Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der Abwärtstrend steht noch

Internationaler Markt

Rohölproduzenten sind kaum zu bremsen. Wenn sie nicht durch Krieg und Terror an der Förderung gehindert werden wie in Libyen, pumpen sie auf Teufel komm raus Öl aus der Erde. Raffineriebetreiber sind ähnlich drauf. Sie kochen den mittlerweile billigen Rohstoff so rasant, wie ihre Anlagen das erlauben. Der Markt kann nicht alles davon aufnehmen. Die Preise erodieren. Und trotzdem sei das Geschäft für alle Beteiligten besser als erwartet. Über die Futuresbörsen ließen sich für Kontrakte auf zukünftige Lieferungen noch auskömmliche Preise erzielen. Wenn genügend Tankraum an Land zur Verfügung steht, könnte das stimmen. Aber dieser Raum wird knapp und auf See ist die Lagerung teuer.

Was auskömmlich ist, wird seit einigen Monaten immer wieder neu definiert. Der einfach zu merkende Wert war bis Sommer 2014 noch 80 Dollar pro Barrel. Bei diesem betriebswirtschaftlich festgelegten Preis sollten einige Volkswirtschaften der besonders vom Öl abhängigen Staaten allerdings schon in Schwierigkeiten kommen. Die prominentesten Kandidaten sind Venezuela, Iran, Russland und Saudi Arabien. Als der Preis zerbröselte, galten tiefere Preise plötzlich als auskömmlich. Man errechnete sie, indem man die Investitionen erst kürzte und dann gänzlich entfernte. Die Talfahrt der Preise nahm den bekannten Lauf und die Nachbesserung von „auskömmlich“ ging ins Absurde über. Heute gibt der Iran beispielsweise an, dass seine Ölindustrie sogar mit einem Preis von 25 Dollar pro Barrel problemlos klarkäme. Ähnliche Aussagen machen andere Ölproduzenten. Da fragt man sich, was mit den fast 100 Dollar, die vor Kurzem noch zusätzlich für jedes Barrel gezahlt wurden, geschah. Und man fragt sich, wie eine Ölindustrie, die dieses Geld angeblich für Investitionen braucht, und wie ein Volk, das es angeblich für sein Gemeinwesen benötigt, zukünftig klar kommen wollen. Schließlich kommen Zweifel auf, ob überhaupt eine Zahl, die in der Ölwelt öffentlich kommuniziert wird, stimmt. Über diese Welt hinaus sollen diese Fragen aus gutem Grund lieber nicht ausgeweitet werden.

Die vollkommene Elastizität von Zahlen ist ein Dorado für Finanzjongleure. Sie definieren die Gewinnzahlen immer wieder neu und halten den spekulativen Finanzzirkus damit in Schwung. Um der Willkür ein wenig zu entfliehen, könnte man sich an Produktionswerten festhalten. Die liegen allerdings auch nur als Schätzung für 2014 vor. Laut dem Fachjournal Petroleum Intelligence Weekly sei die Ölförderung tatsächlich kräftig gestiegen, um 3,4 Mio. Barrel pro Tag. Die Nachfrage stieg im gleichen Zeitraum um geschätzte 0,7 Mio. Barrel pro Tag. Andere Quellen geben die aktuelle Überproduktion mit rund 1,5 Mio. Barrel pro Tag an. Selbst Grundschüler stellen fest, dass die Zahlen nicht zusammenpassen. Und dann ist da noch die Nachfrageentwicklung, die an der Konjunkturentwicklung hängen soll. So war es zumindest früher. Der IWF hat die Prognose dazu gerade mal wieder gesenkt. Es ist sinnlos, hier die Numerik ins Spiel zu bringen.

Fazit: Die Zahlen sind unglaubwürdig und irrelevant. Es bleibt dennoch eine Ahnung davon, dass es tatsächlich mehr Öl im Angebot gibt als die Weltwirtschaft benötigt. Insofern ist es plausibel, dass die Ölpreise weiterhin unter Abgabedruck stehen. Diese Situation mag über ein halbes Jahr anhalten. Was danach passiert, steht in den Sternen.

Meute Morgen bricht sich dieser Abgabedruck an den Ölbörsen schon wieder Bahn. Derweil rüttelt an den Devisenbörsen der Dollar-Motor. Er wird steigen. Das scheint eine sichere Wette zu sein. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 470,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 47,18 Dollar und in London zu 48,39 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8635 Euro . Damit kostet der Euro 1,1581 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen nach kurzem Kratzen am oberen Rand des Abwärtstrends Neigung, wieder zu sinken. Dafür spricht die reale Marktlage und dafür sprechen die Ölbörsen momentan. Der Dollar steht allerdings ständig als gegenteiliger Gefahrenherd zur Verfügung.

Im Binnenmarkt ist das Kaufinteresse hoch. Der Handel ist hart gefordert. Er kommt mit der Lage dennoch recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es nun aber nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht hier nicht. Um die Lage heute richtig darzustellen, müssten wir Balken hinzufügen.

Die Hoffnung auf günstigeres Heizöl steht bei unseren Lesern etwas höher im Kurs als gestern. Dennoch wechseln viele Beobachter in diesen Tagen den Status. Sie werden zu Käufern. Diejenigen Leser, die weiterhin auf tiefere Preise spekulieren, brauchen gute Nerven. Ihre Handelsidee ist keineswegs abwegig. Sie wird aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden sein.

Ausdruck findet das beispielsweise in unserem mathematische Tiefpreis-System. Es gibt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und einfach vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist nicht gewiss.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge könnte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein. Es ist aber Respekt vor dem Wahnsinn der Börsen geboten. Der tiefe Fall der Ölpreise führt vermehrt zu starken Gegenreaktionen. Die größte Gefahr, dass die Trends nun irreführend sind, geht aus unserer Sicht aber vom Dollar aus. Dessen Aufstieg ist furchteinflößend.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie nun kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der bisher aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben und über ein gutes Nervenkostüm verfügen, sollten Sie auf noch bessere Preise spekulieren.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen