Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Börse paradox

In den USA sinken die Verbraucherausgaben seit drei Monaten. Der private Konsum, das heißt, das Herz der US-Wirtschaft ist krank. In China liegen die Wachstumsraten unter den Erwartungen. Einer Zinssenkung vor zwei Wochen dürfte bald die nächste folgen. Für einen auf steigenden Profit programmierten Finanzjongleur sind solche Fakten eine Einladung zu einem Glas Notfalltropfen. Ihre Verabreichung wird in der Szene tatsächlich von Ben Bernanke erwartet. Im Klartext bedeut das, dass Finanzjongleure auf neues Geld von der Notenbank setzen. Deshalb reagieren sie auf die schlechte Lagebeschreibung nicht mit Ab-, sondern mit Aufschlägen für Aktien und Ölnotierungen. Diese fallen in Europa höher aus als anderswo. Hier ist das länderübergreifende Programm zur Sozialisierung der Bankenschulden bereits durch Parlamente gewunken. Dass es nun im deutschen Verfassungsgericht schmort, nähert keine Zweifel. Schließlich gab es von dort bisher keine Urteile gegen europäische Bedürfnisse.

Das Hauptproblem der alten Industrieländer ist ihre Verschuldung. Die wird nicht durch expansive Geldpolitik und die Umverteilung weiterer Schulden gelöst. Beiderseits des Atlantiks wurde bisher kein Mittel gefunden, um der lähmenden Schuldenfalle zu entkommen. Sie lastet auf der Wirtschaft. Das spürt man selbst im erfolgsgewohnten China. Man spürt es auch in Deutschland, hier allerdings nicht in der Exportwirtschaft. Die profitiert vom für deutsche Verhältnisse billigen Euro. In den alten Industriegesellschaften gibt es kein selbstinduziertes Wachstum mehr, das Schulden rechtfertigt. Es gibt nur noch Schulden, mit denen Schulden bedient werden. Die werden nicht von Verbrauchern, sondern von Staaten und Banken gemacht. Solange die Regierungen im Hamsterrad laufen, hält die Finanzszene die Börse oben. Die Ausweglosigkeit der Lage kann allerdings unerwartet dazu führen, dass irgendjemand im Hamsterrad streikt. Das würde die Börse erschüttern. Das Gegenteil hierzu geschah am letzten Juniwochenende, als Angela Merkel sich ebenso unerwartet Zugeständnisse abringen ließ. Sie ermutigte die Börse. Die Kurse werden nicht mehr von relativ gut einschätzbaren Wirtschaftsentwicklungen, sondern von uneinschätzbaren politischen Stimmungen bewegt.

Ähnlich verhält sich die Lage im Ölmarkt. Auch hier werden die Notierungen erheblich von politischen Sachverhalten regiert. Im letzten Jahr war das beispielsweise die Revolution in Libyen, die unerwartet für deutliche Preissteigerungen sorgte. In diesem Jahr war der Atomkonflikt mit dem Iran bereits einmal preistreibend. Die zwischenzeitliche politische Entspannung und die Eskalation der europäischen Bankenprobleme sorgten für fallende Preise. Politische und diplomatische Fehlleistungen in bestimmten Verhandlungssituationen drehten die Situation erneut. Sie hievten die Notierungen plötzlich wieder aufwärts. Diese Umstände haben nichts Einschätzbares. Anders sieht es bei Angebot und Nachfrage aus. Einschränkend muss auch hier gesagt werden, solange sie nicht politischen Störungen wie Streiks, Revolutionen und Kriegen unterliegen. Zwar gibt es eine Grauzone des Wissens um Ressourcen und Reserven. Im Vergleich zu den erwähnten Umständen hat man es hier gleichwohl mit ruhigen Bewegungen zu tun. Angebot und Nachfrage sind auf Kante genäht. Angebotssteigerungen sind ein kostspieliger Kraftakt, der einer unüberwindlichen Grenze entgegenstrebt. Die Nachfrage wird angesichts der bekannten wachsenden Volkswirtschaften auch bei vergleichsweise schlechtem Gang der Konjunktur steigen. Insofern ist die Preissteigerung der Normalzustand. Er wird durch die erwähnten Unwägbarkeiten temporär ausgehebelt.

Wie zufallsbedingt Preisbewegungen aufgrund des Atomkonflikts mit dem Iran sind, zeigt dieser Zwischenfall. Gestern Abend eröffnete die US-Marine im Persischen Golf das Feuer auf ein Boot. Es kam zu Toten und Verletzten. Bei dem beschossenen Objekt handelte es sich um ein indisches Fischerboot. Es hätte auch ein iranisches Kriegsschiff sein können.

Die Ölnotierungen folgen derzeit den bullischen Komponenten der erwähnten Umstände. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 923,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 88,26 Dollar und in London zu 103,21 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 81,37 Eurocent. Wenn Politik und Notenbanken bereitwillig mitspielen, wird die bullische Lage über Monate so bleiben. Die Preise können dann mindestens zu den alten Höchstständen zurückkehren. Dort angekommen würden sie als Konjunkturbremse wirken. Politik und Notenbanken würde noch mehr Bereitschaft zur Geldflut abverlangt. Die Entscheidung darüber wird zufällig getroffen. Genauso zufällig wird sich der Ölpreis entwickeln.

Unsere Heizölpreise folgen den Börsennotierungen. Damit folgen sie der beschriebenen Unkalkulierbarkeit. Heizölverbraucher müssen damit leben. Sehr viele Ölheizer nutzten die relativ günstigen Preise im Juni und deckten sich ein. Auf Monatssicht war die Einsparung nicht groß aber immerhin Anreiz genug, um den Kauf auszulösen. Wenige Verbraucher erwarten deutlich tiefere Preise. Sie haben nun Sorge, dass sie eine Chance verpassten. Gemessen an den Preiserwartungen, die oft weit unterhalb der erreichten Preise liegen, verpassten sie nichts. Die erhoffte Chance besteht weiterhin. Sie wird durch den Zusammenbruch des Geld- und Finanzsystems höchstwahrscheinlich Realität. Wer den Zusammenbruch nicht erwartet, sollte sich von unrealistischen Niedrigpreisideen lösen. Die können nur Enttäuschung bringen. Als recht verlässliche Indikation für Kaufmomente hat sich übrigens unser Tiefpreis-System über viele Jahre gezeigt. Sie finden es oben rechts auf der Preisausgabeseite. Die verlässlichste Indikation gegen überbordende Preise ist allerdings die Reduzierung des eigenen Verbrauchs. Man macht sie nicht, um weniger Geld für Heizöl auszugeben, sondern um weitere Preissteigerungen wegstecken zu können. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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