Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Höhere Vorräte und höhere Preise

Es sieht nach einem Widerspruch aus. Die Lagervorräte in den USA sind trotz der Venezuela-Krise in der vergangenen Woche gestiegen (siehe Charts Lagerbestände). Diese unerwartet positive Nachricht wurde mit weiteren Preisanstiegen quittiert.

Die USA haben als Reaktion auf die ausbleibenden Mengen aus Venezuela offensichtlich schnell gehandelt und sich sowohl Rohöl als auch raffinierte Produkte andernorts beschafft. Dadurch erklärt sich der unerwartete Aufbau der Vorräte. Damit lässt sich aber auch ein weiterer Preisanstieg erklären. Es sieht so aus, als zahlte man derzeit fast jeden Preis, um in den Besitz von Öl zu kommen. Möglicherweise gibt es Parallelen zum Markt im Jahr 1979.

Damals wurde der Schah im Iran gestürzt. Streikende Anhänger der Schiiten legten die Ölproduktion des Landes lahm. Nachdem die industrialisierte Welt bereits 1973 durch den Einsatz der Ölwaffe in erhebliche Schwierigkeiten geraten war, breitete sich schnell die Sorge aus, dass sich Ähnliches wiederholen könnte. Man befürchtete, dass das Ausbleiben des iranischen Öls erst der Anfang sei. Ein religiös motivierter Flächenbrand könnte ausbrechen und weitere Ölproduzenten in die Machtsphäre von radikalen Moslems führen. Das hätte erheblich höhere Ausfälle zur Folge. Um nicht ohne Öl dazustehen, kauften die Ölgesellschaften weltweit Öl ein. Und das zu jedem Preis.

Saudi Arabien und andere große Produzenten reagierten umgehend mit erheblichen Steigerungen ihrer Liefermengen. Sie konnten die Ausfälle in wenigen Wochen ersetzen. Bald stiegen sogar die Vorräte wieder. Sie erreichten nach einigen Monaten Höchststände. Aber die Ölgesellschaften ließen sich davon nicht beeinflussen. Die Furcht, dass sie irgendwann auf dem Trocknen sitzen könnten, war so groß, dass sie immer noch kauften. Die Preise stiegen weiter auf die bisher höchsten Höhen der Nachkriegszeit (gemeint ist der 2. Weltkrieg). Sie reagierten erst mit langer Verzögerung auf die logischerweise aufgebaute Ölschwemme. Nun implodierten sie.

Venezuela und der drohende Krieg im Irak bilden eine ähnliche Gemengelage wie damals. Plötzlich fällt ein großer Produzent aus. Weitere Ungemach droht durch einen Krieg, dessen Folgen nach wie vor kaum abschätzbar sind. Mit etwas Sinn für Geschichte ist das der Stoff aus dem Preisanstiege gemacht sind. Das genug Öl verfügbar ist, um eine echte Versorgungskrise zu vermeiden, ist in solchen Momenten irrelevant.

Zurück zum aktuellen Markt: Der Gasölpreis macht heute Morgen das, was wir von ihm erwarten. Er steigt. Die Tonne kostet nun bereits 279,50$. Es ist höchste Zeit für eine technisch gedingte Gegenreaktion. Aber es fehlt noch ein triftiger Grund.

Unser Heizölpreis zieht mit. Er jagt von einem Hoch zum nächsten. Was soll man in dieser Situation raten? Kaufen Sie nur, wenn bei Ihnen nichts mehr geht. Und kaufen Sie nur für etwa drei Monate ein. Wir gehen davon aus, dass der Spuk nach Beginn des Krieges im Irak abflauen wird.

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