher zu den Verwertern und Multiplikatoren der Informationen. Sie tragen keinen eigenen Beitrag zur Erkenntnis bei. In den USA sind das DOE (Department of Energy) als Abteilung der staatlichen EIA (Energy Information Administration) und das private API (American Petroleum Institute) für die Erkenntnisfindung zuständig. Weiterhin gibt es einige Dienstleister, die Auftragsrecherchen durchführen. In den großen Mineralölkonzernen und in der OPEC findet man mit Sicherheit die meiste Intelligenz zum Thema.

Was hat uns diese Intelligenz im Zusammenhang mit der aktuellen Ölpreisbewegung gebracht? Die nüchterne Antwort muss lauten, nichts. Die Nachfrageentwicklung auf dem Weltmarkt wurde in allen öffentlich zugänglichen Publikationen der bekannten Institutionen falsch eingeschätzt. Erst als die Preise bereits recht hoch waren, korrigierten sie ihre Sicht der Dinge. Die IEA und die OPEC kamen im Frühjahr mit den vermutlich richtigen Erklärungen zum Thema heraus. Ob diese wirklich richtig sind, wird die Zukunft zeigen. Heute gehen sie von einem anhaltenden Wachstum der Nachfrage aus, das von der Angebotsseite nur mit Mühe befriedigt werden kann. Wahrscheinlich gab und gibt es bessere Erkenntnisse. Die werden aber in erster Linie zum eigenen Vorteil eingesetzt. Mineralölkonzerne und Großbanken verfügen selbstverständlich über Informationen zur profitablen Ausübung ihrer Geschäfte.

Die meisten Besitzer einer originären Information haben Gewinninteressen. Bei Mineralölkonzernen ist das selbstverständlich. Sie handeln schließlich mit Öl. Auch Banken sind inzwischen tief im Ölgeschäft verwickelt. Sie handeln mit Ölkrontrakten an den Warenterminmärkten. Dort wird ein Vielfaches des Umsatzes mit physischem Öl gemacht. Von den Informationen dieser Gesellschaften kann man keine Objektivität verlangen. Gleiches gilt für die OPEC. Sie hat die Aufgabe, ihren Mitgliedsstaaten gute Ölpreise zu erarbeiten. Dazu benutzt sie Information und Desinformation. So geschehen in der letzten Woche als vom Ende der Förderkapazitäten die Rede war und kurz darauf neue Möglichkeiten Saudi Arabiens auftauchten. Die wurden von der Fachwelt in Zweifel gestellt und nun doch anerkannt.

Die Tatsache, dass objektive Information kaum zu bekommen ist, hat sich beim Verbraucher bereits durchgesetzt. Mehrheitlich handelt er nach eigenen Entscheidungskriterien. Aktuell führt das zu einer Art Kaufverweigerung. Sie basiert auf dem Glauben, dass die Preise wieder fallen müssen. Das könnte richtig sein, muss es aber nicht. Allein die Zeit wird das zeigen. Nur soviel kann man sagen. Wenn keiner mehr Öl kauft, wird es in der Tat billiger werden. Wenn die Nachfrage nach Öl kräftig steigt, wird es teurer werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachfrage abreißt, ist gering. Auch wenn es hierzulande kaum einer spürt, die Weltwirtschaft durchläuft eine kräftige Wachstumsphase. Daher wird der Ölbedarf steigen.

Neben der simplen Regel von Angebot und Nachfrage haben tagesaktuelle Ereignisse erheblichen Einfluss auf die Preisentwicklung. Zu denen gesellt sich ein Menge Psychologie, die für Preisexzesse sorgt. Die Geschehnisse um die russische Yukos und die Terrorsorgen fallen in diesen Bereich. Z.Z. haben sie für Preisüberhöhungen gesorgt, die irgendwann abgebaut werden müssen. Wann es endlich zu einem deutlichen Preisabbau kommt, ist vollkommen offen. Aktuell ist mit einer Gegenreaktion im Aufwärtstrend zu rechnen. Das Ende der langfristigen Aufwärtsbewegung ist nicht in Sicht. Es kann durchaus sein, dass es erst bei einer Preissitze von 60$ einsetzt. Der zu erwartende Preisrückgang wäre zwar enorm. Aber selbst bei einer Halbierung bliebe der Preis über 30$. Und wer erwartet schon eine Halbierung?

Heute Morgen wird die Erwartung eines kurzfristigen Preisrückgangs bestätigt. Gasöl verbilligt sich auf 374$ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise geben mit dem Weltmarkt nach. Da der Aufwärtstrend insgesamt stabil ist, sollte sich für Verbraucher in dieser Woche eine Gelegenheit ergeben, leere Tanks aufzufüllen. Dass es innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate erheblich tiefere Preise geben wird, ist nicht erwarten. Daher sollte man mit kleinen Preisrückgängen bereits zufrieden sein.

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