Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Der Schwung ist dahin

Vieles deutet darauf hin, dass sich die Rohölpreise in einem Bereich zwischen 55 und 60 Dollar pro Barrel einpendeln werden. Bei Gasöl werden es 500 bis 525 Dollar pro Tonne sein. Gewichtige Argumente, die die Preise aus dem genannten Gleichgewichtsbereich schlagen könnten, gibt es z. Z. nicht. Bullische und bärische Einflüsse für die kleinen Bewegungen sind hingegen reichlich vorhanden. Zwischen ihnen können sich die Börsianer laufend neu entscheiden. Das hält die Preise in Bewegung. Der Dollar befindet sich in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Devisenhändler erwarten kein grundsätzlich neues Kursniveau. Bei 0,75 Euro pro Dollar sollte die Bewegung enden. Aktuell kostet die US-Währung 0,759 Euro.Der Winter verliert seine preistreibende Kraft, die in dieser Saison äußerst schwach war. Zwar ist es in den USA immer noch kalt. Aber es soll wärmer werden. Das kündigen zumindest die Wetterinstitute an. Den Zeitpunkt der Erwärmung schieben sie allerdings Tag für Tag in die Zukunft. Die Preise hält es dadurch noch relativ hoch. Für einen veritablen Höhenflug reicht der Wettereinfluss nicht. Der Totalausfall der ersten Winterhälfte machte diesen praktisch unmöglich. Die Vorratslager drohten sogar überzulaufen. Es war die Winterphase, in der die Preise ihre 18-Monats-Tiefs erreichten. Mittlerweile sind die US-Vorräte etwas geringer als vor einem Jahr. Im langjährigen Vergleich sind sie aber auf einem guten Niveau.Preisauftrieb könnte in Kürze von der Benzinseite kommen. Bereits jetzt zeigt sich an dem Produkt der deutlichste Drang nach oben. Benzin übernimmt turnusgemäß nach Abschluss der Wintersaison die Führungsrolle der Preisbildung. Die spritsaufenden US-Autos werden wieder mehr bewegt. Der Treibstoff rückt in den Mittelpunkt. Dass die USA Probleme mit der Verfügbarkeit ihrer Raffinerien haben, wird dadurch verstärkt wahrgenommen.Die geopolitischen Aspekte der Preisbildung, die reichlich vorhanden sind, bleiben unter den gegebenen Umstände wahrscheinlich bedeutungslos. Nur von einer schwerwiegenden Veränderung in einem Lieferstaat wäre eine grundsätzliche Änderung der Preisbewegung zu erwarten. Aktuell deutet sich nichts dergleichen an. Generell gilt die Lage in vielen Staaten aber als schwach stabil.Die OPEC hat ebenfalls keine Möglichkeit, große Bewegungen zu erzwingen. In den letzten Wochen ist sie zwar mit nicht eingehaltenen oder doch umgesetzten Lieferkürzungen in den Schlagzeilen. Es ist auch von einer erheblichen Ausweitung der Förderkapazitäten Saudi Arabiens die Rede. Das vermittelt den Eindruck maßgeblicher Einflussnahme auf die Preisbildung. In Wahrheit ist diese aber begrenzt.Die weltweite Wirtschaftentwicklung wird als robust prognostiziert. Das lässt eine deutliche Nachfragesteigerung erwarten. Anders als in 2003 und 2004 wird diese aber weder so hoch noch so überraschend ausfallen. Zudem gibt es auf Grund der aufblühenden Effizienzdiskussion zumindest ein psychologisches Moment, das den Ängsten der totalen Abhängigkeit von Öl und Gas Paroli bieten kann. So etwas wirkt preisdämpfend.Schließlich werden auch Taten in Sachen Effizienz folgen. In den USA fallen spritsaufende Autos in Ungnade. Gleiches gilt hierzulande. Häuser sollen per Gesetz erheblich besser gedämmt werden. Heizanlagen werden modernisiert. Bei den neuen Gasheizungen arbeiten weit über die Hälfte der Anlagen mit effizienter Brennwerttechnik. 70 Prozent der neu installierten Ölheizungen sind mit dieser Technik ausgestattet. Hier gibt es noch ein großes Renovierungspotenzial. Die Beimischung von Bioölen zum normalen Heizöl wird kommen. In den Laboren wird eifrig daran gearbeitet. Man rechnet damit, dass bis 2015 bei 80 Prozent aller neuen Heizungsinstallationen Sonnenkollektoren zum Standard gehören. Bis 2025 wird der Heizölbedarf Deutschlands von heute 31 Mrd. Liter pro Jahr auf 21 Mrd. Liter pro Jahr sinken. Dieser Effekt kommt nicht aus dem Übergang zu anderen Energieträgern wie Gas oder Festbrennstoffen, sondern aus purer Effizienzsteigerung. Der Anteil, den Ölheizungen am Gesamtmarkt haben, wird sich kaum ändern. Je weniger Brennstoff ein Ein- oder Zweifamilienhaus benötigt, um so unwirtschaftlicher ist eine Festbrennstoffheizung, weil diese erheblich höhere Anschaffungskosten hat als eine Gas- oder Ölheizung. Effizienzsteigerung ist der technische Feind von Holzpellets im ?Häusle?.Beim Gasölpreispreis herrscht heute Morgen Ruhe. Die Tonne kostet mit 511,50 $ genauso viel wie gestern Abend.Unsere Heizölpreise halten wacker an einer schwachen Abwärtsbewegung fest. Teilweise hilft ihnen der Weltmarkt, teilweise hilft ihnen die schwache Binnennachfrage. Sie lässt die Handelsmargen in vielen Regionen zusammenbrechen. Heizöl in Bayern ist im Bundesvergleich normalerweise teuer. Aktuell ist es billig. Das zeigt, wie verworfen die Marktbedingungen sind. Einen nennenswerten Nutzen hat der Verbraucher vom Margenschlachten des Handels übrigens nicht, da über 95 Prozent des Heizölpreises durch die Ware selbst festgelegt sind. Diesen Anteil kann der Handel nur durchreichen.

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