Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Finanzszene vom Glauben verlassen

Internationaler Markt

Warum konnten die Ölnotierungen in der zweiten Aprilhälfte trotz des üppigen Angebots und der schwachen Nachfrage einen imposanten Anstieg hinlegen? Weil sehr viel lockeres Geld in den Sektor floss. Das allein ist keine befriedigende Erklärung. Das werden sich in diesen Tagen sogar Finanzjongleure sagen. Weil sie an bessere Zeiten glaubten. Diese Aussage ist zwar alles andere als inhaltsschwer. Mehr Bedeutung sollte man dem Vorgang aber nicht beimessen. Wissensgetrieben war er definitiv nicht. Und nun hat er eine deftige Delle bekommen. Gestern stürzten die Notierungen ordentlich ab, weil der Finanzszene der Glaube abhanden kam. Dafür sorgten eine Serie schlechter Konjunkturdaten und jede Menge Öl.

Aus Saudi Arabien wurde die Aussage in den Ring geworfen, dass das Land seine Ölproduktion bis 2020 erheblich erweitern werde. Gleiches war vor Kurzem aus dem Irak und aus Venezuela zu hören. Die USA verkünden dergleichen nicht nur, sie handeln bereits. Noch vor wenigen Jahren waren sogar aus Produzentenkreisen Äußerungen über das Ende des Öls gang und gäbe. Nun überbieten sich alle mit ihren Lieferfähigkeiten. Die sind größtenteils ungelegte Eier. Entsprechende Fakten gibt es aber schon heute in Form der US-Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die berichtenden Institutionen, präsentierten für die abgelaufene Woche den größten Rohölvorrat seit beginnt der Aufzeichnungen im Jahre 1982. Ihre Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +7,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,7 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt weiterhin 84 Prozent. Der Wert ist zwar schwach. Schwach ist aber auch die Benzinnachfrage. Und so hat derzeit niemand einen Zweifel daran, dass genug Produkte gekocht werden, zumal einige Raffinieren in Kürze aus dem Wartungszyklus zurückkehren werden.

Bemerkenswert sind das viele Öl und die Konjunkturdaten eigentlich nicht. Beides passt in den Kontext der jüngeren Entwicklung. Bemerkenswert ist eher der Glaube, dass sich die Konjunktur bessern solle und das Öl im Begriff stehe, knapp zu werden. Dieser Glaube folgt der Tatsache, dass mit dem vielen Geld, das seit Jahren gedruckt wird, Wirtschaftswachstum erzeugt werden kann. Die FED ist dem Vernehmen nach sogar bereit, noch mehr Geld in den Markt zu pumpen. Aktuell sind es 85 Mrd. Dollar pro Monat. Es gibt nicht viele Spieler, die kreditwürdig genug sind, um ihnen dieses Geld für realwirtschaftliche Zwecke anzuvertrauen. Die Ölwirtschaft ist so ein Spieler. Sie nutzt es zum Aufbau neuer Fördergründe und Anlagen. Dass dabei temporär ein Überangebot entsteht, liegt auf der Hand. Dass dieses Überangebot zu niedriger Preisen führt, ist ebenfalls naheliegend. Der Rest des vielen Geldes bleibt im Kreise der Finanzwirtschaft stecken. Es dient der puren Zockerei. Den Konsumenten gibt man es nicht, weil sie keine Sicherheit bieten, das ist die Lehre der Subprime-Krise, und weil es die Produktivität unterminieren würde, das ist die Lehre aus dem Euro-Desaster unserer Südländer. Diese Länder bekamen über Jahre zu billiges Geld, das ihre Ökonomien verdarb.

Als Finanzjongleur hat man es heutzutage nicht mehr gut. Das Wissen um die Zusammenhänge ist niederschmetternd. Der Glaube beschert einem auch keinen sicheren Erfolg. Heute Morgen bemüht sich die Szene um Gelassenheit. Die Notierungen bewegen sich kaum. Der Trend sieht für Verbraucher aber besser aus als für die Finanzszene. Die Tonne Gasöl kostet 827,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 90,77 Dollar und in London zu 99,75 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,02 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise haben die Spur des Abwärtstrends wieder aufgenommen. Sie folgen damit den Börsennotierungen. Der Dollar spielte gestern keine nennenswerte Rolle für die Preisbildung. Der Binnenmarkt hat noch regionale Preisüberhöhungen zu bieten, die aus dem Bestell-Tsunami im April stammen. Diese werden aktuell vom globalen Preisrückgang übertüncht. Die Aussichten für Verbraucher sind wieder gut. Heute und in naher Zukunft rechne ich mit sinkenden Preisen. Aktuell kostet Heizöl erneut weniger als vor einem und vor zwei Jahren. Es bietet also schon jetzt eine Kaufgelegenheit. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
Einige kleine Infrastrukturstörungen
China wächst weiterhin
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandszahlen
Schwache Konjunkturdaten aus den USA und China
US- und Nordseeförderungen steigen
Sehr viel Öl am Markt
EIA- und OPEC-Monatsberichte prognostizieren schwache Nachfrage
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen