Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Internationaler Markt

Ölpreise steigen, wenn es zu wenig Öl gibt. Da Öl seit einigen Tagen unverkennbar teurer wird, muss ein Mangel bestehen oder erwartet werden. Ölpapiere mit langer Laufzeit sind billiger als Ölpapiere mit zeitnaher Fälligkeit. Das legt die Vermutung nahe, dass der Mangel aktuell besteht. Weltweit wird man keinen Raffineriebetreiber finden, der in diesen Tagen über fehlendes Rohöl klagt. Er klagt allenfalls über zu geringe Margen für seine Produkte. Angesichts des Widerspruchs liegt die in der Überschrift aufgeworfene Frage auf der Hand. Sie geht auf den Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick zurück und bringt die Fähigkeit sozialer Strukturen auf den Punkt, sich jedwede Wirklichkeit gedanklich zu konstruieren. Die Welt ist so, wie eine Bezugsgruppe sie mit ihrer Konstruktion beschreibt. Wenn diese Gruppe hohes Einflussvermögen hat, werden Menschen außerhalb der Bezugsgruppe der Beschreibung folgen.

Wir folgen der Finanzwelt. Die arbeitet sich beim Öl gerade an möglichen Lieferstörungen in der Region um den eskalierenden Syrienkonflikt ab. Aus Sicht eines Beobachters der globalen Ölströme ist das ein lächerliches Unterfangen. Konstruktivistisch betrachtet ist es eine einflussreiche Wirklichkeit. Ein Ölmanager in Nordamerika sieht eine andere Wirklichkeit. Er arbeitet daran, Massen von Öl aus Schiefer- und Sandformationen vom Produktionsort weg- und zu den Verbrauchern hinzutransportieren. Aus seiner Sicht lässt der Bau der benötigten Pipelines viel zu lange auf sich warten. Abhilfe schafft die Eisenbahn. Sie karrt das Rohöl seit einiger Zeit mit zweieinhalb Kilometer langen Zügen durchs Land und peilt mit ihren Monstern eine Transportkapazität an, die 40 Prozent des bestehenden Pipelinenetzes entspricht.

Da die Ölproduktion in den kommenden Jahren weiter wachsen soll, bleibt der Druck hoch, zusätzliche Pipelines zu bauen. Die Last der Entscheidung liegt beim Präsidenten. Er sieht sich zwischen den Fronten von Wachstumsfetischisten, für die hoher Ressourcenverbrauch und Massenkonsum die amerikanische Bestimmung darstellen, und Umweltschützern, deren Wirklichkeit die verheerende Folge des Klimawandels ist. Während die einen die USA auf den einstmals erfolgreichen Weg zurückführen wollen und dazu vom Präsidenten nicht nur Pipelines, sondern auch die Exporterlaubnis für Öl und Gas verlangen, fordern die anderen eine grundlegende Kehrtwende mit einem umweltverträglicheren Gesellschaftsmodell. Das neue Öl ist für sie der Inbegriff der Zerstörungsbereitschaft, da es deutlich mehr CO2 emittiert als das einst leicht zu fördernde Rohöl.

Die Wirklichkeit der Finanzjongleure ist das Geldsystem. Ohne das ist für sie kein menschliches Sein denkbar. Wem die eingangs gestellte Frage nach der Wirklichkeit fremd ist, mag dieses System für göttlich halten. Die Mehrheit der Menschen wird es als von Menschen konstruiert ansehen. Insofern ist es ein beliebig veränderbares Instrumentarium, dem es nicht gebührt, Leitsystem zu sein. Anders verhält es sich mit der Umwelt. Dass sie in unserer Vorstellung konstruiert ist, kann zwar nicht in Gänze ausgeschlossen werden, gleichwohl erscheint den meisten Menschen allein der Gedanke daran als abwegig. Insofern ist es schwierig zu begreifen, warum das Geld- und Finanzsystem mehr Einfluss auf den menschlichen Lebensalltag ausüben kann als die Umweltthematik.

Die Logik des Geldsystems stellt Verbraucher bei der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse, Wärme ist so ein Grundbedürfnis, nach bisher gängigem Muster im Laufe der Zeit tendenziell schlechter. Der Ausweg aus dieser Logik besteht darin, am Geld- und Finanzsystem oder am gängigen Verbrauchsmuster zu rütteln. Kurzfristig könnte die Logik durchbrochen werden, weil Finanzjongleure selbst an ihrer Logik des ewigen Wachstums scheitern. Die Unsicherheit sitzt tief. Ein Sturz der Börsen ist jederzeit möglich. Nach einem Sturz ist momentan die erneute Reparatur des Bestehenden zu erwarten. Das in den letzten Jahren erlebte Auf und Ab der Kurse und Preise ist weiterhin die wahrscheinlichste aller Entwicklungen. Heute Morgen ist die Fortsetzung der jüngeren Preisbewegung Realität. Die Tonne Gasöl kostet 862,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 95,45 Dollar und in London zu 104,85 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,46 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise werden von den Börsen weiter aufwärts getrieben. Gestern waren Öl- und Dollarnotierungen an der Preisbildung beteiligt. Der Binnenmarkt ist auf bestem Weg, in den Normalmodus zurückkehren. Die Preisüberhöhungen aufgrund des Kauf-Tsunamis im April sind weitgehend abgebaut. Die weiteren Aussichten sind äußerst unsicher. Ich setze nach wie vor darauf, dass die Finanzszene das hohe Ölangebot bald wieder einpreisen wird. Dann würden die Heizölpreise erneut nachgeben. Der kurzfristige Abwärtstrend ist durch die Preissteigerung der letzten Tage beschädigt. Der mittelfristige Abwärtstrend ist intakt. Heizöl ist nach wie vor deutlich günstiger als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: EZB macht Geld locker
FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
Einige kleine Infrastrukturstörungen
China wächst weiterhin
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US- und Nordseeförderungen steigen
Saudi Arabien will Förderkapazitäten ausbauen
Sehr viel Öl am Markt
IEA-, EIA- und OPEC-Monatsberichte prognostizieren schwache Nachfrage
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl

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