Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Aufwärts wie erwartet

Internationaler Markt

Das Mandat der EZB besteht in der Wahrung des Euros. Mit ihrem Handeln bewirkt sie das Gegenteil. Hierzulande löst das Unverständnis, Angst und Wut aus. Sie zwingt uns, in einem für unser Verständnis von Gemeinwesen relevanten Bereich, das ist unser Geldsystem, Maßnahmen gegen unsere Überzeugung zu akzeptieren. Damit leistet sie nicht nur dem Euro einen Bärendienst, sondern auch dem europäischen Gedanken. Nun könnte man argumentieren, dass es den Südländern der Eurozone über Jahre ähnlich ging. Auch sie wurden dazu gezwungen, gegen ihre Überzeugungen zu leben. In Griechenland ist das aufgrund der massiven Einflussnahme in der Tat der Fall. Bei allen anderen Ländern lässt sich darüber trefflich streiten. Im Fall Italiens, der stärksten Volkswirtschaft südlich der Alpen, schlugen sämtliche Versuche externer Einflussnahme fehl. Dort geht man definitiv den italienischen Weg. Daran wird sich nun auch nichts ändern. Im Gegenteil, die EZB bestärkt diesen Weg mit ihren Staatshilfen.

Den Menschen in diesen Ländern geht es dabei nicht gut. Sie leiden unter Arbeits- und Perspektivlosigkeit. An der sind aber weder der europäische Gedanke noch Deutschland Schuld, sondern einzig die jeweiligen internen Strukturen. Die Statthalter der EU leben sehr gut mit den bestehenden Verhältnissen. Sie mehren ihren persönlichen Reichtum, im Süden mehr als im Norden. Es gibt keine Zeichen am Horizont, dass sich das ändern wird. Die EZB zeigte gestern einmal mehr, dass sie sich nicht den Menschen der Gemeinschaft verpflichtet sieht, sondern ihren Statthaltern und Wohlständigen. Sie hütet nicht die gemeinsame Währung, sondern den Wohlstand weniger. Sie ist ein Europäisches Zentralamt der Begüterten oder, um es kriegsrhetorisch auszudrücken, das Europäische Reichenführungshauptquartier.

Es hat mit seinem gestrigen Befehl an die nationalen Notenbanken Vorhersehbares bewirkt. Der Euro verlor massiv an Wert. Aktien starteten in eine neue Gewinnrunde. Ölkurse bebten. Auch sie zeigten eine Tendenz zur Teuerung. Diese ließ sich aufgrund der Überversorgung aber nicht durchhalten. Die ebenfalls gestern veröffentlichten US-Bestandsdaten unterstreichen die bärische Situation des realen Ölmarkts. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Erhebungen zuständigen Institutionen, gaben den höchsten jemals gemessenen Gesamtbestand zu Protokoll. Im Einzelnen lauten die Zahlen wie folgt:

Rohöl: +10,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 7,4 (DOE) bzw. 6,0 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung sank auf 86 Prozent. Grund für den starken Rückgang von über fünf Prozent sind beginnende Revisionsarbeiten und ungeplante Störungen an den Anlagen.

Heute Morgen ziehen die Ölnotierungen an. Das ist eine Reaktion auf den Tod des saudischen Königs Abdullah. Man geht zwar nicht davon aus, dass sein Nachfolger eine andere Ölpolitik betreiben wird. Die Restunsicherheit wirkt gleichwohl leicht bullisch. Der Dollar dümpelt nach dem gestrigen Aufwärtssprung um gut zwei Prozent vor sich hin. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 483,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 47,26 Dollar und in London zu 49,59 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8822 Euro . Damit kostet der Euro 1,1336 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen einen deutlichen Teuerungssprung. Die EZB und der Tod des saudischen Königs treiben sie an. Den Trend mussten wir erneut anpassen. Er verliert nach und nach seine Stärke. Abwärts als Richtung gilt aber noch. Die mittlerweile stärkste Teuerungsphase im 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz macht ein Ende der Abwärtsbewegung denkbar.

Im Binnenmarkt bekommt das Kaufinteresse aus eben diesem Grund erneut einen Schub. Weil frühere Aufträge noch geliefert werden müssen, ist der Handel ziemlich hart gefordert. Er kommt mit der Lage recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es aber nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht hier nicht. Um die Lage heute richtig darzustellen, müssten wir Balken hinzufügen.

Von der Hoffnung auf günstigeres Heizöl verabschieden sich nun viele Leser mit einem Kauf. Gleichwohl gibt es noch eine Mehrheit, die auf tiefere Preise setzt. Wer dabei ist, braucht gute Nerven. Die Handelsidee ist nicht vollkommen abwegig. Sie ist aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden. Das verursacht unangenehme Stimmungen.

Die Beobachter unter den Lesern fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es gibt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge könnte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein. Es ist aber Respekt vor dem Wahnsinn der Börsen geboten. Der tiefe Fall der Ölpreise kann starke Gegenreaktionen hervorrufen. Die größte Gefahr, dass die Trends nun irreführend sind, geht aus unserer Sicht aber vom Dollar aus. Dessen Aufstieg ist furchteinflößend.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie auf noch bessere Preise setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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