Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Fast fünf Jahre Anstieg sind eliminiert

Internationaler Markt

Die letzten Wochen waren für den Ölmarkt außergewöhnlich. Sichtbares Zeichen dafür ist der rasante Preisverfall. Nun, da der Winter in den meisten Nachfrageregionen einen ordentlichen Ölbedarf befördern sollte, müssten extreme Preisbewegungen ein zumindest vorübergehendes Ende finden. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, die Lage wird immer bizarrer. Die Bestandsdaten für die USA verdeutlichen die aktuelle Überversorgung des Ölmarkts. Eine drastische Preissenkung Kuwaits, sie folgt den Rabattaktionen Saudi Arabiens und Iraks, feuert den Ölpreisverfall weiter an.

Die US-Bestandsdaten verlangen keine lange Erklärung. Die hohen Zunahmen in den Lagern sprechen für sich. Ein Fehler in den Erhebungen kann ausgeschlossen werden, da die unabhängig voneinander berichtenden Institutionen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) auf ähnliche Werte kommen. Die Veränderungen zur Vorwoche lauten wie folgt:

Rohöl: +1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +5,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +8,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 15,3 (DOE) bzw. 15,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf starke 95 Prozent. Insgesamt sind die Lager sehr gut gefüllt.

Eine sehr gute Füllung der Vorratslager rechtfertigt allerdings keinen extremen Preisverfall. So bleibt die Frage nach dem plausiblen Hintergrund für die Ereignisse bis heute unbeantwortet. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, das numerisch eher lächerlich wirkt, kann nicht der einzige Grund sein. Ein Blick auf die Langzeitentwicklung der Rohölpreise seit 1970 schürt folgenden Verdacht:

Gute und schlechte Konjunkturperioden entwickeln sich zyklisch. Ihnen geht oft ein extremer Ölpreisanstieg voraus. So folgte dem absoluten Höchstpreis (inflationsbereinigt) 1980 eine mehrjährige Rezession. Eine Rezession stand auch nach der Preisspitze 2008 auf dem Programm. Sie wurde mit unkonventionellen Maßnahmen der Geldpolitik eingedämmt. Dauerhaft verhindert wurde sie bis heute nicht. Über die Funktionalität der geldpolitischen Maßnahmen lässt sich trefflich streiten. Geld ist, anders als Waren und Dienstleistungen, eine reine Größe von Glauben und Vertrauen. Durch massenhaftes Schöpfen von Geld wächst zwar seine Zahl. Das Vertrauen in die Wirtschaft muss aber keineswegs wachsen. Es ist, zumindest in den meisten Industrieländern dieser Erde, morbide geworden. Eine Erneuerung des Vertrauens ist überfällig. Dazu bedarf es der Zerstörung überkommener Gepflogenheiten. Genau das geschieht in einer Rezession. Vielleicht sind die Verwerfungen am Ölmarkt ein Zeichen dafür, dass sich die notwendigerweise anstehende Rezession nun doch Bahn bricht.

Heute Morgen sehen wir an den Ölbörsen einen Hauch von Gegenbewegung zum letzten Preisverfall. Überzeugend als neue Richtung sind die kleinen Kursgewinne nicht. Beim Dollar geht es in die andere Richtung. Dieser Umstand überzeugt uns allenfalls darin, die hoch gelobte US-Wirtschaft skeptisch zu sehen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 583,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 61,36 Dollar und in London zu 64,60 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8025 Euro . Damit kostet der Euro 1,2462 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise markieren das nächste Preistief der letzten viereinhalb Jahre. Dieser Satz wiederholt sich an dieser Stelle nun zum vierten Mal in Folge. Mittlerweile lösen derartige Ereignisse keinen Kaufrausch mehr aus. Heizöl könnte schließlich noch günstiger werden. So geht Deflation. Der Preis ist spitze, aber kaum jemand kauft.

Der Binnenmarkt bleibt dennoch einigermaßen in Schwung. Der Handel benötigt für die eine oder andere Lieferung etwas mehr Zeit als üblich. Das liegt daran, dass im Winter mehr Eilbestellungen auflaufen. Die haben notgedrungen Vorfahrt. Logistisch sind sie Taxi- statt Busfahrten. Das heißt, sie erlauben weniger Transportmenge.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht nur auf einer mittleren Position. Der Glaube an noch günstigeres Heizöl ist so stark, dass die attraktive Preissituation nicht ausreicht, um die Kaufdynamik zu befeuern. Spekulativ eingestellte Kunden sehen die Preise purzeln und wollen mehr davon. Und sie bekommen es. Hinter den Bestellern warten noch viele potenzielle Käufer.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt in allen Regionen Kaufsignale. Damit liegt eine Entscheidungshilfe vor. Sie wird durchaus angenommen. In der kalten Jahreszeit kommen Kunden hinzu, die keine ausgewiesenen Preisbeobachter und Schnäppchenjäger sind. Sie treffen auf einen bemerkenswert günstigen Moment mit wunderbaren Preisen. Glückwunsch.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge sollte das möglich sein. Aktuell erwarten wir allerdings eher eine seitwärts gerichtete Suchphase. Die physische Marktlage sollte erst im Verlauf des neuen Jahres weitere Preistiefs bringen. Die realen Ereignisse strafen uns Lügen. Die Abwärtsdynamik erschlägt die Logik der Marktdaten und produziert Übertreibung.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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