Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Ölbörsen verlieren Aufmerksamkeit

Es gibt sie noch die eigenen Nachrichten des Ölmarkts. Diese werden derzeit kaum wahr genommen. Deshalb sind sie nicht minder interessant. Eine von diesen Nachrichten ist die US-Bestandsmeldung. Sie fiel unerwartet positiv aus. Die Preise hätten allen guten Grund, darauf mit weiteren Abschlägen zu reagieren. Eine andere Nachricht ist die Schätzung der EIA (Informationsbehörde des US-Energieministeriums) zum Rohölverbrauch und Rohölpreis. Die fällt weniger pessimistisch aus, als die derzeitige Krisenstimmung dies befürchten ließe. Dem Preisverfall gebietet sie Einhalt. Die gleiche Intention hat eine dritte Nachricht aus der Ölwelt. Die OPEC sieht sich zu einem außerordentlichen Treffen veranlasst. Man will über die Kürzung der Liefermengen sprechen. Welchen Einfluss diese originären Impulse des Ölmarktes auf den Preis tatsächlich haben, wird niemand ermitteln können. Denn über allem kreist die große Krise. Die Ölpreise konnten sich ihrer Sogwirkung gestern einigermaßen gut entziehen. Sie verzeichneten wenig Änderung. Ihr Abwärtstrend bleibt intakt. Beim Dollar verläuft die Entwicklung spiegelbildlich. Es herrschte Bewegungsarmut im Aufwärtstrend.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lieferten Werte zu den US-Beständen, denen man glauben kann, dass sie den selben Sachverhalt betreffen. Das ist nicht immer so. Um so vertrauensvoller kann man die gestrigen Zahlen verarbeiten. Sie weisen deutliche Zunahmen für Rohöl und Benzin aus. Die Aufräumarbeiten nach den Hurrikanen Gustav und Ike scheinen voranzugehen. Folgende Zahlen wurden veröffentlicht:

Rohöl: +8,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +9,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +7,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 14,8 (DOE) bzw. 11,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt 81 Prozent. Der Wert ist schlecht. Aber er ist fast 9 Prozent höher als vor einer Woche. Es ist der Trend, der Stimmung macht.

In einer mehrjährigen Darstellung der Vorratsentwicklung zeigt sich der aktuelle Bestand im unteren Durchschnittsbereich. Er ist weit entfernt von Überfluss. Von Knappheit, die in der Vorwoche Thema war, kann aber keine Rede sein.

In den Prognosen der EIA zur Rohölnachfrage wird China nach wie vor als stark wachsend beschrieben. Im vierten Quartal soll sechs Prozent mehr Öl benötigt werden als ein Jahr zuvor. Die USA mindern ihren Bedarf um 1,6 Prozent. Die absoluten Zahlen der beiden größten Ölverbraucher der Welt laufen auf ein Nachfragewachstum hinaus. Ob sich dieses aus der Gesamtbilanz aller Verbraucher für das ganze Jahr 2008 ebenfalls ergibt, lässt sich heute noch nicht absehen. Zweifel sind allemal angebracht. Denn der Jahresrückgang wird allein in den USA über vier Prozent betragen. Die OPEC reagiert auf die Nachfrageschwäche mit einer gut einprozentigen Reduktion der Liefermengen für das vierte Quartal.

Die Preisprognosen der EIA wurden deutlich reduziert. Gleichwohl erscheinen sie aus heutiger Sicht hoch. Für das laufende Jahr wird ein Durchschnittspreis für Rohöl von 112 Dollar pro Barrel genannt. Um diesen Wert zu erreichen, dürfte der Ölpreis sich bis Jahresende nur noch seitwärts bewegen. Im nächsten Jahr soll der Durchschnittspreis bei 126 Dollar pro Barrel liegen. Offensichtlich schätzen die Statistiker des US-Energieministeriums die Durchschlagskraft der Finanzkrise auf die Realwirtschaft nicht sehr hoch ein. Im Fall eines Konjunkturabschwungs werden diese Zahlen kaum zu halten sein. Die Preise müssten tiefer ausfallen. Diese Einschätzung wird durch einen Blick in die Geschichte untermauert. Nach der Ölpreiskrise 1980 fiel der Preis über mehrere Jahr als Folge der Rezession. Sechs Jahre nach Erreichen des höchsten Preises kostete Rohöl zwei Drittel weniger als in der Spitze. Ein derartig starker Rückgang erscheint derzeit noch undenkbar, weil ein Ende des Wirtschaftswachstums undenkbar ist.

Es ist diese Undenkbarkeit, die die Wucht der aktuellen Krise ausmacht. Niemand ist auf einen Paradigmenwechsel vorbereitet. In allen Stellungnahmen zur Lage wird die schnelle Rückkehr zur gewohnten Konsumwirtschaft beschworen. Die Wachstumsdoktrin der 1960er Jahre und der Hyperkonsum der letzten 15 Jahre bleiben gängige Wirtschaftphilosophie. Die Frage, ob die Finanzkrise nur eine Erscheinung einer grundsätzlich aus dem Ruder gelaufenen Wirtschaftpolitik sein könnte, wird nicht gestellt. Für eine weltumspannende Wirtschaft, die nur ansatzweise die Ressourcen verschlingt, die die westlichen Gesellschaften für sich beanspruchen, hat die Erde nicht genug Material zu bieten. Wenn es heute keine Finanzkrise gäbe, deren Ursprung allgemein der menschlichen Gier zugeschrieben wird, gäbe es morgen eine Ressourcenkrise, deren Ursprung gleichermaßen der menschlichen Gier zugeschrieben werden könnte. Die Betrachtung aus unterschiedlichen Perspektiven läuft auf die gleiche Erkenntnis hinaus. Es ist die Nachfrage, die wir in den Griff bekommen müssen. Das Angebot ist nun mal endlich, egal ob wir über Öl, Gold, Weizen oder Geld reden.

Für die Preisbildung spielt die Nachfrage in diesen Tagen keine wichtige Rolle. Den Akteuren an der Börse ist der nüchterne Blick geraubt. Das große Theater hat sich vom Ölmarkt abgewendet. Dort wird verhalten gehandelt. Die Preise tendieren seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 800 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 88,34 Dollar.

Unsere Heizölpreise gaben gestern erneut nach. Generell können sie sich dem Abwärtstrend des Weltmarkts nicht entziehen. Die weiterhin starke Nachfrage im Binnenmarkt lässt sie aber ein erkennbares Eigenleben führen. Die Margenüberhöhung zum Weltmarkt bleibt relativ hoch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Der allgemeine Kaufverzicht im letzten Jahr zwingt nun zum Kauf. Die Lieferzeiten sind vielerorts weiterhin sehr lang. In der Spitze werden immer noch acht Wochen genannt. Damit man zukünftig solche nachfragebedingten Marktengpässe umschifft, empfiehlt es sich, mehr über den eigenen Verbrauch zu wissen. Dieses Wissen ist darüber hinaus für die energetische Verbesserung des Hauses zu gebrauchen. Gesammelt wird es zum Beispiel mit unserem kostenlosen Logbuch für den Heizölverbrauch.

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