Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Freie Fahrt für freie Preise

Der Hurrikan Gustav verlief nicht so schlimm wie befürchtet. Nach dem Landfall in Louisiana verlor er seine Kraft. Ölanlagen wurden dem Vernehmen nach nicht zerstört. Als Folge des Katrina-Desasters vor drei Jahren wurde ihr Schutz verbessert, offensichtlich mit Erfolg. Vereinzelte Schließungen können wieder aufgehoben werden. Störungen für die Versorgungskette werden nicht erwartet. Mit der Entspannungsmeldung sank der Ölpreis. Erwartungsgemäß kam es zum Start einer neuen Abwärtswelle. Die Tiefpreise aus dem August sind bereits unterschritten. Der Trend weist erneut abwärts. Die Rohölnotierungen nehmen Kurs auf die 100-Dollar-Marke. Die US-Währung zeigt relative Stärke. Sie hat den 2008er Absturz egalisiert. Ihr Aufwärtstrend bekommt eine zweite Luft.

Der Druck auf die Preise resultiert in erster Linie aus dem deutlichen Nachfragerückgang in den USA. Im Juni wurde mehr Rohöl eingespart als die Niederlande oder Indonesien verbrauchen. Aber nicht nur in den USA wird weniger Öl verbraucht. Sinkender Bedarf wird für sämtliche OECD-Länder gemeldet. Mittlerweile sind sich Volkswirte nicht mehr sicher, ob der Nachfragerückgang durch den wachsenden Bedarfs Chinas mehr als ausgeglichen wird. Denn auch dort scheint sich die Wirtschaft unter den Erwartungen zu entwickeln. Der zwar schnelle aber gemessen an der Bedarfsentwicklung dennoch zu langsame Ausbau einer effizienten Energieversorgung bremst die Gesamtentwicklung. Energieunternehmen fühlen sich zwischen steigenden Weltmarktpreisen und staatlich begrenzten Verkaufspreisen eingeklemmt und in ihrem Fortkommen behindert. Freie Verkaufspreise würden Investitionen in die Infrastruktur zwar beschleunigen. Sie würden aber die Inflation weiter anfachen. Die Handlungsmöglichkeiten der chinesischen Regierung sind sehr begrenzt. Wenn die Wirtschaftsentwicklung nicht einknicken sollte, wird die hohe Nachfrage nach Dieselkraftstoff für Stromaggregate noch einige Zeit erhalten bleiben. Sie hatte in den letzten Jahren die Dieselpreissteigerung wesentlich unterstützt.

Wie weit die Preise fallen, hängt aktuell von der globalen Wirtschaftsentwicklung ab. Ein weiterer nennenswerter Einflussfaktor ist die Bereitschaft der OPEC, die derzeit gute Versorgung aufrecht zu halten. Die Kartellstaaten haben ihren Ausstoß in den letzten Monaten kontinuierlich gesteigert. Mit 30,5 Mio. Barrel pro Tag produzierten sie im August rund eine Mio. Barrel mehr als quotiert. Die Mengen des Iraks, der keiner Quotenregelung unterliegt, sind dabei nicht eingerechnet. Der Irak liefert aktuell 2,1 Mio. Barrel pro Tag. In den nächsten Wochen wird eine mögliche Liefereinschränkung durch die OPEC wieder heiß diskutiert werden. Diese Diskussion wird bremsend auf den Ölpreisrückgang wirken. Andere Einflussfaktoren wie der Atomkonflikt mit dem Iran und der Kaukasuskonflikt werden die Preisbildung kaum berühren.

Längerfristig wird die Angebotsentwicklung erneut auf die Agenda kommen. Sie verläuft bei Beibehaltung der heute üblichen Verbrauchsstruktur unbefriedigend. Hierfür muss man den Ölgesellschaften eine erhebliche Mitverantwortung geben, weil sie sträflich wenig in ihre zukünftige Versorgungsfähigkeit investieren. Gemessen am Umsatz sind die Forschungsaufwendungen der größten Ölmultis skandalös gering. Bei Exxon belaufen sie sich auf 0,1 Prozent und bei Shell auf 0,3 Prozent. In der Autoindustrie sind Werte von vier bis fünf Prozent üblich. Wirklich innovative Unternehmen investieren im zweistelligen Bereich in ihre Zukunft.

Mineralölgesellschaften verweisen gerne auf ihre mangelhaften Investitionsmöglichkeiten, weil sie kaum noch Zugang zu den Lagerstätten haben. Die befinden sich zu über 80 Prozent in der Hand staatlicher Gesellschaften. Diese Ausrede zeugt von Ideenlosigkeit. Denn es ist kein Naturgesetz, dass sich Ölversorger nur um die Angebotsseite kümmern. Gerade weil Zugänge zu Ölgebieten verschlossen sind, macht es Sinn, sich als Versorger mit neuen Techniken der Nachfrageseite zu beschäftigen. Anstatt sich aus dem Endverbrauchermarkt für Wärme zurückzuziehen, weil der dort mögliche Gewinn nicht dem eigenen Anspruch gerecht wird, könnte man diesen mit Modernisierungsangeboten zu einer lukrativen Einnahmequelle entwickeln. Gleiches gilt für den Mobilitätssektor. Auch dort könnte man mit der enormen Finanzkraft, über die Ölgesellschaften verfügen, Neuheiten entwickeln, zu denen die Autoindustrie nicht bereit ist. Das Wissen über das, was Menschen zukünftig wollen, erschließt sich Shell mit seinen Sozialstudien laufend. Darin steht der Wunsch, den reinen Konsumismus zu Gunsten einer sozial ausgewogenen und umweltgerechteren Lebensweise aufzugeben. Nur Konsequenzen ziehen Shell und die anderen kapitalstarken Unternehmen nicht aus ihrem Wissen. Sie verdingen sich lieber als Spekulanten an den Ölmärkten. Dabei schlagen sie die bekannten Verdächtigen, Banken und Fonds, um Längen. Es ist bekannt, dass sich die Spekulanten in den letzten Wochen aus dem Markt zurückzogen. Weniger bekannt ist, dass es sich bei dem Rückzug fast ausschließlich um die Engagements der Ölgesellschaften handelte. Banken und Fonds haben ihre Engagements hingegen kaum reduziert. Das Platzen der Spekulationsblase ist eine Folge des Rückzugs spekulativen Kapitals von Ölgesellschaften.

Heute Morgen geht das Platzen weiter. Die Ölpreise fallen. Die Tonne Gasöl kostet 987,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 108,58 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben nach. Wegen des steigenden Dollars ist ein Abwärtstrend deutlich schwerer zu realisieren als bei den Weltmarktpreisen. Aber die Möglichkeit dazu scheint nicht mehr verbaut zu sein. Man sollte sich allerdings hüten, zu große Ansprüche an einen weiteren Preisrückgang zu stellen. Mit der Annäherung an die 100-Dollar-Marke für Rohöl stehen Spekulanten Gewähr bei Fuß, um die Bewegung zu drehen. Und das kann schnell gehen. Langfristig bleibt die Reduzierung des eigenen Verbrauchs die wichtigste Voraussetzung für begrenzte Heizölkosten. Unsere Hilfe dazu finden Sie hier: esytrol

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