Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Erster Preisschub gelaufen

Der Aufwärtstrend hat sich mit einem Paukenschlag zurückgemeldet. Nach der Überreaktion vom Mittwoch kam es gestern zu einer leichten Entspannung. Die Rohölpreise gaben nach guten US-Vorratsdaten nach. Die Gasöl- und Heizölpreise legten nur geringfügig zu. Sie gelten in den kommenden Wochen und Monaten als Motor der Preisbewegung. Auf Sicht weniger Tage ist etwas Entspannung zu erwarten. Der Dollar gab gestern nach. Nach dem fulminanten Anstieg ist nun ebenfalls eine Gegenreaktion fällig.

Die Händler waren gestern in erster Linie an den US-Bestandsdaten interessiert. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten folgende Zahlen vor:

Rohöl: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe beträgt der Aufbau 3,4 (DOE) bzw. 0,9 (API) Mio. Barrel. Die Rohöllager stehen weiterhin sensationell hoch. Die Benzinlager sind ordentlich gefüllt. Die Heizöl- und Diesellager liegen ungefähr auf Niveau der Vorjahre. Auf Grund der stark steigenden Nachfrage nach Diesel reicht das den auf den kommenden Winter blickenden Spekulanten nicht. Sie handeln eine Vernachlässigung der Heizöl- und Dieselproduktion zu Gunsten der Benzinherstellung. In Zahlen findet man diese Einschätzung nicht wieder. Sowohl Heizöl als auch Benzin werden etwas mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres produziert. Allerdings bleibt die Steigerung hinter dem Verbrauchszuwachs zurück. Die Raffinerieverfügbarkeit ist aktuell gut. Die Importzahlen sind unter Vorjahresniveau.

Ob aus der Momentaufnahme ein besorgniserregendes Bild für die Versorgung mit Ölprodukten hergeleitet werden kann, bleibt dem jeweiligen Interpreter überlassen. Die Marktteilnehmer insgesamt haben sich jedenfalls dafür entschieden. Das zeigt die Preisentwicklung. Es bleibt der Eindruck nicht aus, dass viele dieser Marktteilnehmer nicht primär die Versorgungsdaten beobachten, sondern dem Preistrend folgen. Und der wird wahrscheinlich von wenigen großen Spekulanten dominiert. Die Meute rennt hinterher.

Mit oder ohne reale Gefährdung der Versorgung, das Ergebnis für den Verbraucher ist gleich. Die Preise werden in den kommenden Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen. Weil eben diese Preissteigerung so schwer nachzuvollziehen ist, wird immer wieder von Manipulation gesprochen, Manipulation an den Börsen. Selbst die Bundesregierung bedient sich in ihrer Wortwahl bisweilen des mediengängigen Begriffs, der den Skandal impliziert.

Manipulation wird auch dem deutschen Heizölhandel vorgeworfen. Gestern sorgte die dpa in vielen Tageszeitungen mit einem Artikel über mögliche Betrugsfälle bei Heizöllieferungen für zusätzliche Verunsicherung des Verbrauchers und die Verunglimpfung einer ganzen Branche. Da war von einem Schaden in Höhe von 120 Mio. Euro die Rede. Bei einem Gesamtumsatz von 12 Mrd. Euro entspricht das 1%. Von 600 kontrollierten Messanlagen an Tankwagen waren 1,5% oder 9 Einzelanlagen betrugsverdächtig manipuliert. Die Zahlen passen nicht zusammen. dpa sollte erklären, wie es möglich ist, dass 1,5% der Fahrzeuge für 1% Gesamtschaden verantwortlich sein können. Jedes Betrugsfahrzeug müsste einen Einzelschaden hinterlasen, der unmöglich vor dem Verbraucher versteckt werden könnte.

Wir erlauben uns zu unterstellen, dass es den Schreibern nicht um wirkliche Aufklärung geht, sondern um den Skandal. Der Skandal fällt in die Rubrik Unterhaltung. Aus unterhalterischen Motiven den ohnehin verunsicherten Verbraucher zu irritieren und die unter erheblichem Existenzdruck stehende Heizölbranche zu verunglimpfen, ist kein Qualitätsbeweis für eine Presseagentur. Zum Verständnis, der Heizölhandel pumpt das Öl nicht aus der Erde und mit ganz wenigen Ausnahmen raffiniert er es auch nicht. Er verkauft es lediglich als Endprodukt. Wenn die Preise am Weltmarkt steigen, muss der Handel das Heizöl teurer einkaufen. Da die Marge sich auf Grund wachsender Kaufzurückhaltung der Verbraucher nicht steigern lässt, sinkt die Umsatzrendite. In vielen Fällen ist das so dramatisch, dass die Unternehmen Pleite gehen.

Bezüglich des Umgangs mit betrügerischer Manipulation der Tankwagen merken wir Folgendes an: Die Zahlen von Polizei und Eichämtern zeigen, dass diese entgegen der Diktion einzelner Journalisten gering sind. Die große Mehrheit der Händler kämpft um Ehrlichkeit. Ein solide wirtschaftender Händler wäre der größte Leidtragende, wenn ein Betrug in seinem Unternehmen entdeckt werden würde. Dem Unternehmen drohte das Aus. Dennoch, wo Menschen miteinander verkehren, gibt es Betrüger. Zum Glück ist das in unserer Gesellschaft die absolute Minderheit. Der Versuch, dieser Minderheit durch Güteerklärungen, Selbstverpflichtungen u.a.m. Herr zu werden ist absurd. Das haben uns viele Fälle aus Politik und Wirtschaft gezeigt. Ehrlichkeit lässt sich nicht als Plakette tragen. Ehrlichkeit muss gelebt werden. Als Verbraucher haben Sie im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, sich zu schützen. Rüsten Sie sich mit Messanlagen auf und kontrollieren Sie alles, was kontrollierbar ist. Es kommt Sie allerdings teuer. Oder nutzen Sie die Statistik. Wechseln Sie bisweilen den Händler. 1,5 von 100 Tankwagen seien manipuliert. Da ist es höchst unwahrscheinlich, dass Sie zweimal in Folge einem Betrugsfahrzeug aufsitzen. Übrigens, der statistische Schaden beläuft sich auf 1%. Allein von Mittwoch auf Donnerstag stiegen die Preise um 5%, wohlgemerkt ohne Betrug.

Heute Morgen steigen die Gasölpreise nicht. Sie halten sich unter der Spitze von gestern bei 483,35$ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise sind heftig gestiegen. Wir rechnen nun mit einer kurzen Phase fallender Preise. Viel wird dabei allerdings nicht herauskommen. Auf Sicht von einem halben Jahr ist mit weiteren Teuerungswellen zu rechnen. Im Herbst wird es vermutlich zu einem Kaufboom kommen. Er wird zusätzliche Preissteigerungen und lange Lieferzeiten verursachen. Es empfiehlt sich, Käufe vor dieser Phase zu tätigen.

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