Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Alles gegeben und alles verloren?

Dank politischer Intervention wird Öl teurer. Na toll, wird sich der Verbraucher denken. Wieder werde ich doppelt zur Kasse gebeten, als Zwangsspender für notleidende Banken und als Ölkunde mit Haus und Auto. Dieses Mal sind Banken allerdings nicht primär, sondern nur sekundär bedroht. Denn die im Bedarfsfall notwendige Steuerspende dient zunächst der Verhinderung von Staatspleiten im Euroraum.

Auch wenn der Auftakt anderes vermuten lässt, soll hier nicht ein weiterer zu den ohnehin zu vielen populistischen Artikeln zum Thema folgen, die sich äußerst selten der Tiefe des Problems widmen. Nüchtern betrachtet steht es um den Ölpreis wie folgt: Aus Sicht des physischen Markts ist er viel zu teuer. Die Versorgung ist außergewöhnlich gut. Die Nachfrage entspricht in weiten Teilen der Erde kaum den Erwartungen. Einzig in China scheint sie gigantisch zu steigen. Die Importe legten in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 36,7 Prozent zu. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass auch der Verbrauch um diesen Wert wuchs. Reichlich am Markt vorhandenes Öl kann auch in Vorratslager fließen. Mit welchen Abschlägen zum Börsenpreis das gegebenenfalls erfolgt, wissen nur Käufer und Verkäufer. Der hohe Ölpreis ist einerseits Folge einer Wette auf die Zukunft, von der erwartet wird, dass sie gemessen an der Nachfrage knappere Ölmengen bieten wird. Und er ist andererseits Konsequenz zu hoher Liquidität im Finanzsystem, die Anlagemöglichkeiten sucht. Unter anderem findet sie diese im Öl. Dabei zieht der Wert der in erster Näherung unbegrenzten Finanztitel den Wert des in der Menge begrenzten Öls in die Höhe. Dieser Umstand steht übrigens exemplarisch für die Unvereinbarkeit der schnell (exponentiell) wachsenden Finanztitel und der langsam (allenfalls linear) wachsenden Güter und Dienstleistungen, also der Realwirtschaft. An dieser Stelle ist die Anmerkung angebracht, dass es Aufgabe der Politik ist, dieses Missverhältnis zu beseitigen. Leider erleben wir nicht erst seit dem Wochenende das Gegenteil. Politik treibt das Missverhältnis voran.

Seit Anfang Mai fiel der Ölpreis rasant, obwohl die Dinge realwirtschaftlich nicht schlechter standen als zuvor. Im Gegenteil, die Wirtschaftsdaten fielen zuletzt besser als erwartet aus. Zudem lässt die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vermuten, dass die Rahmenbedingungen der Ölförderung dort schlechter werden, dass also langfristig erwartete Mengen nicht zur Verfügung stehen werden. Statt zu fallen, hätte der Ölpreis beste Gründe zu steigen. Indem er fällt, wird die Getriebenheit durch die Finanzindustrie deutlich. Diese Getriebenheit ist ein Fakt. Über den Grund des jüngsten Preisverfalls gibt es derzeit nur eine Vermutung. Die Finanzszene wendet sich vom Ölmarkt ab und dem Devisenmarkt zu, auf dem sich treffsicherer spekulieren lässt.

Damit kommt die Eurokrise ins Spiel. Sie wird von der Politik als Krieg der Spekulanten gegen unsere Währung betitelt. Aggressoren und Opfern sind klare Rollen zugewiesen. Jede Handlung der Opfer ist in diesem Spiel per se gerechtfertigt. Die Verfolgung des Spekulantenmarschs beispielsweise von der Ölbörse ins Devisengeschäft scheint der Politik recht zugeben, dass wir unbilligen Angriffen ausgesetzt sind. Es herrscht eine Notlage, die extreme Maßnahmen erfordert. Aber Achtung! Hier stimmt etwas nicht. Hier wird ein Krieg erklärt, der von Tatsachen ablenken soll, die die Politik zu verantworten hat. Nicht die Spekulanten, sondern die politischen Väter des Euro und ihre Nachkommen haben die Bombe gelegt, auf der wir sitzen. Wären sie ehrlich, würden sie sagen, Spekulanten haben die Schwäche der Eurokonstruktion entdeckt. Nun schlagen sie Profit daraus. Dass sie das tun, entspricht unserer Idee vom Markt, der nicht irrt. Wir müssen etwas ändern und zwar nicht an den Symptomen, sondern an den Voraussetzungen. Wie nötig die Arbeit an den Vorraussetzungen ist, zeigt die letzte Krise, deren Beginn keine zwei Jahre zurückliegt. Ihre Bekämpfung hat das Auftreten von negativen Symptomen heraufbeschworen. Früher als erwartet sind die da.

Aus heutiger Sicht scheint das Währungssystem nicht mehr zu retten zu sein, wenn sich die Politik als die Instanz, die die Spielregeln der Wirtschaft und des Geldsystems festlegt, nicht mit ihren Konstruktionsfehlern, sondern nur mit ihren Auswüchsen beschäftigt. Das, was am Wochenende geschah, nämlich das Versprechen über die Bereitstellung noch größerer Rettungsgelder als bisher, löst kein in der Konstruktion der Finanzsysteme angelegtes Problem. Es ist kaum in der Lage die Zeit bis zum zwangsläufigen Crash zu verlängern. Lösungen für die Probleme kennt man nicht. Umso wichtiger ist es, keine Zeit mehr bei ihrer Entwicklung zu verlieren. Das geht aber nur, wenn man sich der Probleme annimmt. Dazu muss man sie benennen. Das Problem der Eurozone ist, dass sie nicht als loses politisches System mit unterschiedlich produktiven Wirtschaftsräumen und einem festen Finanzsystem, das keinen Spielraum für Disparitäten zulässt, bestehen kann. Aus Sicht der gängigen Ökonomie kann ein solches Konstrukt nicht funktionieren. Es liegt ein Konstruktionsfehler vor. Das Problem des Finanzsystems im Allgemeinen ist, dass es mehr Wachstum schafft, als realwirtschaftlich möglich ist. Dieses Wachstum basiert auf einer expansiven Kreditwirtschaft. Staatsverschuldung ist eine unausweichliche Konsequenz. Sie kann nicht zurückgefahren werden, ohne die Wirtschaft zurückzufahren. Es liegt ein derzeit unauflösbarer Widerspruch vor.

Nicht lange nachdem als Folge der politischen Notmaßnahmen des Wochenendes der Ölpreis stieg und der Dollarkurs fiel, änderten sich ihre Richtungen bereits wieder. Offensichtlich glauben Spekulanten nicht an die Medizin, die dem Währungssystem gerade verabreicht wird. Das ist verständlich. Und so liegt die Vermutung nahe, dass sie die Kurse weiter in die zuletzt gültige Richtung treiben werden. Dollar rauf, Ölpreis runter. Die Tonne Gasöl kostet heute Morgen 665,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 76,12 Dollar und in London 79,55 Dollar. Der US-Dollar wird zu 78,44 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sind gestiegen. Das ist eine Folge der versuchten Eurorettung. Da es um diese Rettung momentan nicht besonders gut bestellt ist, haben die Preise das Potenzial wieder zu fallen. Die crashschwangere Atmosphäre bleibt bestehen. Sie kam schneller, als wir für möglich hielten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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