Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Abwärtstrends noch einmal gerettet

Internationaler Markt

Gefühlt steigt die Bereitschaft, geopolitische Konflikte mit Gewalt zu lösen, in der medial abgebildeten Welt. Das trifft auf den arabischen Frühling zu, der mittlerweile zu einem Herbst verkommen ist. Das trifft auf die Ukraine zu, der ein Bürgerkrieg droht. In Teilen Asiens, Afrikas und Südamerikas ist es ohnehin ein lange währender Fakt. Statistiken sprechen allerdings eine andere Sprache. So sanken die weltweiten Militärausgaben in den letzten zwei Jahren. Und hierzulande lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung jedwede militärische Eskalation in der gegenwärtigen Ost-West-Krise ab.

Grundsätzlich liegt in jedem geopolitischen Konflikt ein bullisches Momentum für den Ölmarkt. Es wird kaum spürbar, soweit kein Ölproduzent involviert ist. Wenn Länder wie Russland, Saudi Arabien, Iran, Irak, Libyen, Venezuela und einige ihrer Nachbarn im Spiel sind, tritt preisliche Dynamik zu Tage. Aktuell wird diese von Libyen befeuert. Was seit Monaten zu erahnen war, entwickelt sich nun zur Realität. Das Land steuert auf einen Bürgerkrieg zu. Der militärische Konflikt ist mittlerweile offen ausgebrochen. Die Interessenlage ist so vielfältig, dass der Zerfall des Staates in von War Lords regierte Einzelregionen unausweichlich scheint. Sämtliche Hoffnungen der letzten Wochen auf eine Verbesserung der Ölexporte werden in diesen Tagen begraben.

Die Ukraine ist kein Ölproduzent. Aber an der Ukraine zerren zwei der mächtigsten Ölproduzenten der Welt, Russland und die USA. Sie führen ein Theaterstück auf, bei dem es um globale Dominanz geht. Bei diesem Stück darf die EU als größte Wirtschaftsmacht der Welt nicht fehlen. Da der offene militärische Konflikt unter den Teilnehmern nicht mehr zeitgemäß ist, auch wenn Medien täglich etwas anderes suggerieren, kommen Wirtschaftswaffen zum Einsatz. Öl und Gas sind dabei ganz starke Geschütze. Sie bewegen die Real- und die Finanzwirtschaft und damit die Ölpreise.

Der Ukraine droht ein ähnliches Schicksal wie Jugoslawien oder Libyen. Das spielt für die Dominatoren derzeit keine Rolle. Sie wollen ihre jeweiligen Inszenierungen durchbringen, ein Referendum hier, eine Präsidentschaftswahl dort. Es ist allen Beteiligten bekannt, dass weder das eine noch das andere zu einer Verbesserung der ukrainischen Lebensbedingungen beitragen kann. Vermutlich wird die nicht ohne eine friedliche militärische Intervention der „Schutzmächte“ zu haben sein. Ich kann an einer Annexion der Ostukraine im Stil der Krim-Annexion unter Abwägung der Auswirkungen für das Völkerrecht und das Menschenrecht nichts erkennen, was den westlichen Zorn begründen würde. Derartige Annexionen müssen schließlich weder anerkannt noch von Dauer sein. Sie können aber temporär dem Frieden dienen.

Der Ruf einiger östlicher EU-Staaten nach einem starken Zeichen der NATO als Warnung gegen russisches Hegemonialstreben verschärft allenfalls die martialische Komponente der Kommunikation und Meinungsbildung. Sie ist mit Blick auf die jüngere Geschichte allerdings absurd. Das zeigt das Beispiel Finnlands. Der Nicht-NATO-Staat fernab jedweder gemeinschaftlichen Verteidigungsmöglichkeit wäre für Russland schon lange eine leichte Beute. Weder hat der „russische Bär“ bisher zugebissen noch scheinen die Finnen von Angst vor einem Zugriff zerfressen zu sein.

Wir erleben eine Zeit, in der wirtschaftlicher Wohlstand alle anderen Interessen übertrifft. Die daraus resultierenden Exzesse sind allemal kritikwürdig. Angesichts eines leichtfertig heraufbeschworenen militärischen Konflikts zwischen Ost und West ist das Leitmotiv Wohlstand aber die beste politische Maxime, deren Anwendung allen Konfliktparteien zugestanden werden muss. Sanktionen haben das Gegenteil von Wohlstand zum Ziel. Insofern können sie nur destabilisierend wirken, im Ost-West-Konflikt und hinsichtlich der sozialen Schere in den Staaten. Die Teuerung der Energiepreise sorgt hierzulande bereits für spürbare Spannungen. Sie würden durch weiterreichende Sanktionen gegen Russland wachsen.

Es steckt derzeit viel bullisches Potenzial im Ölmarkt. Dem steht allerdings ein in diesen Tagen wenig beachtetes bärisches Potenzial gegenüber, die wachsende Ölproduktion der USA. Sie übertrifft alle Erwartungen. In diesem Jahr wird sie im Bereich eines Vierteljahrhunderthochs liegen. Nächstes Jahr soll sogar die Dimension der späten 1970er Jahre wiedererlangt werden. Die höchste Ölproduktion hatten die USA 1970.

Gestern hatten die Bullen Pause an den Ölbörsen. Die Notierungen kamen zurück. Heute Morgen ist noch nicht zu erkennen, ob sich die Herde erholen wird und ihren aufsteigenden Lauf wieder aufnimmt. Die Tonne Gasöl kostet 910,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,72 Dollar und in London zu 109,45 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3699 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Dadurch werden die kurz- und mittelfristigen Abwärtstrends bestätigt. Die Vorgaben für den Abgang kamen von den Ölnotierungen. Der Binnenmarkt ist extrem ruhig. Ein paar Rabatte in den Preisen können das Kaufinteresse nicht stimulieren. Unser Heizölkauf-Barometer steht ganz unten. Das Tiefpreis-System gibt den Kunden, die nur auf gute Kaufmomente anspringen, Recht. Ein solcher Moment liegt nicht vor. Unsere Leser sind aber wieder etwas optimistischer, dass sich so ein Moment erneut entwickeln kann. Wir sind diesbezüglich zunehmend besorgt. Die politische Lage ist aus unserer Sicht wirklich bedenklich. Wer Heizöl benötigt, sollte trotz der nicht optimalen Preise ordern. Im Dreijahresvergleich ist Heizöl immer noch günstig. Spekulationswillige Kunden müssen sich des Risikos ihrer Einstellung bewusst sein. Die große Politik arbeitet derzeit klar gegen sie. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen rutscht immer tiefer in die Krise
Libysche Ölindustrie kommt nicht auf die Beine
Ukraine rutscht immer tiefer in die Krise
EU dreht an Sanktionsschraube
Atomverhandlungen mit dem Iran laufen unbefriedigend

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Moskau gibt Signale der Entspannung im Ukrainekonflikt
Ölnachfrage in Prognosen etwas reduziert
Mehr Öl aus der Nordsee im Juni
Rezessionsgefahr in Russland

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