Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Erleuchtendes im Rückblick

Die Spekulation hat ein Ende. Was für ein Auftakt für einen Ölkommentar. BP legt die jährlich erscheinenden Daten zum globalen Energiemarkt vor. Nun wissen wir, wie es im letzten Jahr tatsächlich um Angebot und Nachfrage bei Öl und anderen Energieträgern stand. Was für eine ernüchternde Statistik. Sie belegt den gewaltigen Einbruch der Förderung in Libyen und den äquivalenten Ausgleich durch Saudi Arabien. Das war das bedeutendste Ölereignis in 2011. Entsprechend heftig bewegte es den Preis. Seine Überhöhung betrug im Moment der größten Unsicherheit 15 Prozent. Unter den weiteren Produzenten gab es hinsichtlich der Mengenbilanz mehr Gewinner als Verlierer. Die Arabischen Emirate, Kuwait, der Irak, die USA, Kanada, Katar, Russland und Kolumbien steigerten ihre Förderung jeweils um mehr als einhunderttausend Barrel pro Tag. Größte Verlierer waren Großbritannien, Angola und Aserbaidschan. In Summe wuchs die Weltproduktion um mehr als eine Million Barrel pro Tag. Die Nachfrage legte lediglich halb so stark zu. Wegen dieses unerwarteten Missverhältnisses sind die Anbieter aus preislicher Sicht heute allesamt Verlierer, denn der Markt steuert auf die 2010er Preise zu.

Auffällig ist die regionale Ballung der Produktionssteigerung in und um Saudi Arabien. Dort wurde das große Plus erarbeitet. Die USA und Kanada legten zwar bemerkenswert stark zu. Gemessen an den Wüstenstaaten sind ihre Mengen aber klein. Für uns Verbraucher ist nicht die geografische Lage der Staaten von Bedeutung, sondern die Tatsache, dass die starken unter ihnen in der OPEC organisiert sind. Dort ist derzeit eine Blockbildung zu beobachten. Es gibt eine Gruppe moderat agierender Länder um Saudi Arabien, die den aktuellen Preisverfall im Kontext einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung als kleineres Übel begrüßt. Eine andere Gruppe, die heute die Förderstärke von Saudi Arabien zusammenbringt, hält dagegen. Sie will höhere Preise sehen. Dieser Gruppe gehören Iran, Irak, Venezuela und Algerien an. Ihr zukünftiges Förderpotenzial ist größer als das von Saudi Arabien.

Nicht zuletzt wegen des Ölpotenzials, wird sich die westliche Welt mit dem Iran und seinen Atomplänen arrangieren müssen. Zusammen mit den OPEC-Verbündeten verfügt die „Iran-Gruppe“ über mehr als die Hälfte der nachgewiesenen OPEC-Ölreserven. Sie sind dreimal so groß wie die der USA und Kanadas zusammen oder siebenmal so groß wie die Russlands. Ihr Anteil am globalen förderbaren Öl beträgt 36 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist die Sorge vor einer militärischen Lösung des Atomstreits mit dem Iran verständlich. Sie würde den Ölpreisen gewaltigen Auftrieb geben.

Während wir uns naturgemäß hauptsächlich mit den Ölzahlen beschäftigen, müssen wir beim Studium der BP-Daten einen für die Erde dramatischeren Umstand beklagen. Er wird deutlich, wenn man das Nachfragewachstum aller wesentlichen Energieträger auflistet. Beim Öl betrug es im letzten Jahr 0,7 Prozent. Der Gasverbrauch wuchs um 2,2 Prozent. Der Kohleverbrauch explodierte um 5,4 Prozent. Die Zahlen sind kein Einzelfall. Sie folgen einer lange andauernden Kontinuität. Und sie erklären, wo der Hund beim Klimaschutz begraben liegt. Das Wachstum des Kohlekonsums ist die Hauptursache. Kohle dient in erster Linie der Verstromung. Gerade die schnell wachsenden Industrienationen benötigen diesen Energieträger für ihre Entwicklung und entwickeln ihn in atemberaubendem Tempo. Der Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung geht zwar ebenfalls rasant voran. Gemessen an der fossilen Erzeugung ist er weltweit aber verschwindend gering. Derzeit bezieht die Welt 33 Prozent ihrer Energie aus Öl, 30 Prozent aus Kohle, 24 Prozent aus Gas, 6 Prozent aus Wasserkraft, 5 Prozent aus Atom und 2 Prozent aus Erneuerbaren.

Für den Ölpreis gilt der Eingangssatz selbstverständlich nicht. Für ihn heißt es, das Kasino bleibt geöffnet. Man spielt um Wirtschaftsdaten, Währungskurse, politisch gedungene Geldverschiebung und reines Öl. Aktuell wird die Sache sehr technisch betrieben. Das heißt, dass sich die Akteure an den von ihnen selbst erzeugten Preisbewegungen ergötzen. Die zeigen einerseits einen intakten Abwärtstrend der Ölpreise, andererseits eine Situation, die nach einer kurzfristigen Gegenbewegung zum Abgang ruft. An einer solchen versuchten sich die Akteure gestern mit mäßigem Erfolg. Sie werden es wieder tun. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 837,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 79,22 Dollar und in London zu 91,28 Dollar gehandelt. Der US-Dolllar kostet 79,89 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen zu. Sie wurden gestern von den Ölnotierungen und vom Dollar aufwärts geschickt. Zudem kommt Auftrieb aus weiten Teilen des Binnenmarkts, weil die Nachfrage recht hoch ist und Mengen mindestens im Süden knapp sind. Die weiteren Aussichten für die Heizölpreise sehen wir moderat freundlich. Der Abgang sollte sich nach kurzer Pause fortsetzen. Gegenanzeige hierzu kommt ausschließlich aus der Politik in Form nicht endender Finanzhilfen für die Finanzwirtschaft und militärischer Drohgebärden gegen den Iran wegen seines Atomprogramms. Wer diese Unsicherheiten und die darin lauernden Gefahren für die Heizölpreise ertragen kann, sollte auf tiefere Preise spekulieren. Wem das nicht gefällt, raten wir, sich nun mit Heizöl einzudecken. Die Belieferung wird länger dauern als gewohnt, weil der Handel ausgelastet ist. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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