Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Entspannte Versorgung mit angespannter Perspektive

Die Preise bewegen sich weiterhin auf einem Pfad zwischen seitwärts und aufwärts. Der aktuell guten Versorgungslage stehen die bekannten politische Störungen und Sorgen über die US-Benzinversorgung im Sommer gegenüber. Sie verhindern ein Nachgeben der Preise. Eine Änderung dieser Grundeinstellung des Marktes ist nicht zu erwarten. Der Dollar verlor in der letzten Woche erheblich an Wert. Er befindet sich in einem Abwärtstrend. Unbefriedigende Konjunkturdaten aus den USA zerschlugen Zinsphantasien, die den Dollar zuletzt hochhalten konnten.

Gegen die immer wieder aufblitzende Tendenz zu höheren Preisen sind selbst die neusten Daten über die Rohölvorräte der USA machtlos. Sie stehen auf einem Jahrhunderthoch, das natürlich erst gut sechs Jahre alt ist. Preistreibende Blitze werden u.a. vom Atomstreit mit dem Iran beigesteuert. Ursächlich und leidtragend für den Preiseffekt sind die USA, die fast im Alleingang mit Sanktionen und militärischen Konsequenzen drohen. Damit können sie den Iran, der kein Interesse daran hat, die Ölwaffe als Mittel der politischen Auseinandersetzung anzuwenden, zum Drosseln der Ölströme zwingen. Die Börse beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Der Streit bietet der Preisbildung erhebliches Eskalationspotential.

Preistreibende Blitze kommen weiterhin aus Nigeria. Am Wochenende legten Rebellen eine Pipeline der italienischen ENI lahm. Mittlerweile fehlen dem Land 26 Prozent der Produktion von insgesamt 2,4 Mio. Barrel pro Tag. Die Rebellen behaupten, die ausländischen Ölgesellschaften in die Knie zwingen zu können.

Nicht als Blitz sondern als längerfristige Unterstützung der Preisbildung kommen die ungenügenden Raffineriekapazitäten weltweit und die schlechte Verfügbarkeit der US-Raffinerien ins Spiel. Es war seit Monaten still um das Thema, weil die Vorräte sich sehr gut entwickelten. Der Umstand ist aber mehr dem milden Winter rund um den Globus zuzuschreiben als einer guten Versorgungsbasis. Hohe Kältegrade gab es lediglich in Mitteleuropa. Der Rest der Welt bekam Temperaturen, die nicht das Wort Winter verdienen. Inzwischen wird das Raffineriethema wieder diskutiert, weil die USA auf eine Versorgungskrise beim Benzin zusteuern. Der Treibstoff ist gegenwärtig der Motor aller Aufwärtstendenzen in der Preisentwicklung.

In den spekulativen Engagements an der US-Börse erkennt man einen Sinneswandel bei den Produkten. Sowohl Heizöl- als auch Benzinkontrakte werden mehrheitlich auf steigende Kurse gehalten bei wachsender Tendenz. Rohölkontrakte auf fallende Kurse werden als Folge dezimiert.

Die öffentliche Diskussion über das Preisniveau wird von OPEC-Vertretern angeführt. Die Organisation sieht sich als maßgeblicher Faktor im Geschehen. Die Tatsache, dass die Kartellstaaten über die meisten Reserven verfügen, gibt ihnen in der Selbsteinschätzung durchaus Recht. Derzeit setzt sich die Meinung durch, dass ein Preis von 60 Dollar pro Barrel fair sei. Er würdigt einerseits den Wert des Öls angemessen und würgt andererseits die Wirtschaft nicht ab.

Die EU schaut der Entwicklung am Weltmarkt derweil nach einem Energieweg suchend zu. Die Diskussion schwankt zwischen der Idee militärischer Stärke zur Sicherung von Reserven ähnlich der US-Politik und dem Streben nach einem Ausgleich zwischen den Interessen von Lieferanten und Verbrauchern hin und her. Einig sind sich die EU-Politiker aber darin, die Energieeffizienz in Zukunft zu steigern. Die Einigkeit setzt sich in der deutschen Politik fort. Die in Energiefragen heftig zerstrittene Bundesregierung wird durch die Einstellung zur Energieeffizienz zusammengehalten. Da ist bereits vom angestrebten ?Weltmeister in der Disziplin Energieeffizienz? die Rede. Der bevorstehende Energiegipfel soll nach den Vorstellungen der Ressortchefs aus Wirtschaft und Umwelt eine ?Nationale Initiative zur Verdoppelung der Energieproduktivität bis 2020? zum Ziel erklären und damit die EU-Vorgaben für das Energiesparen weit übertreffen.

Die hohen Öl- und Energiepreise bewegen die Industrienationen. Diesseits und jenseits des Atlantiks tut erheblich mehr und erheblich aussichtsreicheres als über die militärische Sicherung der Zugänge zu den Öllagern zu sinnieren. Möglicherweise erleben wir in den kommenden Jahren eine energiepolitische Wende, die das Wort verdient. Dabei wird nicht die Art des Energieträgers, fest, flüssig oder gasförmig, im Fordergrund stehen, sondern die Effizienz der Nutzung und die Beimengung von bzw. der Übergang zu nachwachsenden Grundkomponenten. Die Preise für Energie der verschiedenen Formen werden sich dabei deutlich annähern.

Heute Morgen nähert sich der Preis für Gasöl dem in den letzten Monaten gültigen Mittelwert an. Die Tonne kostet 562,50 $.

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Sie folgen damit dem Weltmarkt und der Dollarentwicklung. Nach wie vor sehen wir kein Potential für einen nennenswerten und nachhaltigen Preisrückgang. Spekulativ eingestellte Verbraucher werden sich mit kleinen Änderungen um das aktuelle Niveau begnügen müssen. Die Wahrscheinlichkeit für längerfristig höhere Preise ist ungebrochen hoch.

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