Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Blasenprobleme möglich

Verlass ist nur auf die Preise. Die werden hoch gehandelt. Bereits bei der Frage, warum das so ist, beginnt die Verwirrung. Viele Meinungen, kein Konsens. Mehr als für den Grund interessieren sich die meisten Menschen für die Änderung. In diesem Zusammenhang fliegen der Politik neue Hoffnungen zu. Nicht weniger als die Wiedereinführung des Rittertums wird vom preisgeschundenen Publikum gefordert. Überforderung. Die halb zur Untätigkeit Verdammten, halb mit Unkenntnis Geschlagenen können machen, was sie wollen. Sie verlieren. Längst verloren haben sie die Kontrolle. Die suchen sie nun. Dabei brauchen sie die Kontrolle in einer demokratischen Gesellschaft am wenigsten. Zu wenig gesucht und schon gar nicht gefunden haben sie Ideen, wie die Lage zu ändern ist. Schnellschüsse, Pleiten, Pech und Pannen pflastern ihren Weg, auf dem sie noch mehr verlieren. Die letzte Gunst des Publikums. Politiker sind bemitleidenswert. Vielleicht lindert dieser Satz für einen Moment das Preisleiden der Verbraucher.

In der medialen Beschreibung der Preisentwicklung spürt man Bewegung. Die Rolle des Hauptverdächtigen ist ins Wanken geraten. Für die Preisexplosion werden mittlerweile andere Gründe genannt als die Spekulation. Es bildet sich eine Mehrheitsmeinung heraus, die ein zu geringes Angebot und einen zu hohen Verbrauch als Ursache akzeptiert. Ölgesellschaften, Banken und Institutionen wie die IEA (Internationale Energie Agentur) gaben die Botschaft entsprechend ihrer eigenen Interessen- bzw. Zieldefinition aus. Sie findet Gehör. In der Tat weisen die offiziellen Zahlen über das Engagement der großen Spekulanten am Ölmarkt seit Monaten keinen signifikanten Anstieg mehr auf. Zuletzt sanken sie sogar. Kritiker wie der US-Finanzinvestor George Soros erklären Spekulanten dennoch für schuldig. Längst betreiben sie ihre Geschäfte außerhalb der Börse. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nennt die irrsinnige Summe von neun Billionen Dollar für offene, bilaterale Spekulationsgeschäfte mit Rohstofftiteln. Über diesen Sachverhalt herrscht bei den Kontrollinstanzen weitgehend Unkenntnis. Wenn es einer Kontrolle bedarf, dann ist diese mit Sicherheit auf das internationale Finanzsystem am dringendsten anzuwenden.

Die Diskussion um physisches Öl, also das Öl, was tatsächlich gebraucht wird, hat in erster Linie das Angebot im Visier. Wieder sind es Ölgesellschaften aber auch Politiker, die den geringen Ausstoß der Förderländer beklagen. Das Jammern kennt viele Töne. Von zu geringen Investitionen in Infrastruktur ist die Rede. Aber auch davon, dass die Habenden auf ihren Pfründen sitzen und diese für ihre Nachkommen schonen wollen. Staatliche Ölgesellschaften werden gescholten, nicht marktgerecht zu agieren. Es mangele ihnen an Effizienz. Daher seien Engpässe Programm. Unbegrenztes Wachstum sei so nicht zu gewährleisten. Das bedroht die Idee der Marktwirtschaft in ihrem Kern. Die Angst wird geschürt, dass sich Wohlstand von den Verbraucher- zu den Förderstaaten bewegen könnte. Die militärische Karte wurde noch nicht wieder gespielt. Es ist aber zu erahnen, dass sie bereits locker in einer Hand liegt. Am Iran ist diesbezüglich Aufbauarbeit zu beobachten.

Dumm ist, wer sich für den Erhalt einer Sache prügelt. Intelligent ist, wer seine Bedürfnisse auf andere Weise befriedigt. Auf die Ölwelt bezogen bedeutet das, sich nicht vordringlich um ein von uns nicht beeinflussbares Angebot zu kümmern, sondern sich mit der von uns komplett beeinflussbaren Nachfrage zu beschäftigen. Die Politik wäre gut beraten, deutlicher zwischen beiden Seiten des Marktes zu differenzieren. Derzeit wird das Heil selbst in der Nachhaltigkeitsdebatte in erster Linie auf der Angebotsseite gesucht. Dort sollen fossile durch regenerative Rohstoffe abgelöst werden. Bei den Veränderungsraten ist man zurückhaltend. Von vier und acht bis eventuell zehn Prozent Mineralölersatz spricht man. Peanuts. Auf der Nachfrageseite können 50 Prozent und mehr aus eigener Kraft beeinflusst werden. Deutliche Minderverbräuche, die das Wort verdienen, sind im Haus und beim Auto möglich. Sie sind mit unserer Intelligenz zu erreichen. Sie bedürfen lediglich unseres Willens, um realisiert zu werden. Diesen Willen zu entwickeln, sollte eine führende politische Aufgabe sein. Hier kann man sich Meriten verdienen. Dabei schadet es mit Sicherheit nicht, erst zu denken und dann zu handeln.

Die reduzierte Nachfrage ist unsere einzige Chance, Einfluss auf die durch Angebot und Nachfrage induzierte Preisbewegung zu nehmen. Der spekulative Anteil der Bewegung mag eventuell noch hoch sein. Diese Aussage ist hypothetisch. Wirklich weiß das niemand. Dieser Anteil wird definitiv in sich zusammenbrechen, wenn das Angebots-Nachfrage-Verhältnis dies erzwingt.

Heute Morgen gehen die Preise nahezu unverändert zu gestern Abend in den Handel. Die Tonne Gasöl kostet 1.304,00 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 145,39 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Sie befinden sich gleichwohl nahe ihres Allzeithochs. Immerhin, es ist eine Beruhigung des Anstiegs zu beobachten. Kurzfristig rechnen wir nicht mit nennenswerten Preisänderungen. Das Gebot der Zeit bleibt, sich der Verbrauchsseite zu widmen. Hier steckt das langfristige Potenzial gegen fortdauernde Kostensteigerung.

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