Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Bullen toben in Amerika

Hoffen sticht in diesen Tagen Bangen. Die Bullen sind los. Ölpreise folgen Aktienkursen. Bärische Daten aus den US-Tanklagern werden ignoriert. Jeden Tag eine gute Nachricht lautet das Motto an den Märkten. Schlechte Nachrichten gibt es immer noch zuhauf. Aber derer sind die Spekulanten überdrüssig. Klingt nach Party und klingt nach baldigem Kater. Denn gelöst ist bisher kein einziges fundamentales Problem der Finanzwelt. Es wurde lediglich Liquidität in ein verschwenderisches System gepumpt. Alle zahlen, Wenige kassieren ist nach wie vor die beherrschende Ordnung. Richtig lustig geht es nur in den USA zu, um im Bild der Party zu bleiben. Dort steigen die Kurse für Waren und Aktien. Der Dollar geht hingegen in die Knie. Gestern fiel er um sagenhafte vier Prozent. Damit kamen die Kurssteigerungen in Europa als Kursverluste an.

Es ist durchaus möglich, dass die Freude an den Märkten länger anhält. Der Traum vom „Weiter so wie bisher“, kann ein starkes Momentum erzeugen. Auf das Problem, das dieser Traum hervorruft, wurde von verschiedener Seite mehrfach hingewiesen. Ein Aufschwung im altbekannten Stil wird unweigerlich zu einem erneuten Hochpreisszenario für Energie und einem Ölcrash führen, weil für den bisher gegangenen Weg nicht genug Öl zur Verfügung steht. Das heißt nicht, dass das Öl in naher Zukunft ausgeht. Dieses Horrorszenario ist definitiv übertrieben. Es ist aber geboten, mit dem verfügbaren Öl verantwortungsbewusst umzugehen. Der Stil des vorsichtigen Kaufmanns ist gefragt. Finanz- und Energiewelt folgen derzeit einem anderen Bild. Beide sind die Lebensadern moderner Gesellschaften. Beide sind löchrig und enorm verlustreich. Ein technisches System, beispielsweise eine Raffinerie oder ein Auto, aus deren Rohrleitungen allerorten Dämpfe und Flüssigkeiten austräten, würde heute niemand mehr akzeptieren. Man würde die Löcher stopfen. Früher hätte man in solche Systeme mehr Treibmittel hineingepumpt und unter die Löcher Eimer und Auffangwannen gestellt. So etwas sieht man heute noch in Entwicklungsländern. Und man könnte es bei uns sehen, wenn man die Finanz- und Energiewelt so darstellte wie ein technisches System. An den Eimern und Auffangwannen des Finanzsystems sitzen die Gewinner unserer Zeit. Was aus den Löchern der Energiewelt austritt, ist verloren. Die Zeit ist überfällig, dass die Systeme repariert und die Löcher gestopft werden. Danach wird die Menschheit mit weniger Treibmittel auskommen. Eine Krisenbewältigung ohne Reparatur der Systeme ist hingegen schwer vorstellbar.

Schwer erklärbar ist der gestrige Ölpreisanstieg aus fundamentaler Sicht. Denn die Daten, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den US-Tanklagern lieferten, zeigen, dass das Angebot größer ist als die Nachfrage. Die Bevorratung stieg wieder. Die Bestandsdaten lauten wie folgt:

Rohöl: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,3 (DOE) bzw. 5,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 82 Prozent gesunken. Beide Informationen lassen den Anstieg in den Lagern noch bemerkenswerter erscheinen. Er lässt sich nur mit einer geringen Nachfrage begründen.

Das jahrelange Problem, dass schwache US-Raffinerien für Preisauftrieb sorgten, wird an Bedeutung verlieren. Neue Raffinerien in Asien werden in Kürze in Betrieb gehen und den Weltmarkt mit Produkten versorgen. Dann dürften sogar Raffineriestilllegungen in den USA ohne Effekt für die Preisbildung bleiben.

Die Versorgungslage ist gut. Engpässe spielen aktuell keine Rolle für die Preisbildung. Heute Morgen halten sich dennoch relativ hohe Notierungen. Sie sind spekulativen Ursprungs. Die Tonne Gasöl kostet 395,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 48,96 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,10 Eurocent gehandelt. Von der Idee, dass die Preise seitwärts tendieren, gehen wird noch nicht ab. Die Gefahr höherer Preise ist allerdings erkennbar.

Unsere Heizölpreise halten sich verglichen mit den Weltmarktpreisen sehr gut aus Sicht der Verbraucher. Dem deutlich gefallenen Dollar sei Dank. Wir bleiben bei der Prognose, dass die Preise in den kommenden Wochen im Mittel das Niveau halten werden. Die Binnennachfrage reagiert deutlich auf geringe Preisunterschiede. Sobald die Preise am Boden kratzen, wird im größeren Stil gekauft. Insgesamt ist die Nachfrage weiterhin gut. Lange Lieferzeiten sind derzeit beliebt, weil sie größere Bestellvolumina erlauben. Denn bis zur Lieferung werden noch einige Liter Öl verheizt. Trotz attraktiver Preise empfehlen wir, sich vorausschauend mit dem eigenen Bedarf zu beschäftigen, um diesen mittelfristig zu senken. Das ist der sicherste Schutz vor zukünftigen Preiskapriolen. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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