Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Die Regierung hilft Ihnen nicht

Internationaler Markt

Es ist allerhand liegengeblieben während des Zwangsurlaubs der US-Regierungsmitarbeiter. Nun wird der Berg abgearbeitet. Fehlende Konjunkturdaten, Ölbestandsmeldungen und Börsenaktivitäten werden nachgereicht und schließlich auf den aktuellen Stand gebracht. Für die Ölvorräte soll die Aktualität in dieser Woche wiederhergestellt werden. Die Nachmeldungen sind in unserem Chart eingepflegt. Demnach sieht die Marktlage in den USA vor dem Winter entspannt aus. Die Rohölvorräte liegen auf dem Niveau des Vorjahres. Vermutlich werden sie in den kommenden Wochen sogar steigen. Die Heizölbevorratung ist deutlich höher als vor zwölf Monaten. Gleiches gilt für Benzin.

Ganz so entspannt wie die Lage in den USA wird der Weltmarkt nicht eingeschätzt. Deshalb entwickeln sich die Rohölnotierungen unterschiedlich. Während sie in den USA (Rohölsorte WTI) bereits wieder auf Talfahrt sind, dümpeln sie in Europa (Rohölsorte Brent) leidlich seitwärts, wie dieser Vergleichschart zeigt. Uns käme eine Einigung im Streit um die iranischen Atomanlagen und das daran geknüpfte Ende des Ölboykotts zugute. Spätestens damit sollten die Preise hierzulande ebenfalls nachgeben.

Neben dem immer wieder für Verwirrung sorgenden Angebot, dessen wahres Ausmaß niemand genau kennt, gibt es Bemühungen, die Nachfrage so einzustellen, dass sie auf keinen Fall eine Engpasssituation hervorrufen kann. Im deutschen Wärmemarkt heißt das politische Instrument zu diesem Zweck Energieeinsparverordnung (EnEV). Jüngst wurde eine neue Fassung durch das Bundeskabinett gewinkt. Ein großer Wurf ist das Papier nicht. Es befasst sich mehr mit dem Neu- als mit dem Bestandsbau, obwohl eben dieser Bestand die eigentliche Herausforderung bei der Senkung der Nachfrage und der Umsetzung der Energiewende darstellt.

Die jährliche Neubauquote beträgt 0,5 Prozent, wobei lediglich 0,3 Prozent Abriss und Neubau adressieren. Darüber hinaus gibt es eine Bestandserhöhung um 0,2 Prozent, das sind zusätzliche Energieverwerter, obwohl die Bevölkerungszahl sinkt. Klammert man die historischen Gebäude aus, die in ihrem Charakter durch die Energiewende nicht verändert werden sollten, bleiben über 13 Mio. Häuser (74 Prozent des Bestands), die energetisch saniert werden müssen. Liefe das nur über Abriss und Neubau, würden 233 Jahre vergehen, bis wir einen angemessenen Gebäudebestand hätten. Sich solange auf die üppige Versorgung mit fossilen Brennstoffen zu verlassen, wäre fahrlässig. Sich auf die alternative Erwärmung mit Stromheizungen (z.B. Wärmepumpen) zu stürzen, wird angesichts der rasanten Preissteigerung für Elektrizität unbezahlbar. Die weitere Alternative Biomasse steht nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Um sie in der Breite einsetzen zu können, muss der Gebäudebestand zuvor energetisch in Ordnung gebracht werden.

Die Zahl der zu sanierenden Gebäude ist tatsächlich sogar größer als 13 Mio. Sie hängt vom Verständnis des Worts „historisch“ ab. 2,3 Prozent des deutschen Gebäudebestands ist vor 1860 gebaut. 24 Prozent der Häuser stammen aus der Zeit zwischen 1860 und 1948. Diese Häuser können teilweise sehr wohl durch Neubauten ersetzt werden. Allemal kann das Gros dieser Gruppe energetisch saniert werden.

Die beschlossene EnEV sieht keine ambitionierten Maßnahmen für selbstgenutzte Bestandsimmobilien vor. Hausbesitzer bleiben also weitgehend „unbehelligt“. Damit ist die Verordnung nicht geeignet, Nachfragesenkung und Energiewende mit ausreichendem Elan voranzutreiben. Dieser Umstand ist der Tatsache geschuldet, dass die Regierung weder den Bürgern noch sich selbst die finanziellen Notwendigkeiten zumuten will, die das Vorhaben kostet. Dabei wäre es mit Hilfe des ohnehin stattfindenden Druckens von Geld durchaus möglich. Eine derartig motivierte Geldschöpfung hätte, im Gegensatz zur praktizierten Bankenauspolsterung, reale wirtschaftliche Konsequenzen zum Wohl aller Bürger. In dieser Frage sind ein falsch verstandenes Sparethos oder eine halbherzig betriebene Energiewende zu konstatieren.

Während diese Zeilen entstehen, tanzen die Ölnotierungen wieder einen undefinierbaren Tanz an den Börsen. Vermutlich wird man am Ende des Tages sagen können, außer Spesen nichts gewesen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 942,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,07 Dollar und in London zu 110,05 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,10 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Gleiches gilt für die Börsenvorgaben. Auch der Binnenmarkt ist ruhig. Heizöl ist, außer in den Massenmedien, die sich vom Kalender leiten lassen, kaum ein Thema. Die Preise geben keinen Anlass zu schimpfen. Sie sind deutlich günstiger als im letzten Jahr und sie sind sogar günstiger als im vorletzten Jahr. Derartig entspannte Meldungen sind nach den wilden Jahren der Vergangenheit ungewohnt. Preissteigerungen betreffen nun andere Energieträger. Der Satz „Langfristig kommt es nicht auf die Wahl des Energieträgers, sondern auf die Gestaltung des eigenen Verbrauchs an.“ bewahrheitet sich wieder einmal. Die weiteren Aussichten für die Heizölpreise sind freundlich. Wer die Spekulation auf einen noch günstigeren Kaufmoment wagt, sollte die Entwicklung eng verfolgen. Hierzu empfehlen wir neben dieser Internetseite unsere Smartphone-App .

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
China importierte im September unerwartet viel Öl
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Iran und USA reden über das Atomprogramm
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion

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