Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Ölpreis hat Fieber

Die mit viel Spannung erwarteten Zahlen über die US-Vorräte sind negativ. Spektakuläre Erkenntnisse blieben aber aus. Die nach Veröffentlichung der Daten einsetzende Preisbewegung verläuft im Rahmen der kurzfristigen Erwartung. Sie zeigt einen gedämpft fieberhaften Anstieg. 52$ für das Barrel US-Rohöl wurden mühelos überschritten. Man kann davon ausgehen, dass der Markt seine Überhitzungsphase für einige Zeit beibehält.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten Zahlen vor, die die Sorge vor einer Heizölverknappung vor dem Winter anheizt:

Rohöl: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,4 Mio. Barrel (API)

Insgesamt fielen die Bestände um 0,4 bzw. 3,6 Mio. Barrel. Die Rohölimporte waren rückläufig. Die Auslastung der Raffinerien verbesserte sich zwar gegenüber der Vorwoche, muss sich aber weiterhin das Urteil ?schlecht? gefallen lassen. Die Probleme beim Wiederanlauf nach den sturmbedingten Abschaltungen dauern an. Erneut geht der Aufbau der Rohölvorräte auf das Konto zu geringer Abrufe der nicht leistungsfähigen Raffinerien. Die Ware kann nicht im üblichen Maß verarbeitet werden.

Die Lagerdaten haben sich im Verlauf des letzten halben Jahres verschlechtert. Standen sie im Mai noch bei einem beruhigenden Plus gegenüber dem Vorjahr, beschreiben sie heute in allen Belangen eine schlechtere Ausgangslage. Die Übertreibungen auf der Preisseite lassen sich dennoch nicht allein mit der Momentaufnahme aus den US-Lagern erklären. Denn vor zwei Jahren sahen die Verhältnisse bei deutlich tieferen Preisen ähnlich aus. Vor drei Jahren waren die Lager besser gefüllt und die Rohölpreise 60% geringer. Vor vier Jahren war die Gesamtlage vergleichbar. Die Heizölvorräte standen aber deutlich tiefer als heute. Das führte für damalige Verhältnisse zu sehr hohen Rohölpreisen oberhalb der 30$-Marke. Vor fünf Jahren war ein anderes Jahrhundert. Entsprechend weit entfernt scheinen die Verhältnisse von damals. Die Vorräte waren erheblich höher als heute. Die Preise betrugen nur einen Bruchteil der heutigen Werte.

Für Verbraucher waren es rosige Zeiten. Sie wurden als normal empfunden. Kaum jemandem war die Ausnahmesituation der Niedrigpreisphase bewusst. In den letzten fünf Jahren des letzten Jahrhunderts wurden mit den niedrigen Ölpreisen die Wunden geschlagen, die heute zu den empfundenen Preisexzessen führten. Öl war so billig, dass aus den Erlösen keine Investitionen für neue Förderanlagen und Raffinerien getätigt werden konnten. Weil die Einrichtungen heute fehlen, ist das Angebot zu knapp.

Gleichzeitig wird vielen Marktteilnehmern nun das prinzipielle Problem aller fossilen Energieträger bewusst, ihre Endlichkeit. Der momentan vollzogene Bewusstseinswandel wirkt im Markt wie das Gefühl eines bevorstehenden Krieges. Er sorgt für Ängste und übertriebene Preisschübe. Wenn dieser Bewusstseinswandel soweit abgeschlossen ist, dass er wieder klares Denken zulässt, werden die Preise auf ein neues Normalmaß fallen. Das wird allerdings deutlich über den Preisen des letzten Jahrhunderts liegen. Nach unserer Einschätzung werden Werte um oder knapp oberhalb von 40$ für das Barrel US-Rohöl ein Mittel bilden.

Für den heimischen Heizölmarkt bedeutet das, dass die aktuellen Preise durchaus zur Normalität werden können. Denn sie sind gegenüber den Weltmarktpreisen auf Grund der relativen Dollarschwäche noch 20-40% im Vorteil.

Heute Morgen geht die Rekordjagd beim Gasölpreis weiter. Die Tonne kostet 458$, Tendenz steigend.

Unsere Heizölpreise legen weiter zu. Sie folgen dem Weltmarkt. Die Inlandsnachfrage zeigte mit Monatsbeginn eine kurze Schwächephase. Verbraucher treten vermutlich auf Grund der hohen Preise abermals in den Streik. Sie verschärfen damit allerdings die Gefahr noch drastischerer Steigerungen. Denn da viele Tanks extrem leer sind, wird es in Kürze zu einer erneuten Nachfragewelle kommen. Die wird die Versorgungsmöglichkeiten überreizten. Überzogene Preise werden die Folge sein. Unsere Empfehlung insbesondere an Verbraucher mit leeren Tanks lautet daher: Nehmen Sie die Preise wie sie sind. Nennenswerte Verbesserungen wird es auf längere Sicht im Mittel nicht geben.

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