Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Ein bisschen günstiger

Internationaler Markt

Die Ölbörse ist eine weltoffene Veranstaltung. Sie kennt mehr als den Ost-West-Konflikt um die Ukraine. Da ist zum Beispiel die US-amerikanische Konjunktur. Einst so etwas wie die Inkarnation finanzindustrieller Voodoo-Rituale lief sie einfach in der Heckwelle des Wall-Street-Zaubers. Heute wird sie mit maßlosen Opfergaben am Leben gehalten. Und dann auch noch das hier: Das US-BIP ist im ersten Quartal um ein Prozent (hochgerechnet auf das Jahr) geschrumpft.

Das ist schlimmer als alle Auguren vorhersagten. Finanzjongleure rund um den Globus sind geschockt. Aber sie haben bereits die beruhigende Erklärung für das Phänomen parat. Die Kälte in den USA. Der Winter war streng und ließ keine reguläre Arbeit zu. Eigentlich sind die USA auf einem guten Weg. Das sagt auch Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank. Ihr Ziel ist es, die ungeheuerlichen Frischgeldopfer von derzeit 45 Mrd. Dollar pro Monat zu beenden. Wenn sie das geschafft hat, plangemäß zum Ende dieses Jahres, wird es noch 15 Jahre dauern, bis die Bilanz ihres Hauses wieder in Ordnung gebracht ist, vorausgesetzt die Wirtschaft läuft in der Zeit unbeschadet. Das klingt wahrlich märchenhaft.

Den Ölbörsen setzte die Nachricht zu, ein klein wenig jedenfalls. Schnell waren Umstände gefunden, die ihre bärische Wirkung weitgehend annullierten. Da ist zum einen die Tatsache, dass Libyen führungslos und von diversen Interessen zerrissen dahinvegetiert. Öl wird von dort fast gar nicht mehr geliefert. Zum anderen lassen die US-Bestandsdaten erahnen, dass der Benzinkonsum steigt und dass es ein Problem mit der eigentlich mehr als komfortablen Rohölversorgung geben könnte. Die exorbitanten Vorräte in den Zentraltanks der USA, in Cushing Oklahoma, wurden in den letzten Monaten in andere Lager gepumpt. Nun droht Cushing seine Funktionsfähigkeit zu verlieren.

Im Einzelnen geben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die US-Bestandserhebung zuständigen Institutionen, folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,3 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,9 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 90 Prozent. Im Gegensatz zur letzten Woche, in der die Produktenvorräte stiegen, argumentiert der Bulle nun so: Die Produktenvorräte fallen, obwohl die Raffinerietätigkeit steigt. Es wird offensichtlich gut konsumiert. Und tatsächlich, eine kleine Nachfragesteigerung wird von Marktbeobachtern bestätigt.

Die Kämpfe in der Ostukraine werden im Börsengeschehen momentan nicht bemüht. Man kann sie aber jederzeit wieder hervorholen. Die Ölnotierungen reagieren gemischt auf die zitierten Umstände. Gasölnotierungen gaben nach, Rohölnotierungen hielten das Niveau. Heute Morgen bewegt sich wenig. Die Tonne Gasöl kostet zur Stunde 902,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,38 Dollar und in London zu 110,06 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3608 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Die Vorgaben hierzu kommen von den Gasölnotierungen. Käufe im Binnenmarkt werden dadurch nicht angeregt. Neben der als ungenügend empfundenen Attraktivität der Preise ist hierfür sicher der Feiertag verantwortlich. Unser Heizölkauf-Barometer steht nach wie vor im roten Bereich. Das mathematische Tiefpreis-System bestätigt die fehlende Stimulanz durch den Preis.

Unsere Leser sind zunehmend optimistisch, dass sich in Kürze bessere Kaufmomente ergeben werden. Wir sind in dieser Frage zurückhaltender. Die charttechnische Konstellation im kurz- und mittelfristigen Chart der Heizölpreise macht deutlich, dass eine Konsolidierungsphase vorliegt. Es ist kein eindeutiger Trend zu erkennen. Die gute Nachricht dabei ist die, dass am Ende einer solchen Phase die Fortsetzung des alten Trends erwartet werden darf. Das wäre der Abwärtstrend.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise besser sind als ihr Ruf. Sie sind tiefer als in den letzten drei Jahren zum gleichen Zeitpunkt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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