Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Börse findet viele Haare in der Suppe

Die Versorgung ist noch in Ordnung. Aber viele Störungen trüben das Gefühl, dass sie gut liefe. Phantasien über weitere Schwierigkeiten bekommen fast täglich neue Nahrung. Konkrete bullische Impulse liegen derzeit aus Nigeria und abermals von den US-Raffinerien vor. Die Ölpreise bleiben im Aufwärtstrend. Der Dollar setzte gestern zu einer Gegenreaktion auf die starke Abwärtsbewegung der letzten Wochen an. Devisenhändler sehen die US-Währung dennoch weiter im Abwärtstrend. Das ist der Tribut für die Abkühlung der US-Wirtschaft.

Die USA beziehen einen großen Teil ihres Rohöls aus Nigeria. Daher reagiert man an der New Yorker Börse besonders sensibel auf die Unruhen nach dem vermuteten Wahlbetrug. Noch gibt es keine nennenswerten Übergriffe auf Ölanlagen. Bei andauernden Unruhen scheint es aber nur ein Frage der Zeit zu sein, bis die Ölproduktion dezimiert wird.

Die US-Raffinerien kommen nicht aus den Schlagzeilen. Sie haben ihre besten Jahre weit überschritten. Nun sind sie alt und störungsanfällig. Eine wichtige Raffinerie in Texas musste in Folge eines Sturms am Wochenende abgeschaltet werden. Die Produktion wurde inzwischen teilweise wieder aufgenommen.

Aus Teheran sind Drohungen über die Drosselung von Öllieferungen als Reaktion auf die Verschärfung der Sanktionen zu hören. Bisher war man bemüht, die Sicherheit der Lieferungen trotz des Atomkonflikts zu garantieren. Von dieser Linie entfernt sich die iranische Regierung langsam.

Sollte sich die US-Wirtschaft weniger stark abkühlen als derzeit vermutet wird, erhielte der Ölmarkt weitere bullische Impulse. Die aktuellen Preise beinhalten eine reduzierte Nachfragesteigerung der USA.

Für die langfristige Preisentwicklung sind die Weltölreserven ein wichtiger Indikator. Sie haben in den vergangenen 20 Jahren in etwa mit der Nachfragesteigerung Schritt gehalten. Dass die Reserven nicht stärker gestiegen sind, sei auf den Umstand zurückzuführen, dass ungenügend in die Entdeckung neuer Felder investiert wurde. Dies wiederum hat seine Ursache im Verfall der Ölpreise und der Gewinne in den 1990er Jahren. Inzwischen werden erheblich Anteile aus den gigantischen Erlösen in die Suche nach neuen Ölreserven investiert. Der Erfolg blieb dürftig. Unterschiedliche Institutionen beurteilen die Reservenlage uneinheitlich. Die Aussagen variieren zwischen einer jährlichen Zunahme der Reserven und Stagnation. Die Verteilung der Reserven in OPEC- und Nicht-OPEC-Lagen schwankt zwischen 60:40 und 70:30. Grund für die Differenzen sind die Erhebungsmethoden. Die BP gibt in ihrem Energy Book beispielsweise die gemeldeten Daten der Förderländer wieder. Diese Daten gelten als geschönt. Eigene Schätzungen von Beratungsgesellschaften und Informationsdiensten kommen zu geringeren Zahlen. So korrigiert Petroleum Intelligence Weekly die Reserven von Kuwait, Libyen und den Vereinigten Arabischen Emiraten nach unten. Für Russland, die USA und Saudi Arabien werden sie immerhin höher eingeschätzt. Allerdings ist die Abnahmerate der Nicht-OPEC-Reserven höher als in anderen Schätzungen.

Einen großen Wurf in Sachen Lagerstätten soll es im Irak gegeben haben. Neue Erkenntnisse weisen auf eine Verdoppelung der Reserven hin. Damit verfügte der Irak hinter Saudi Arabien über die zweitgrößten Ölvorkommen der Welt. Die Ölindustrie würde sich gerne um das Öl kümmern. Das ist aber auf Grund der politischen Lage derzeit aussichtslos.

Die großen Spekulanten beurteilen die Preisentwicklung nach wie vor streng bullisch. Sie haben den Anteil ihrer Positionen auf steigende Preise zur letzten Woche erneut erhöht.

Heute Morgen setzt sich der Aufwärtsdrang der Gasölpreise fort. Die Tonne kostet 591$, Tendenz steigend.

Unsere Heizölpreise legen wieder zu. Angesichts der Tatsache, dass Heizöl praktisch nicht nachgefragt ist, erstaunt das viele Verbraucher. Aber der Handel hat mittlerweile nichts mehr abzugeben. Die Margen sind häufig bei Null. Die Preise sind direkt an den Weltmarkt gekoppelt. Dort regieren die Börsen und die großen Spekulanten. Die deutsche Nachfrageschwäche spielt keine Rolle.

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