Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Auf der Straße geschieht etwas

Die US-Ölbestände sinken. Wie in der letzten Woche ist die Finanzszene auch dieses Mal überrascht. Dabei liegt der Rückgang nahe. Der US-Verbrauch geht zurück. Die Lager sind immer noch höher gefüllt, als zu Zeiten größeren Verbrauchs. Das Angebot im nordamerikanischen Raum ist gut. Kaufmännisch liegt somit Korrekturbedarf vor. Da Ölhändler - gemeint sind diejenigen, die mit physischem Öl handeln – zum Jahreswechsel aus Steuergründen möglichst geringe Bestände in die Bücher schreiben wollen, fahren sie die Vorräte bis zum Stichtag zurück. Zudem ist die Werthaltigkeit des eingelagerten Öls in konjunkturell und finanztechnisch unsicheren Zeiten zweifelhaft. Die Zahlen, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gestern meldeten, sind also situationsgerecht. Vielleicht ist Finanzjongleuren genau das fremd. Die Lagerdaten lauten wie folgt:

Rohöl: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -4,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,7 (DOE) bzw. 8,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung wurde auf 84 Prozent abgesenkt. Dieser Umstand unterstreicht den gewollten Abbau der Produkte. In den Börsennotierungen wurde die Situation passend gespiegelt. Gasöl- und Heizölkurse legten zu. Rohöl tendierte seitwärts.

In diesem und im nächsten Jahr wird der Ölmarkt in den verschiedenen Prognosen der berufenen Organisationen entspannt gesehen. Die Welt braucht ungefähr 90 Mio. Barrel Öl pro Tag. Das Angebot lässt eine beruhigende Reservemenge zu. Die verkraftbare Steigerung der globalen Nachfrage wird hauptsächlich in China und Indien generiert. Aber selbst in diesen Boomländern nähern sich die Wachstumsraten allmählich Werten, die für Amerikaner und Europäer fassbar sind. Und die Werte sind nicht ohne Risiko. Heile Finanzwelt herrscht nämlich nicht einmal in China. Auch dort kann eine Immobilienblase unversehens platzen.

Der dominante Aspekt der Ölpreisbildung ist und bleibt die Lage des Finanzsystems. Die ist brutal schlecht. Eine Verbesserung kann nicht aus dem System selbst hervorgehen. Verbesserung kann nur durch politisch erzwungenen Paradigmenwechsel erfolgen. Dafür fehlen derzeit die Voraussetzungen oder/und die handelnden Personen. So ist es mehr als folgerichtig, dass Menschen beginnen, den Druck der Straße aufzubauen. Seit Wochen hören und sehen wir das in den USA. Unter der Überschrift Occupy Wall Street (Besetzt Wall Street) wächst dort eine Bewegung. An dieser Stelle drücken Leser fast täglich den Wunsch aus, auch hierzulande das Notwendige beginnen zu wollen. Nun kann es losgehen. Morgen finden in den Börsenstädten Frankfurt und Hamburg die ersten deutschen Occupy-Demonstrationen statt. Selten gab es für außerparlamentarische Einmischung in Politik eine so große und breite Zustimmung der Bevölkerung. In die Occupy-Bewegung werden sich sogar Banker einbringen.

Die aktuellen Ölpreise werden von der zarten Pflanze bürgerlichen Veränderungswillens nicht beeinflusst. Sie folgen zunächst weiter den finanzpolitischen Rahmenbedingungen. Da diese auf Erhöhung der Geldmenge setzen, wird Öl eher teurer als billiger. Heute Morgen folgen die Preise den Signalen. Die Tonne Gasöl kostet 981 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 84,66 Dollar und in London zu 111,33 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,56 Eurocent.

Unsere Heizölpreise tendieren seitwärts. Gestern legten sie allerdings zu. Der Dollar war kein Gegengewicht zur Steigerung der Ölnotierungen. Mit genau diesem Gegenpart darf man aber bei einer Verteuerung der Ölkurse rechnen, so dass die zu erwartende Steigerung der Heizölpreise einigermaßen moderat verlaufen sollte. Längerfristig sind erhebliche Unsicherheiten im Spiel, die jedwede Preisprognose zum Glücksspiel machen. Die aufgeschobene aber unumgängliche Rücksetzung des Finanzsystems wird eine Alles-ist-möglich-Situation bringen. Auf diese bei heute notwendigen Heizölkäufen zu setzen, ist nicht ratsam. In dieser Zeit sollten sich Verbraucher mit den kleinen Preisschwankungen begnügen. Um die aufzuspüren, kann unser Preiswecker hilfreich sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

Korrektur aus aktuellem Anlass:
Die Heizölpreise steigen. Auftrieb kommt von den Börsen. Dieser wird teilweise durch Dollarrückgänge kompensiert. Auftrieb kommt aber auch vom physischen Markt. Dort ist Heizöl momentan knapp, weil die Nachfrage stärker als erwartet anzieht. Verbraucher zeigten lange Kaufzurückhaltung. Nun kommen sie in sehr großer Zahl in den Markt zurück und schaffen dadurch Engpässe. Dieser Effekt tritt immer wieder auf, wenn Käufer Marktpreise über lange Zeit als inakzeptabel hoch einschätzen und versuchen, das Problem auszusitzen. Irgendwann ist das Aussitzen nicht mehr möglich. Die dann eintretenden Massenkäufe führen zur kurzfristigen Überlastung der Infrastruktur. Wer es sich leisten kann, sollte sich aus diesem Geschehen heraushalten und nicht kaufen.

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