Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Billige Energie, aber nicht hier

Gestern war an der Ölpreisfront Entspannung angesagt. Diese Tatsache ändert aber nichts daran, dass der kurzfristige Aufwärtstrend intakt ist. In der langfristigen Perspektive ist die Sache weniger eindeutig wie diese Grafik zu den Rohölsorten Brent (Nordsee) und WTI (Texas) zeigt. Seit zwei Jahren tendiert Brent seitwärts, während WTI einen leichten Abwärtstrend durchläuft. Die Preisentwicklung korreliert mit fundamentalen Wirtschaftsdaten. Das Ölangebot wuchs im betrachteten Zeitraum stärker als die Nachfrage. In den alten Industrienationen sank der Verbrauch sogar. Besonders ausgeprägt ist das Missverhältnis in den USA. Dort boomt das Angebot, während die Nachfrage einbricht. Dass die Preise nicht stärker abwärts tendieren, lässt sich mit der inflationären Geldpolitik der Notenbank erklären. Sie ist um Konjunkturstabilisierung bemüht und bedient dazu die Geldpresse.

Heißt das im Umkehrschluss, Wirtschaftswachstum wird die Ölpreise weiter in die Höhe treiben? Das ist in der Tat wahrscheinlich. Weniger wahrscheinlich ist hingegen ein solides Wirtschaftswachstum in den alten Industrienationen. Grund zum Jubeln gibt es weder mit den Wohlstandszahlen und schon gar nicht durch die Arbeitsmarktdaten. Ausgelassener Jubel herrscht nur über die Gewinne großer Industrieunternehmen. Sie explodieren förmlich. Für die energieintensive Industrie der USA ist die Erklärung simpel. Sie profitiert vom Angebotsboom der fossilen Energieträger, weniger beim Öl, mehr beim Gas. Im Gegensatz zum Öl hat der US-Bohrboom die Gaspreise einbrechen lassen. Seit 2009 sank der Produzentenpreis um 60 Prozent. Der Preis für Texasöl legte im gleichen Zeitraum um 70 Prozent zu. Am Bohrloch war Öl schon immer teurer als Gas. Dreißig Jahre lang betrug das Verhältnis zwei zu eins. In den letzten Jahren änderte sich das gewaltig. Mittlerweile ist Öl fünf Mal so teuer wie Gas.

Der US-Bohrboom soll nun auch das Öl erreichen. Selbstverständlich wachsen mit der Ankündigung Hoffnungen auf sinkende Ölpreise. Großes, wie beim Gas, sollte man allerdings nicht erwarten. Beim Öl fehlt die Infrastruktur, um den Preis bis zum Verbraucher niedrig zu halten. Aber selbst wenn sich an dieser Lage in den kommenden Jahren etwas ändern würde, worauf wenig hinweist, wäre ein nennenswerter Effekt außerhalb der USA unwahrscheinlich. Das Land ist in Energiefragen eine ziemlich geschlossene Welt. Derzeit kämpft die Gasindustrie darum, ihren Überschuss in die Welt exportieren zu dürfen. Dagegen opponieren sowohl Industrie- als auch Umweltverbände. Die einen sehen ihre billige Energiequelle gefährdet. Die anderen wollen das ungezügelte Durchbohren ihres Bodens und die damit verbundenen Umweltschäden stoppen.

Die USA werden in den nächsten Jahren nicht nur als Quelle fossiler Energieträger von sich hören lassen. Sie werden auch in Umweltfragen die Werbetrommel rühren. Mit dem Ersatz der Kohle für die Stromerzeugung durch Gas werden ihre CO2-Emmissionen deutlich sinken. Der Vorgang wird als Klimaschutz deklariert. Eine Energiewende ist er nicht. Der Lebensstil der USA wird auch zukünftig an fossiler Energie hängen. Damit ist und bleibt er ein Stil von begrenzter Dauer. Denn an der Endlichkeit der Vorkommen ändert auch der aktuelle Bohr- und Angebotsboom nichts.

Von billigem Gas kann man außerhalb der USA nur träumen. Gleiches gilt für billiges Öl. Billiger als heute kann es allerdings schon werden. Das neue Ölangebot wird an den Börsen von Zeit zu Zeit auf die Preise drücken. Heute Morgen wird der Preis gedrückt. Es ist durchaus möglich, dass der Aufwärtstrend langsam seinem Ende entgegensteuert. Die Tonne Gasöl kostet 1.023,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,86 Dollar und in London zu 118,03 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,64 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Börsenvorgaben und Binnenmarkt liefern kaum Impulse für Veränderung. Angesichts des starken Anstiegs der letzten Tage ist das eine freundliche Lagebeschreibung. Freundlich kann auch der Umstand gewertet werden, das Heizöl billiger ist als vor einem Jahr. Im Jahresverlauf sollten sich die Preise allerdings noch freundlicher entwickeln. Die Versorgungssituation des physischen Markts gäbe das her. Damit die Prognose aufgeht, muss das Wirtschaftswachstum moderat bleiben und die politischen Spannungen im Nahen Osten und in Nordafrika dürfen nicht eskalieren. Beide Voraussetzungen sind nicht abwegig. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen