Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Es ist ein politischer Winter

Es ist kalt diesseits und jenseits des Atlantiks. In den Zeitungen steht, dass Öl deshalb teurer wird. Messbar ist die temperaturbedingte Teuerung nicht. Die Notierungen des relevanten Futures für Gasöl bewegen sich in diesen Tagen seitwärts auf hohem Niveau. Dass sie dieses Niveau erreichten, liegt an der Hoffnung auf steigenden Ölverbrauch. Dabei spielt weniger die Qualität des Winters als die Quantität der Wirtschaft die entscheidende Rolle. Dass die Wirtschaft brummt, hoffen viele Menschen, weil sie ihnen Einkommen ermöglicht. Dass beim Brummen mehr Öl verbraucht als geliefert wird, hoffen Finanzjongleure, weil sie an Knappheit gut verdienen. Dass derartig parasitäre Verdienstmöglichkeiten politische Unterstützung finden, offenbart einen schweren Fehler im System. Es ist nicht der einzige, der in diesen Tagen zu Tage tritt.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Öl fällt der Wirtschaft prinzipiell nicht schwer. Sie ist darauf eingestellt, den Job bei gutem und bei schlechtem Wetter zu verrichten. Sie ist auch darauf eingestellt, dass es im Winter kalt ist und deshalb mehr Heizöl verbraucht wird als zu anderen Jahreszeiten. Wenn die Versorgung seit Einbruch dieses Winters dennoch nicht reibungslos funktioniert, liegt das in den meisten Fällen nicht an der Ölwirtschaft, sondern an der öffentlichen Hand. Die kümmert sich nicht angemessen um die Benutzbarkeit öffentlicher Straßen. Winterdienste stehen nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung. Viele Kommunen reduzierten ihre Dienste in den letzten Jahren drastisch, weil ihnen die Kosten dafür zu hoch sind. Die Beurteilung der Kosten fand vor dem Hintergrund einiger warmer Winter statt. Kalte Winter wurden nicht mehr in Betracht gezogen. Die Folgen der Fehleinschätzung sind umfangreiche Schulausfälle, teure Stillstände von Warenströmen und nervige Unwägbarkeiten der Personenbeförderung.

Es wäre falsch, die für die Straßen zuständigen Betriebsführer der öffentlichen Hand als Deppen der misslichen Lage abzustempeln. Sie sind, wie die meisten betroffenen Menschen, leidtragende einer fehlerhaften Politik. Die trimmt unsere Gesellschaft weiter auf die permanente Optimierung von Gewinn an Hand eines volkswirtschaftlichen Modells, dass spätestens mit der Finanzkrise sein Versagen offenkundig werden ließ. Die Folge ist auf der persönlichen Ebene eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und im öffentlichen Raum der Abbau wesentlicher Strukturfunktionen, zu denen Winterdienste genauso gehören wie Schulen. Die Politik begeht schwere Unterlassungsfehler. Dabei ist die Unterlassung im Hinblick auf die Finanzmärkte eine unter vielen. Die Unterlassung beginnt damit, die Frage „Wie wollen wir eigentlich leben?“ nicht zu stellen und stattdessen der Bevölkerung ein „Weiter wie bisher“ aufzuzwingen. Nicht mal das funktioniert wie bisher. Das wird in diesen Tagen deutlich.

Verbündete im Geiste hat die Politik in weiten Teilen großer Unternehmen. Die Bahn opfert ihre normale Betriebsfähigkeit für Leuchtturmprojekte wie Stuttgart 21. Gespart wird an den früher verwendeten Weichenheizungen. Dieser unspektakulären, aber wirkungsvollen Technik ist der Satz „Alle reden vom Wetter, wir nicht.“ zu verdanken. Heute redet man bei der Bahn bereits über das Wetter, wenn es geringe Abweichungen vom Mittelwert zeigt. Luftfahrtunternehmen sind nicht besser. Dort werden ebenfalls Kosten, die der Beherrschbarkeit eines normalen Winters dienen, gespart. Es mangelt allem Anschein nach am Notwendigsten wie der ausreichenden Bevorratung von Enteisungsmitteln. Verbündete hat die Politik mit großen Unternehmen nicht nur im Geiste. Das Winterreifengesetz ist ein weiteres Beispiel, wie man einer Interessensgruppe einen Dienst erweist. Mit der Reduzierung der Winterdienste bekommt dieses Gesetz die Daseinberechtigung. Die Verschärfung wäre ein Gesetz über die Pflicht zur Nutzung von Allradfahrzeugen im Winter.

Öl wird knapp. Dieses Zauberwort erfreut nicht nur Finanzjongleure. Es erfreut auch die Stromwirtschaft. Die erwies sich als guter Verbündeter der Politik, indem sie eine schillernde Alternative zur ölbasierten Mobilität als Lösung des Dilemmas anbot. Elektromobilität. Ohne Zweifel wird Öl in nicht all zu ferner Zukunft knapp. Das weiß heute jedes Kind. Nicht minder knapp werden aber auch alle anderen Ressourcen, die die modernen Konsumgesellschaften dieser Erde benötigen. Darüber spricht man kaum, weil der Preis für Metalle und andere Ressourcen im Gegensatz zum Ölpreis nicht öffentlich wahrgenommen wird. Die politische, technische, soziale und kulturelle Frage, wie die Gesellschaft verantwortungsvoll an einen geringeren Ressourcenverbrauch herangeführt werden kann, mit der vom hohen Ressourcenumsatz profitierenden Großindustrie zu erörtern, verspricht keine brauchbare Antwort. Sie muss in viel breiterer Interessenaufstellung diskutiert werden. Elektromobilität und Solarwirtschaft erfreuen sich außerordentlich hoher öffentlicher Akzeptanz. Unhinterfragt sind sie probate Zukunftsmodelle. Beide funktionieren allerdings nur mit ständiger Subventionierung. Sie zementieren ein Umverteilungssystem von weniger vermögenden zu vermögenden Bevölkerungsgruppen. Stoffströme und Kosten der angebotenen Lösungen werden einer nachhaltigen Wirtschaft nicht gerecht. Es gibt Lösungswege, denen wir heute bereits viel näher sind, als den politisch propagierten. Dazu gehören spritsparende Fahrzeuge, die dem Namen gerecht werden, stromsparende Geräte und Naturstromangebote aus dem europäischen Ausland.

Die Ölpreise bewegen sich auch heute Morgen weiter seitwärts. Langfristig werden sie steigen. Kurzfristig werden sie wahrscheinlich wenig Veränderung zeigen. Für den Dollar ist die Lage schwieriger einschätzbar. Aktuell tendiert der ebenfalls seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 761,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 89,64 Dollar und in London 92,92 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,03 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise haben ein neues Jahreshoch erreicht. Gestern lag das an einer konzertierten Aktion von Öl- und Dollarnotierungen. Zweimal wenig Zunahme schlägt doch spürbar zu Buche. Die Tendenz der Preise wird sich in der nächsten Zeit kaum ändern. Im kommenden Jahr wird der Preisanstieg für den Fall, dass die Wirtschaftsentwicklung keinen Dämpfer erleidet, vermutlich etwas schneller voranschreiten. Alles wird in unabsehbarer Zukunft auf einen erneuten Finanzcrash hinauslaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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