Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Miese These dämpft Erwartung

Internationaler Markt

Der Markt ist ausgezeichnet mit Öl versorgt, genau gesagt mit Rohöl. Um die Heizölverfügbarkeit ist es nicht so gut bestellt. Sie bietet Gesprächsstoff. In den USA sind die gewerblichen Heizöllager in diesem Moment so gering befüllt wie nie zuvor.

Normalerweise steigen die Bestände in den Heizöllagern im November als Vorbereitung auf den Winter an. In diesem Jahr ist davon noch nichts zu sehen. Im Gegenteil, sie fallen. Das muss nicht zwangsläufig eine bullische Nachricht sein. Die öffentlichen Heizölvorräte fallen seit drei Jahren kontinuierlich. Das ist angesichts der sinkenden Ölnachfrage und des sparsameren Umgangs mit Brennstoff plausibel. Unruhe kommt allerdings durch das aktuelle Verbrauchsverhalten in den USA auf. Im September erreichte es ein 13-Monatshoch. Wesentlich war daran der gewachsene Benzinkonsum beteiligt. Finanzjongleure leiten aus der Verhaltensänderung einen vergleichbaren Einfluss auf den Heizölkonsum ab. Wenn dieser auf die reduzierte Planproduktion der Mineralölindustrie treffen sollte, könnte es zu preisrelevanten Engpässen kommen. Diese Sicht auf die Dinge ist nicht abwegig, wenngleich es Alternativen zu der These eines generellen Nachfrageanstiegs gibt. So könnten Heizölkäufe vorgezogen worden sein. Hierzulande ist das tatsächlich der Fall. Da US-Konsumenten in den letzten Jahren eine Europäisierung ihres Verhaltens zeigten, könnte es auch jenseits des Atlantiks so sein.

Das an den Börsen gehandelte Modell sieht anders aus. Dort geht man davon aus, dass das in den USA produzierte Heizöl in den Wintermonaten selbst verbraucht wird. Damit stehen keine Exportmengen für den Weltmarkt zur Verfügung. Europa muss sich demzufolge selbst mit Heizöl versorgen oder es aus Russland beziehen. In beiden Fällen wird auf europäisches Rohöl zugegriffen. Es ist nicht so üppig vorhanden wie US-Rohöl. Demzufolge wird die heimische Sorte Brent teurer. Die stetig steigende US-Förderung liefert mehr Rohöl als die US-Raffinerien derzeit verarbeiten können. Deshalb wird die US-Sorte WTI billiger. In diesem Preischart ist genau das zu erkennen.

Die US-Bestandsdaten dieser Woche bestätigen die von der Finanzszene bevorzugte These. Die Zahlen, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern vorlegen, sind im Charakter ähnlich und somit glaubhaft. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,1 (DOE) bzw. 5,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt weiterhin bei 89 Prozent. Das ist nach Lage der Dinge etwas dürftig. Es liegen einige ungeplante Ausfälle vor. Ein Anstieg der Auslastung ist zu erwarten. Wenn alles gut läuft, fällt er mit einer rückläufigen Nachfrage zusammen, weil der Wintervorrat in den Verbrauchertanks weitgehend gedeckt ist. Wenn es schlecht läuft, kommen die Raffinerien nicht ausreichend in Schwung und ein kalter Winter quält die Bestände. Schauen wir mal, was kommt.

Mehr Rohöl für Europa wird vermutlich nicht kommen. Der Iran kann erst nach Ablauf der Probezeit des Atomabkommens in sechs Monaten ordentlich liefern. Und Libyen zerfällt gerade vollends als Staat und als Öllieferant.

Heute Morgen ist an den Börsen noch keine Tageslosung zu erkennen. Die für uns relevanten Notierungen halten sich auf erhöhtem Niveau. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 944,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,18 Dollar und in London zu 111,34 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,65 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Am Börsengeschehen liegt das nicht. Das steht eher für Preissteigerung. Der Binnenmarkt mit seiner schwachen Nachfrage hält die Preise momentan in Schach. Die Aussichten sind durchwachsen. Die unfreundliche These der Finanzszene, wonach der Brennstoff temporär knapp werden könnte, ist derzeit nicht widerlegbar. Insofern wäre ein weiterer Preisanstieg realistisch. Er bleibt aber spekulativ. Dass es in den nächsten Wochen in die andere, freundliche Preisrichtung geht, ist ebenso möglich. Die US-Raffinerien, der Winter und das konkrete Verbrauchsverhalten werden es zeigen. Immerhin, wir reden einmal ausschließlich über Ölthemen und nicht über den Dauerzirkus im Geld- und Finanzsystem. Das ändert nichts am Preis aber am Verständnis für die Situation. Der Preis ist übrigens immer noch außergewöhnlich vorteilhaft im Vergleich zu den beiden Vorjahren. Insofern gibt es nicht wirklich Anlass zur Klage. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Raffinerieausfälle in den USA
Niedrigste US-Heizölvorräte
US-Nachfrage gestiegen
Üble Entwicklung in Libyen
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Rohölbestände sehr hoch
OPEC erhöht Angaben über Ölschiefervorkommen
Geringe US-Ölimporte
Ölangebot übertrifft Ölnachfrage

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