Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Doch lieber rot als tot

Öl ist nicht nur Treib- und Brennstoff. Öl ist auch ein Finanztitel. Für den Stoff sind die Mineralölgesellschaften zuständig. Für die Finanzspiele sind die Investmentbanken verantwortlich. Weil es den Investmentbanken schlecht geht, verschwindet das spekulative Geld aus dem System. Der Ölpreis sinkt. Das wäre eine nahe liegende Erklärung zur gegenwärtigen Preisbildung. Sie trifft aber nicht zu. Denn die berüchtigten Investmenthäuser haben ihre Positionen gegenüber dem Höchststand im Mai kaum reduziert. Der in der Tat zu verzeichnende Rückgang der Handelsaktivitäten geht fast ausschließlich auf das Konto der physisch interessierten Händler. Das sind Ölunternehmen und große Verbraucher wie beispielsweise Fluggesellschaften. Sie sind an der Börse aktiv, weil sie die Preise für ihre wirtschaftlichen Aktivitäten absichern wollen. Wer Öl zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht, kann den Preis zu einem früheren Zeitpunkt festschreiben, indem er sich mit der entsprechenden Menge von Long-Kontrakten eindeckt. Bei Preisänderungen stellt dieser Kontrakt die Ausgleichsposition zur Preisänderung der Ware Öl dar. Wird Öl teurer, wird der Kontrakt mehr wert. Das zum Fälligkeitszeitpunkt teurere Öl wird über die Gewinne des Long-Kontrakts finanziert und umgekehrt. Umgekehrt ist auch die Lage des Verkäufers. Er kauft sich Short-Kontrakte. Damit sichert er seinen Verkaufserlös ab. Das alles ist im Prinzip uralt und zur Vermeidung von Preisrisiken äußerst sinnvoll. Die reinen Spekulanten gehören übrigens als unverzichtbarer Teil zu dem Spiel. Sie liefern wichtige Liquidität für den Markt. Man kann sie als Versicherer verstehen, die die Unsicherheiten übernehmen. Dabei wollen und sollen sie natürlich auch Geld verdienen.

Leider ist das vernünftige System durch ausgeufertes Interesse am schnellen und großen Geld aus dem Ruder gelaufen. Die reinen Wareninteressenten mutierten zu Spekulanten. Das lässt sich aus der Tatsache schließen, dass Ölbedarf und Kontraktmenge dieser Wareninteressenten deutlich auseinander liefen. Innerhalb von eineinhalb Jahren verdoppelten sie die Kontraktmenge. Seit dem Sommer halbierten sie sie wieder. Der Ölbedarf wuchs im gleichen Zeitraum um ca. drei Prozent. Ansatzweise verdoppelt wurde auch die Zahl der Kontrakte bei den Investmentbanken. Die nachfolgende Reduktion fiel aber dürftig aus. Die Gesamtzahl dieser Kontrakte beträgt heute etwa 34 Prozent der Kontrakte der Wareninteressenten.

Was kann man daraus schließen? Die Finanzkrise hat die Gier gedämpft. Angst vor Verlusten trieb Spekulanten in die Flucht. Nicht zuletzt deshalb sank der Ölpreis. Die Frage ist nun, ob das eine nachhaltige Wirkung auf die Einstellung zum Markt hat. Auf Grund der Tatsache, dass Regierungen die Konjunktur höher bewerten als die Ethik der Geschäfte, muss bereits heute befürchtet werden, dass das nicht der Fall ist. Der Verdacht liegt nahe, dass das aus Angst vor einem Konjunktureinbruch geschnürte 700 Mrd. Dollar Paket der US-Regierung ein neuer Anreiz für die derzeit verängstigten Spekulanten sein wird.

Es ist verdächtig, dass der ehemalige Chef der größten Investmentbank der Welt nun als US-Finanzminister Patriarch mit unkontrollierbaren Vollmachten über das Paket werden soll. Verdächtig ist auch, dass Warren Buffet, einer der reichsten Männer der Welt, als edler Ritter mit einer fünf Mrd. Dollar schweren Beteiligung an eben dieser Investmentbank auftrat, um wenige Tage später lautstark das ausgelobte Paket zu fordern. Wahrscheinlicher als der Edelmut des Patrioten Buffet ist das Gespür des Spekulanten Buffet für die nächste große Einnahmequelle in Form des so genannten Rettungspakets.

Was also soll bei diesem Paket herauskommen, dem übermorgen vermutlich zugestimmt wird? Die Konjunktur wird nicht abstürzen sondern nur lahmer werden. Die Spekulanten haben ein neues Objekt der Begierde. Sie werden es jagen. Hindern wird man sie daran kaum. Dafür sorgt einer aus ihren Reihen, der US-Finanzminister. Und selbst wenn weitere Kontrollen eingeführt werden sollten, werden diese von Menschen, deren Blick nicht auf die ganze Gesellschaft gerichtet ist sondern nur auf das eigene Bankkonto, übertölpelt. Immerhin, diese Spekulanten werden sich weniger um Öl als um den Geldhahn der Regierung kümmern. Insofern könnte der Ölpreis eine ruhigere Zeit vor sich haben als im letzten Jahr.

Neben dem vom Superthema dieser Tage geprägten Einfluss auf den Ölpreis gab es gestern die üblicherweise hoch gehandelten US-Bestandsdaten. Sie gingen, wie andere Einflussfaktoren auch, so gut wie unter. Es war freundlich, was DOE (Department of Energy) melden konnte. API (American Petroleum Institute) gab Unfreundliches zu Protokoll. Beides spielte keine Rolle für die Preisbildung. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,9 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt nur noch 72 Prozent. Sie entsprechende Zahl der Vorwoche wurde auf 67 Prozent herabkorrigiert. Das ist miserabel. Hier lauert ein erhebliches bullisches Potenzial für die Zukunft. Darüber wird man nach dem Finanzthema sprechen.

Heute Morgen halten sich die Preise an den Trend. Und der zeigt nach unten. Die Tonne Gasöl kostet 927 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 97,15 Dollar. Die Zahlen passen zur US-Währung. Die legt nämlich zu. Damit ist das alte Bild, Dollar rauf, Öl runter, wieder hergestellt.

Unsere Heizölpreise folgen den Weltmarktpreisen nicht. Zum einen hält der Dollar dagegen. Zum anderen besteht die Margenüberhöhung im Binnenmarkt weiterhin. Die Situation bleibt auf Grund des extrem hohen Auftragsbestands schwierig. Knappes Angebot und knappe Transportkapazitäten charakterisieren die momentane Lage. Bezogen auf das ganze Jahr ist beides ausreichend, bezogen auf den Auftrags-Tsunami aber nicht. Um zukünftig den Zwang zu vermeiden, in extremen Nachfragephasen kaufen zu müssen, empfiehlt es sich, den eigenen Heizölvorrat und Verbrauch profunder beurteilen zu können. Hierzu gibt es das Logbuch für den Heizölverbrauch.

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