Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heilsame Krise

Die Preise gaben am Freitag weiter nach. Die spekulative Übertreibung als Folge des Hurrikans ist beseitigt. Die spekulativ hochgetriebenen Preise als Folge einer allgemeinen Knappheit an Ölprodukten besteht fort. Ihr Ende ist nicht in Sicht. Der Dollar gewinnt im Schlepptau des Yen weiter an Wert gegenüber dem Euro. Heute wird der vom japanischen Volk getragene Reformwille als Grund genannt.

Der Chef der IEA (Internationale Energie Agentur) benutzte in den ersten Tagen nach dem Hurrikan Katrina das Wort Energiekrise und stachelte die Preisbildung damit an. Kaum jemand sollte die Lage besser einschätzen können als dieser Claude Mandil. Und doch wachsen Zweifel, ob der Begriff angebracht ist.

Der Sturm hat zu einem Ausfall von ca. 2,5% der Weltproduktion an Rohöl und Produkten geführt. Ein Teil der Ausfälle ist bereits beseitigt. Der größte Teil der Ausfälle soll bis Ende des Monats überwunden sein. Einige Einrichtungen zur Ölförderung werden für immer verloren sein. Das ist nicht schlimm, da die Welt mit Rohöl überversorgt ist. Zudem geht die Erhöhung der Förderkapazitäten gut voran. Allein die OPEC will ihren Ausstoß noch in diesem Monat um 2 Mio. Barrel pro Tag steigern. Aus Russland wurde ebenfalls eine Erhöhung der Produktion gemeldet. Problematisch ist derzeit die Verarbeitung des Rohöl. Die hinzukommenden Mengen lassen sich nicht ohne weiteres in den existierenden Anlagen raffinieren. Sie sind zu schwer und zu schwefelhaltig. Daher werden u.a. im Nahen Osten neue Raffinerien gebaut, die die Öle verarbeiten können.

Der temporäre Ausfall von 2,5% trifft nicht nur auf eine gute Rohölversorgung. Die Bevorratung mit Heizöl ist ebenfalls ordentlich. Ein ernsthaftes Versorgungsproblem ist heute nicht in Sicht. Lediglich die Benzinversorgung wird überstrapaziert. In den USA gibt es Verknappungstendenzen. Wirklich ausgehen wird das Benzin nicht. Dazu sind 2,5% nicht ausreichend. Die IEA nennt einen Ausfall von 7% erst grenzwertig. Die Produktenpreise stiegen indes wirklich krisenhaft in die Höhe. Insbesondere beim Benzin trifft das die Volksseelen hart. Das ist hierzulande erstaunlich, da eine Erhöhung der Weltmarktpreise grundsätzlich weniger stark in den Benzinpreis eingeht als in den Heizöl- und als Folge in den Gaspreis. Dass die Preise krisenhaft stiegen ist in diesem Fall aber weniger Katastrophe als Chance. Selten wurde der Ruf nach Energieeinsparung so schnell laut wie in den letzten Wochen. Selbst die größten Verschwender der Welt, die USA-Autofahrer, sollen dem Vernehmen nach über ihre Einstellung zum Thema nachdenken. Wenn dieses Nachdenken Konsequenzen hätte, wäre die vermeintliche Energiekrise und die krisenhafte Preisentwicklung ein Erfolg.

Es besteht kein Zweifel, dass sich die kurzzeitig fehlenden 2,5% Benzin durch einfachste Maßnahmen des Verbrauchsverhaltens einsparen lassen. Ob es der Mengen aus den strategischen Reserven überhaupt bedarf, ist fraglich. Dennoch war die teilweise Freigabe dieser Reserven hilfreich für das ?Runterholen? der Preise. Wirklich zukunftsweisend ist die Aussicht nicht nur 2,5% einzusparen sondern 25% und mehr. Das ist technisch kein Problem. Es muss vom Verbraucher nur gefordert werden.

Ähnlich sieht die Lage bei der Raumwärme aus. Auch hier sind große Einsparungen möglich. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern an den Universitäten in Dresden und Stuttgart kann am Bestand der Altbauten in Deutschland bis zu 80% Energie eingespart werden. Als Modernisierungsmaßnahmen werden Heizkesselerneuerung, Wärmedämmung, Fenstererneuerung und Regelungseinrichtungen angegeben. Einsparen ist nicht allein ein deutsches Thema. Anderswo auf der Welt ist das Potenzial noch größer. Es liegt in Verbraucherhand, in den Markt regelnd einzugreifen.

Spekulanten hätten keine Freude daran, auf steigende Ölpreise zu setzen, wenn Verbraucher weltweit die neue Sparsamkeit entdeckten. Sie würden in dem Fall eher auf fallende Kurse setzen, was dann eben diese Bewegung beschleunigte.

Momentan sind die Aussichten auf steigende Preise weiter hoch, da die verbrauchergetriebene Energiewende noch einige Zeit zum Durchbruch benötigt. Bis es soweit ist, hat die Endzeitstimmung an den Börsen Konjunktur. Die jüngsten Zahlen der IEA lassen aber doch einen kurzfristigen Abwärtstrend als möglich erscheinen. Die kurzfristige Rohölnachfrage der USA sinkt, der OPEC-Ausstoß steigt, der Nachfrageanstieg der Welt, der USA und Chinas sind geringer als früher prognostiziert, und die sturmgeschädigten Einrichtungen im Golf von Mexiko kommen schneller in Betrieb als befürchtet.

Heute Morgen liegt der Gasölpreis bei mittlerweile moderaten 591,50$ pro Tonne. Auch das ist ein Zeichen, dass Katrina überwunden ist.

Unsere Heizölpreise geben nach. Nach wie vor bleibt der langfristige Aufwärtstrend das dominante Grundmuster der Preisbewegung. Die Chance für eine kurzfristige Entspannung und den Umständen entsprechend gute Kaufmomente beurteilen wir positiv. Zeit wäre es nach mehreren Monaten kräftigen Preisanstiegs allemal für eine Gegenreaktion. Wir raten aber zur Vorsicht vor Überspekulation und dem Verpassen eines kurzen Preistiefs.

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