Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Bullen schöpfen das Potenzial aus

Die Preise sind hoch. Die heimischen Heizölpreise sind auf Rekordwerten. Ein flüchtiger Blick auf die Entwicklung lässt befürchten, dass die Preisexzesse des letzten Jahres fortgesetzt werden. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht. Wesentliche Einflüsse sprechen dafür, dass der bullische Lauf der letzten Tage nicht in einen Aufwärtstrend mündet, sondern dass er Teil des seit November gültigen Seitwärtstrends ist. Ähnlich sieht die Situation beim Dollar aus. Spekulationen über einen Absturz der Währung scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Der Trend hält seit November seitwärts.

Dass Deutschlands Heizölpreise aktuell auf historischen Höchstwerten stehen, liegt an der Kombination aus hohen Gasölpreisen und einer höheren Dollarbewertung als zu Zeiten der letzten Gasölpreisspitzen Ende November und Anfang Januar. Die Gasölpreissteigerung fiel zuletzt heftiger aus als die Steigerung der Rohölpreise. Das lässt sich mit der schlechten Raffineriesituation und mit relativ kühlen Temperaturen in den USA begründen. Besorgniserregend sind die Umstände nicht. Die Tanklager sind ausreichend gefüllt, um einen gegebenenfalls höheren Bedarf decken zu können. Es ist nicht zu befürchten, dass die Gasölpreise den Rohölpreisen längerfristig davonlaufen.

Die Rohölpreise haben die 100-Dollar-Marke noch weit vor sich. Ausschließen lässt sich nicht, dass sie im Verlauf der aktuellen Bewegung dort wieder ankommen werden. Das würde den Gasölpreisen definitiv zu einem neuen Rekord verhelfen. Auf Sicht von einem halben Jahr ist ein Überschreiten der 100-Dollar-Marke wenig wahrscheinlich. Die Probleme mit der US- und eventuell auch der Weltkonjunktur dürften immer wieder dämpfend wirken. Dass es solche Probleme gibt, ist mittlerweile verbreitete Meinung. Der Internationale Währungsfond hat beispielsweise neben dem US-Wachstum, die Wirtschaftsentwicklung einiger Industrienationen nach unten korrigiert. Als Reaktion darauf hat die IEA (Internationale Energie Agentur) das Nachfragewachstum herabgestuft.

Die momentan bullische Lage hat rationale Ursachen. Einige der fundamentalen Faktoren werden eine kurze Halbwertzeit haben. Zu ihnen gehört der gegen ExxonMobil gerichtete Aktionismus eines Hugo Chavez, ein Stopp russischer Öllieferungen nach Deutschland und kühle Temperaturen in den USA. Letztes erledigt der Kalender. Mit dem Lieferstopp will Lukoil höhere Preise durchsetzen. Das wird langfristig möglich sein. Kurzfristig wird es wegen eines guten Angebots am Weltmarkt schwierig werden. Der Markt hat derzeit genug Substanz, um die Sache nicht zu einem ernsthaften Problem werden zu lassen. Hugo Chavez hat bereits einlenkende Signale gegeben, indem er nicht die USA sondern nur die Ölgesellschaft ExxonMobil zum Adressaten seines Zorns erklärt hat. Das Zelebrieren des Zorns wird er sich nicht lange leisten können, da er auf sämtliche Einnahmen aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seinen Sozialismus angewiesen ist. Pikanterweise gibt es einen Zwang, Öl aus Venezuela in die USA zu liefern, da andernorts keine Raffinerien existieren, die das Schweröl verarbeiten können. Die USA nehmen zwei Drittel der Ölproduktion des Landes ab.

Andere Einflussfaktoren könnten nachhaltiger wirken. Dazu gehört die Lage in Nigeria. Sie droht außer Kontrolle zu geraten. Der Staat ist nicht gewillt oder nicht befähigt, wirksam gegen Rebellenattacken auf die Ölindustrie vorzugehen. Dadurch fehlen dem Weltmarkt bis zu einer Mio. Barrel pro Tag. Derzeit werden die Mengen vom Angebot gut kompensiert. Das wird sich langfristig, d.h. in einigen Jahren ändern. Bis es soweit ist, hat die OPEC die Möglichkeit, in begrenztem Maß auf die Preisbildung Einfluss zu nehmen. Dieser Einfluss wird in erster Linie zur Absicherung der Preise nach unten genutzt werden. Auf einen möglichen Preisrückgang bis in die 80-Dollar-Zone wird das Kartell mit Mengenreduzierungen reagieren. Man muss davon ausgehen, dass die OPEC die Preise zwischen 80 und 100 Dollar pro Barrel zu halten versucht.

Ein effektiv Preis drückender Faktor wäre die Entdeckung eines großen Ölfelds. Es ist nicht zu erwarten, dass so etwas ansteht. Entdeckt werden seit Jahren nur kleine Felder. Die jüngste Meldung nennt einen Fund in der Nordsee. Es handelt sich um die größte Entdeckung seit Jahren. Das Feld könnte bis zu einer Mio. Barrel pro Tag für ein Jahr liefern. Das entspricht einem Einjahreseffekt von gut einem Prozent des Weltbedarfs. Derartig jämmerliche Explorationsergebnisse kommen von allen Ölgesellschaften. Die größten unter ihnen müssen aus diesem Grund einen Rückgang der Öl- und Gasgewinnung hinnehmen. Total war die einzige Firma unter den Großen, die die Förderung in 2007 steigern konnte.

Heute Morgen setzt sich das bullische Treiben der letzten Tage fort. Die Tonne Gasöl kostet mittlerweile 871,00 $.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Sie werden vom Preisauftrieb am Weltmarkt beherrscht. Aktuell wirkt der Dollar wieder dämpfend, da er nachgibt. Es sieht nicht so aus, als sollte sich kurzfristig eine freundlichere Lage für Verbraucher ergeben. Mittelfristig sehen wir die Heizölpreise etwas tiefer. Von der Hoffnung auf ein Unterschreiten des Januartiefs sollte man sich aber verabschieden.

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