Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Auf kurz runter folgt schnell rauf

Am Ölmarkt tut sich wenig. Die Preisbildung bietet dennoch interessante Eindrücke. Die sagen mehr über die Finanz- als über die Ölwelt aus. Das Engagement in Öltitel ist außerordentlich hoch. Nach einem zwischenzeitlichen Tief Ende Februar hat es neue Höchststände erreicht. Seitens der großen Spekulanten, das sind Banken, Hedge- und Pensionsfonds, ist es mehrheitlich bullisch. Die nahe liegende Vermutung, dass diese Haltung eine latente Grundsorge vor einem baldigen Ende fossiler Energieträger zum Ausdruck bringt, trifft nicht zu. Denn nicht alle gängigen Energieträger werden bullisch gehandelt. Erdgas, dessen Preis in den USA wie für Öl an der Rohstoffbörse NYMEX (New York Mercantile Exchange) ermittelt wird, befindet sich in einem starken Abwärtstrend. Es verlor rund ein Drittel seines Werts. Und auch kurzfristig ist die bullische Einstellung der großen Spekulanten zum Öl nicht plausibel, wenn man unter Plausibilität Zusammenhänge von Angebot und Nachfrage versteht. Denn Öl ist reichlich am Markt vorhanden. Es bleibt als Erklärung für das bullische Phänomen nur das, was wir seit gut einem Jahr immer wieder monieren, eine manische Spielsucht der Finanzszene, die sich unter anderem über Öltitel hermacht. Diese ist aktuell sehr aufgeblasen. Ein entspannender Preisrückgang ist längst überfällig. Er schien sich in den letzten Tagen einige Mal Bahn brechen zu wollen. Nach jeweils kurzen effektvollen Andeutungen wurde bisher jeder Preisrückgang durch neue Gier eingefangen. So geschah es auch gestern, als positive Entwicklungen an den Aktienmärkten mit dem erneuten Aufstieg der Ölpreise in Zusammenhang gebracht wurden.

Die Ölpreisentwicklung ist nicht normal. So schätzen es offensichtlich viele Heizölverbraucher ein. Wie schon im Jahr 2007 treten sie erneut in einen Kaufstreik. Das ist der stille Protest gegen die Ereignisse an der Preisfront. Den meisten Verbrauchern erschließen sich die Hintergründe für die absurden Preisbewegungen nicht. Sie wähnen die Ölindustrie als Täter und sich selbst als Opfer des Unsinns. Unterstützung bekommen sie dabei von der Boulevardpresse. Korrekterweise muss man die Ölindustrie als Nutznießer aber nicht als Täter bezeichnen. Die wirklichen Opfer sind in anderen Teilen unserer Erde beheimatet, dort wo der preiswerte Zugang zu Öl eine Frage von Sein oder Nichtsein der lokalen Wirtschaft ist. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Gleichwohl ist der Ärger, den deutsche Verbraucher angesichts der Preisentwicklung empfinden, verständlich. Verständlich ist auch, dass sie auf irgendwann fallende Ölpreise spekulieren, wohl wissend, dass dieses Irgendwann schlimmstenfalls nicht kommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Spekulanten ihre Sucht nach Mehr überziehen und die Preise dann einbrechen ist indes gegeben.

Neben Verbrauchern leiden auch Lieferanten unter dem Diktat der Finanzindustrie. Anders als die explorierende Ölindustrie können sie keine zufälligen Gewinne aus manipulierten Preisentwicklungen an den Börsen einstreichen. Sie kämpfen um Arbeit, indem sie auf Gewinn verzichten und die Ware nahe ihrer eigenen Einstandspreise abgeben, bisweilen sogar darunter. Wenn man sich als Betreiber eines Heizölportals einzig einem situativen Niedrigpreisstreben von Verbrauchern verpflichtet fühlt, ist das eine wunderbare Situation. Man kann Kampf inszenieren, der ein dankbares Publikum findet. Stellt man sich allerdings die Frage, ob das das gesellschaftliche Leitbild ist, dem unternehmerisches Tun zu folgen hat, sind Zweifel angebracht. Nach unserer Ansicht sind sie zwingend. In der neoliberalen Beschreibung moderner Gesellschaften werden diese Zweifel schnell ausgeräumt. Der Neoliberalismus hat uns allerdings das Problem einer temporär kollabierenden Finanzindustrie eingebracht, die nur durch sozialistische Maßnahmen rettbar ist. Das Festhalten an neoliberalen Grundsätzen ist nicht zuletzt für die aktuellen Preisexzesse an den Ölbörsen verantwortlich. So schließt sich der Kreis beim Verbraucher, der sich gegebenenfalls angesichts eines deftigen Preiskampfs der kleinen Anbieter im Vorteil wähnt, und doch, wie die meisten Menschen auf dieser Erde, der Verlierer eines absurden Treibens weniger Finanzspieler ist.

Für die Frage, wie wir zukünftig leben wollen, ist das kleine Experiment mit der fairen Preisvermittlung zwischen zwei Handelsparteien durchaus interessant. Als solches verstehen wir unser Portal. Und unter dem Aspekt sehen wir unser unternehmerisches Handeln. Es soll nicht zuletzt Experiment für eine wünschenswerte gesellschaftliche Entwicklung sein. Bisher ist uns dieses Experiment recht gut gelungen, ökonomisch und sozial. Wir haben unsere Unabhängigkeit in allen Lagen bewahrt. Dabei war uns die Unabhängigkeit von Banken besonders wichtig. Diese ist trotz einer respektabel anschwellenden Materialwirtschaft für unsere Messinstrumente nicht in Gefahr.

In Gefahr ist einmal mehr die bisher noch gültige obere Grenze des Ölpreises. Heute Morgen wird dem steilen Anstieg, den Spekulanten gestern inszenierten, nichts entgegen gesetzt. Die Tonne Gasöl kostet 664 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,52 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,93 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zieht es weiter aufwärts. Seit Anfang Februar hat sich ein strenger Aufwärtstrend entwickelt, der wechselweise vom starken Dollar und vom starken Ölpreis gespeist wird. Diese Bewegung wider die Vernunft hatten wir trotz der Tatsache, dass wir in Sachen Vernunft keine hohen Ansprüche an die Preisbildung stellen, nicht erwartet. Ein Ende des Treibens ist nicht in Sicht. Deshalb scheint es gegenwärtig wenig aussichtsreich zu sein, auf bessere Zeiten zu spekulieren. Wer Öl braucht, sollte sich mit einer Teilmenge eindecken. Diese Maßnahme lässt Handlungsfreiraum für den Fall, dass sich die Finanzszene gründlich verspekuliert. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen