Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Griechenland schaukelt den Ölpreis

Man mag sich nicht daran gewöhnen, dass der Ölpreis kaum etwas mit dem Ölmarkt zu tun haben soll. Diese Feststellung klingt abwegig und krank. Aber nicht die Feststellung ist krank, die Umstände sind es. Das wurde im Laufe der Woche am Beispiel der drohenden Staatspleite Griechenlands deutlich. Das Geschehene zeigt den engen Zusammenhang zwischen Ölpreisbildung und Finanzmarktzustand. Jede politische Regung wurde umgehend im Ölpreis abgebildet. Dahinter verbergen sich Hoffnung und Zweifel der Finanzindustrie zu neuen Geldzuflüssen aus noch nicht vollends geplünderten Staatskassen. Man konnte getrost auf gesprochene oder gedruckte Nachrichten verzichten. Ein Blick auf den Tickchart (Aktualisierung im Minutentakt) der Ölpreise reichte, um den Stand zum Thema zu erfassen. Die letzte Regung gab es gestern, als die Preise nach Verkündung der EU-Position rasant einbrachen. Die Botschaft lautete, es wird kein Geld für Griechenland ausgegeben. Im Laufe des späten Nachmittags erholten sich die Preise wieder. Im Kern sagt die Botschaft nämlich, wenn alle Stricke reißen, gibt es doch Geld. Nun wird auf reißende Stricke spekuliert. Das ist sicher nicht der letzte Stand der Dinge. Fortsetzung folgt. Die hier abgebildeten Charts spiegeln den kompletten Sachverhalt nicht wider, da sie nur Tagesendpreise enthalten. Für ein Urteil zu einem anstehenden Heizölkauf ist das vollkommen ausreichend. Mehr Informationen wirken eher verwirrend.

Der Ölpreis folgt dem Liquiditätspegelstand der Finanzindustrie. Der ist noch recht gut. Drohende Pleiten lassen aber erahnen, dass er bald sinken wird. Dieser Umstand zeigt sich seit Mitte Januar. Öl befindet sich in einem klaren Abwärtstrend. Nach einer kurzen Gegenbewegung zum Monatswechsel setzte sich der Trend fort. Aktuell gibt es eine erneute Gegenbewegung. Sie resultiert aus der oben beschriebenen Hoffnung. Unabhängig von der endgültigen Entscheidung zum Thema Finanzhilfe für Griechenland lässt sich heute schon sagen, dass das Problem überbordende Schulden ein lang anhaltendes bis dauerhaftes sein wird. Das Finanzsystem ist ruiniert. Das, was als Erfolg insbesondere im Vergleich zum 1929er Crash gefeiert wird, ist ein Trugschluss. Für die westliche Welt gibt es derzeit kein Modell, das als tragfähiges Ende der Krise Bestand hätte. Ein solches Modell müsste den weiter wachsenden Schulden Perspektiven gegenüberstellen, die die realistische Chance haben, durch vollkommen neue Wirtschaftsaussichten rasante Wertsteigerungen zu erzielen, die als Gegenposition zu den Schulden akzeptiert werden. Heute kennt man nur die Wertsteigerung aus Finanztransaktionen, die diese Möglichkeit bieten. Sie stellen ein Subsystem zum gesamten Wirtschaftssystem dar, das das Gros der Bevölkerung nicht teilhaben lässt. Bei der Suche nach dem Wachstumsmodell haben wir Grenzen zu beachten, die frühere Generationen nicht kannten, die Grenzen des für die Erde erträglichen Wachstums.

Für die Schwellenländer sieht die Lage anders aus. Bei ihnen gelten unsere alten Wachstumsmodelle. An ihnen versuchen Exportnationen wie Deutschland teilzuhaben. Die Krux ist, dass auch dort Grenzen der Aufnahmefähigkeit unserer Erde überschritten werden. Aber welcher westliche Bürger ist willens oder hat das Recht, das anzuklagen, angesichts der Tatsache, dass dort unsere letzten Wirtschaftsaussichten liegen und dass wir selbst die individuellen Grenzen längst überschritten haben. So werden wir noch einige Zeit weiterwursteln und dabei die wachsende Schuldenlast spüren. Das, was uns als staatliche Wohlfahrt so lieb geworden ist, kann nur sinken. Das betrifft in erster Linie Bildung und Soziales. Dass die Finanzindustrie in dieser Zeit nachhaltig Liquidität heben wird, darf bezweifelt werden. Das wird dann immerhin dämpfend auf den Ölpreis wirken. Um nicht mit dieser unfreundlichen Perspektive zu enden, ist es höchste Zeit, einen breiten Diskurs über die zukünftige Aufstellung unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft zu führen. Dabei sind die Ideen am willkommensten, die heute besonders abwegig klingen. Denn sie sind es, die etwas vollkommen Neues kreieren können.

Der anscheinend in Vergessenheit zu geratene Ölmarkt hat noch ein paar nennenswerte, für die Preisbildung allerdings unerhebliche Aspekte zu bieten. Die US-Bestandsdaten kommen wegen der extremen Wetterbedingungen in den USA erst heute Nachmittag heraus. Wir werden am Montag auf sie Bezug nehmen. Die IEA (Internationale Energie Agentur) hat in ihrem Monatsbericht die Weltölnachfrage für das laufende Jahr leicht auf ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr angehoben. Der Mehrbedarf wird ausschließlich in den Schwellenländern generiert. Die OECD-Bestände sind im Dezember um rund zwei Prozent gefallen. Das ist als bullischer Aspekt zu werten. Wenn die Finanzindustrie den erwünschten politischen Impuls des Liquiditätseinschusses bekommt, kann dieser Wirkung zeigen.

Heute Morgen taumeln die Ölpreise etwas abwärts. Eine Tendenz lässt sich daraus nicht ableiten. Weder der Abwärtstrend selbst noch die Gegenreaktion hierzu zeigen Dominanz. Die Tonne Gasöl kostet 592,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,92 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,24 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie haben die Preisspitze der letzten Woche wieder erreicht. Der Dollar trägt dazu mit einem stabilen Aufwärtstrend bei. Die Aussichten auf sinkende Heizölpreise sind schlechter geworden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie längerfristig steigen werden, ist momentan allerdings eher gering. Deshalb gehen wir von einer Seitwärtsbewegung aus, die durchaus Chancen für günstige Käufe bringen kann. Man muss aber mit kleinen Preisrückgängen zufrieden sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir das kostenlose www.esytrol.com.

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