Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Griechenland bewegt

Kaum zu glauben, dass die Ölpreise etwas mit Griechenland zu tun haben sollen. Öl ist der weltweit wichtigste Energieträger. Alle großen Industrienationen haben in ihrer Entwicklung eine intensive Ölphase durchlebt. Nur wenige haben diese Phase bereits überwunden. Griechenland ist aus globaler Sicht eine relativ unbedeutende Wirtschaftsnation. Es trägt vier Promille zur Wirtschaftsleistung bei. Innerhalb der EU beträgt der Leistungsbeitrag gut zwei Prozent. Selbst diese Zahl lässt nicht vermuten, dass Griechenland den Ölpreis bewegen kann. Aber es kann.

Zum einen ist da die, wie nun deutlich wurde, schlecht konstruierte Einbindung in die Eurozone. Das kleine Griechenland bewegt das große Europa. Und Europa kann den Ölpreis bewegen. Zum anderen sind da griechische Schulden, die innerhalb der Bankenlandschaft alles andere als Peanuts sind. Wenn die ausfallen, tritt ein Fall ein, der schwerwiegender ist als die Lehman-Pleite. Die Folgen werden es auch sein. Nach Lehman fiel der Ölpreis um 75 Prozent. Wenn Griechenland wackelt, haben die Ölpreise also ausreichend Grund ebenfalls zu wackeln. Der am letzten Wochenende als Rettung der Eurozone eingefädelte Eingriff der Politik stellt eine erneute Rettung des Finanzsystems dar. Dass eine solche Rettung als Stütze der Ölpreise wirkt, liegt auf der Hand. Bevor nun irgendjemand daran denkt auszuflippen, weil die Politik abermals der zutiefst in Missgunst geratenen Finanzindustrie unter die Arme greift, sollte er Folgendes zur Kenntnis nehmen: Der größte deutsche Gläubiger Griechenlands ist die HypoRealEstate. Sie wurde verstaatlicht. Der zweitgrößte deutsche Gläubiger Griechenlands ist die Commerzbank. Sie wurde teilverstaatlicht. Etwaige Kreditausfälle betreffen hierzulande also in erster Linie den Staat und nicht private Banken. So kann es gehen, wenn sich Politik statt auf das Schreiben von Regeln auf das Praktizieren von Finanzgeschäften einlässt. Mit dem Regelsetzen tut sich unsere Politik immer noch schwer. Außer Ankündigungen geschieht hier gar nichts. Der unregulierte Markt wird nach wie vor als heiliger Gral betrachtet. Diesbezüglich ist man in den USA offensiver und pragmatischer. Wenn der heilige Gral Gift versprüht, muss er zum Schutz der Bürger gekapselt werden.

Da Griechenland keinesfalls gerettet ist, kommt die Finanzszene nicht zur Ruhe. Sie wurde lediglich beruhigt. Die Beruhigung wirkte auch auf den Ölpreis. Der stieg nach der zweifelhaften Großtat europäischer Politiker. Mittlerweile wachsen wieder Zweifel an der Nachhaltigkeit der Rettung. Der Ölpreis gerät erneut unter Druck. Der Dollar steigt weiter. In Bankkreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass eine Staatspleite Griechenlands abzuwenden ist. Die Frage ist nur, wie sanft sie vollziehbar sein wird. Angesichts dieser Meinung, verliert der Ölpreis sein Aufwärtspotenzial. Crashpotenzial gewinnt er allerdings nicht hinzu. Das verhindert das staatliche Versprechen, im Notfall mit 750 Mrd. Euro einzuspringen.

Die Zusammenhänge machen erneut deutlich, wie sehr der Ölpreis durch spekulative Umtriebe der Finanzindustrie getrieben wird. Während die Finanzwelt aufgescheucht ist, fließen die globalen Ölströme unbeeindruckt weiter. Das Angebot übersteigt die Nachfrage. Verbrauchern ist der Begriff Mangel derzeit fremd. Iran wird sein Öl nicht mehr los, weil dem als unsicher geltenden Land die Kunden abspringen. Die Bevorratung auf See in für den Transport ungenutzten Tankern wächst wieder. Die USA verfügen über die höchsten Bestände seit über 20 Jahren. Sie sind in der letzten Woche abermals leicht gestiegen. Die beiden berichtenden Instanzen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten hierzu folgende Zahlen vor:

Rohöl: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,5 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,4 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind kaum verändert zur Vorwoche und zum Vorjahr. Die US-Raffinerieauslastung ist auf 88 Prozent gesunken.

Mit der Ruhe am physischen Ölmarkt könnte es zumindest in der westlichen Welt bald vorbei sein. Die Vorgänge um die von der BP zu verantwortende Katastrophe im Golf von Mexiko lassen längerfristig drastische Maßnahmen erwarten. Genau wie Banken müssen Ölkonzerne damit rechnen, in den USA durch staatliche Eingriffe gemaßregelt zu werden. Noch hat das, was in einer ungewissen Zukunft zu erwarten ist, keine Auswirkung auf die Preisbildung. Das kann sich ändern. Ob es in seiner Wirkung die zu erwartenden Eingriffe in das Finanzsystem übertreffen wird, darf allerdings bezweifelt werden. Derzeit ist es kaum vorstellbar, dass der Ölpreis in absehbarer Zeit zu einem Maß für seinen realwirtschaftlichen Wert zurückfinden wird. Er wird noch sehr lange Spielobjekt im großen Finanzcasino bleiben.

Heute Morgen verharren die Preise auf tiefer gelegtem Niveau. Die kurzfristigen Trends weisen abwärts. Mit Ausnahme von US-Rohöl (WTI) scheinen die Preise aber einen Boden gefunden zu haben. Diese Annahme wankt. Unter Führung von WTI droht ihnen weiterer Abgang. Die Tonne Gasöl kostet 670,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 73,81 Dollar und in London 79,74 Dollar. Die mittlerweile aufgelaufene Differenz der beiden Sorten, die umgekehrt zu ihrer Qualität steht, ist bemerkenswert. Sie kann als Zeichen der Übersättigung des Markts verstanden werden. Der US-Dollar kostet 79,69 Eurocent.

Unsere Heizölpreise gaben leicht nach. Auf Grund der gegenläufigen Wirkung von Ölpreis- und Dollarentwicklung ist die Bewegung gering. Die Preisentwicklung wird maßgeblich durch die Einschätzung der Finanzszene zur drohenden Staatspleite Griechenlands beeinflusst. Wie die ausfallen wird, ist vollkommen offen. Deshalb ist jede Preisprognose reinste Spekulation. Zudem ist sie von Tagesstimmungen abhängig. Heute neigen wir eher zur Erwartung tieferer Heizölpreise. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen