Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Heizöl muss billiger werden

Die Angst vor steigenden Ölpreisen hat derzeit den Rang einer Neurose. Nichts deutet darauf hin, dass die Gefahr real besteht. Da die Preise an Börsen gemacht werden, also an Institutionen, in denen Neurosen Teil des Programms sind, ist selbst auf die Realität kein Verlass. Real ist auf alle Fälle, dass die weltweiten Konjunkturaussichten lausig sind. Ganze Märkte brechen zusammen. Nach dem US-Häusermarkt erwischt es den Automarkt. Serien von Konjunkturdaten durchschlagen ihre neutralen Linien. Rezession, ein in neoliberaler Praxis als besiegt geltendes Wirtschaftssiechtum, bedroht den industrialisierten Menschen. Selbst im Boomland China gilt die Konjunktur als angeschlagen. Dort gibt es bei einer Wachstumsrate von neun Prozent keinen Grund, über eine Rezession zu sinnieren. Hierzulande wird die Zahl als purer Luxus bewundert. Aber Neun ist zu wenig für die Sicherung des sozialen Friedens. China braucht zweistelliges Wachstum. Die weltweiten Wirtschaftsprognosen entziehen dem Ölmarkt jäh den Nimbus von Knappheit. In einem überschaubaren Planungshorizont wird mehr als genug Öl zur Verfügung stehen. Das ist die aktuelle Konsensmeinung. Sie drückt den Ölpreis immer weiter abwärts. Der Trend zeigt sich äußerst stabil. Selbst die unterlegte Wellenbewegung der Preise ist vergleichsweise glatt. Die Gegenposition zum Ölpreis, der Dollar, wartet ebenfalls mit einem stabilen Trend auf. Der ist natürlich aufwärts gerichtet. Seine Wellenbewegung ist deutlich stärker ausgeprägt. In der Währung spiegeln sich nun mehr als im Öl temporäre Hoffnungen und Schocks.

Die OPEC hat allen Grund, gegen den Verfall der Ölpreise zu Felde zu rücken. Eine erste Kürzung von 1,5 Mio. Barrel pro Tag steht in diesem Monat zum Vollzug an. Weitere Kürzungsbeschlüsse werden folgen. Dass sie befolgt werden, darf bezweifelt werden. Denn, da das Öl weniger kostet, versuchen die vom Verkauf abhängigen Staaten ihre Einnahmen tendenziell mit höheren Verkaufsmengen aufzubessern. Vermutlich wird man beobachten können, dass die vehementesten Vertreter von Kürzungsforderungen, das sind Venezuela und der Iran, zum Nichtbefolgen von Beschlüssen neigen. Mit dem sinkenden Ölpreis sinkt in diesen Ländern die politische Macht.

Der Iran konnte sein Atomprogramm in den letzten Jahren rigoros gegen alle internationalen Bedenken mit dem Verweis auf den eigenen Ölpreishebel durchsetzen. Das Land verfügt über die zweithöchsten Reserven konventionellen Öls weltweit. Auf Grund des hohen Ölpreises konnte die Staatsführung alle Sanktionsbemühungen kontern und eine aggressive Politik betreiben, die die Führerschaft im Nahen Osten zum Ziel hat. Der Ölpreishebel funktioniert nun nicht mehr. Dem Land droht ein untragbares Defizit. Stabiler wird die Lage im Nahen Osten damit nicht. Denn angeschlagene Regime bergen die Gefahr, irrational zu handeln.

Der hohe Ölpreis erlaubte Hugo Chavez, dem selbsternannten Retter der sozialistischen Idee, in Venezuela den Sozialismus des 21. Jahrhunderts zu etablieren. Seine Freundschaftspolitik beglückte ähnlich denkende Nachbarländer mit billigem Öl. Die hehren sozialen Ziele kosten dem Staat viel Geld. Das fließt nur ausreichend, wenn der Ölpreis über 60 Dollar pro Barrel beträgt. Dieser Preis ist mittlerweile deutlich unterschritten. Denn venezuelanisches Öl ist minderwertig und wird mit einem erheblichen Abschlag zu Brent oder Texasöl gehandelt. Das Wohlergehen des Volks und die Politik von Hugo Chavez sind damit in Frage gestellt.

Aber auch außerhalb der OPEC werden Machtkonstellationen neu gewichtet. Russland bezieht seine neue Stärke ebenfalls aus dem hohen Ölpreis. Das Land hat sich eine gewisse Sicherheit durch einen Stabilitätsfond verschafft, der aktuell rund 190 Mrd. US-Dollar schwer ist. Um diesen zu halten, wird ein Ölpreis von 70 Dollar pro Barrel benötigt. Der wird wahrscheinlich für längere Zeit unterschritten werden. Aber bereits bevor die 70-Dollar-Marke unterschritten wurde, mussten Banken und Industrieunternehmen mit Mitteln des Fonds gestützt werden. Die russische Aktienbörse gehört zu den am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen weltweit. Die dringend nötige Modernisierung der Wirtschaft wird bei einem niedrigen Ölpreis nicht vonstatten gehen können. Das wird das neue russische Selbstverständnis dämpfen.

In nicht all zu ferner Zukunft wird der jetzt reichlich fließende und weniger reichlich nachgefragte Ölstrom abnehmen. Ursächlich hierfür wird die natürliche Erschöpfung der Quellen sein. Starke, alte Bohrlöcher leiden nach Schätzung der IEA (Internationale Energie Agentur) unter einer Reduktionsrate von über neun Prozent. Um dieser einen Ausgleich entgegen zu stellen, bedarf es enormer finanzieller Mittel für die Erschließung neuer Felder. Diese Mittel wurden bereits zu Hochpreiszeiten nicht ausreichend zur Verfügung gestellt. In einer Niedrigpreisphase sind sie definitiv nicht vorhanden. Daher ist auf Sicht von mehreren Jahren wieder mit deutlich höheren Ölpreisen zu rechnen. Dagegen sollten sich Verbraucher schützen, indem sie ihren Wärmehaushalt effizienter gestalten. Als Unterstützung für das Angehen, was wohl überlegt und ohne Eile betrieben werden sollte, gibt es das Internettool esytrol.com.

Heute Morgen sind jedwede Gedanken an höhere Ölpreise fehl am Platz. Die Tonne Gasöl hat sich auf 633 Dollar verbilligt. Das Barrel Rohöl kostet in New York 62,76 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen dem Weltmarkt in gehörigem Abstand. Noch zeigt die margenbedingte Überhöhung der Preise keine Anzeichen von Auflösung. Industrie und Handel werden nach wie vor hoch ausgelastet. Langsam sinken aber immerhin die Lieferzeiten. Damit rückt ein Sinken der Margen in das Denkbare. Wir gehen davon aus, dass bis Januar eine Normalisierung zu erwarten ist. Dann sollten die Preise günstiger sein als heute. Eine verbriefte Preisaussage kann das auf Grund der immer währenden Börsenunsicherheit natürlich nicht sein.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen