Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Wende löst Kaufwelle aus

Internationaler Markt

Am geraden Strahl abwärts ist vorbei. Die Ölpreise beginnen zu tanzen. Ihr tiefes Niveau gibt den Ring frei für wilde Psychospiele der Finanzszene. Nun werden marktferne Signale aus den eigenen Reihen gehandelt. Mal ist es das Spiel „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren“. Ein anderes Mal folgt es dem Muster „Der Letzte bezahlt“. Das trifft auch ungefähr den Charakter der gestern inszenierten Preisrallye, deren Ursprung mit einer bullischen Interpretationsweise der US-Bestandsdaten in Verbindung gebracht wird. Für den weiteren Rallyeverlauf, in den Teilnehmer von Computerprogrammen wie von einem Staubsauger hineingesogen wurden, spielte der physische Markt keine Rolle mehr. Die Finanzszene war sich selbst genug. Sie schaffte zwischenzeitlich einen Anstieg der Ölnotierungen von sieben Prozent. Davon blieb am Ende nur wenig übrig. Nachdem der Staubsauger ausgestellt war, verließen viele Finanzjongleure den Dreckbeutel. Das nächste Mal werden sie bestimmt wieder mitspielen.

Die erwähnten US-Bestandsdaten weisen einen erneuten Aufbau der Vorräte aus. Die liegen nun satte drei Prozent über dem Vorjahresniveau und belegen einen Überfluss an Öl. In den einzelnen Kategorien lassen sich in der Tat ein paar Punkte heraussezieren, die bullisch sein könnten. Hier reicht der Konjunktiv kaum aus, um die vage Möglichkeit zu unterstreichen. Immerhin, man identifizierte einen Anstieg der Nachfrage. Sie zu decken, ist angesichts der Versorgungslage aber bar jedweder Diskussion. Das Zahlenwerk der berichtenden Institutionen DOE (Department of Energy) und API-Zahlen (American Petroleum Institute) sieht wie folgt aus:

Rohöl: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +5,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,3 (DOE) bzw. 3,7 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung steht bei starken 94 Prozent. Die der Finanzszene als Auslöser der kurzen Rallye genehme Zahl von -0,8 bei Rohöl ist im Vergleich zu den letzten Jahren keineswegs ein bullisches Element. Da die Raffineriebetreiber ihr gelagertes Rohöl zum Jahreswechsel teuer versteuern müssen, sind sie bemüht, die Mengen zum Stichtag klein zu halten. Daher werden Abgänge in den Lagern im Dezember forciert. Der Vorgang fand in diesem Jahr bisher noch nicht statt. Deshalb erwarten wir in der kommenden Woche einen echten Einbruch der Rohölbevorratung. Ihn bullisch zu bewerten, wäre abwegig.

Aus fundamentaler Sicht hat sich an der Konstellation des Ölmarkts nichts geändert. Insofern haben die Preise immer noch Abstiegspotenzial. Charttechnisch sieht die Lage anders aus. Finanzjongleure haben nun Indikatoren, die ihnen Spielraum für umfangreiche Trading-Experimente geben. Diese werden sie selbstreferentiell, das heißt ohne Betrachtung des realen Markts, durchführen. Sie handeln ihre eigene Stimmung. Das ist Psychologie pur. Damit werden die Ölpreise in den kommenden Tagen und Wochen bewegt. Die Überversorgung des Markts wird während dieser Zeit weiter steigen.

Heute Morgen schwingen die Ölnotierungen langsam und sanft um das gestern Abend erreichte Niveau. Mehr Musik spielt zurzeit am Devisenmarkt. Der Dollar steigt mal wieder, nachdem die US-Notenbank ein beliebig interpretierbares Statement ausgesondert hat. Die Tonne Gasöl kostet 553,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 56,45 Dollar und in London zu 61,22 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8120 Euro . Damit kostet der Euro 1,2315 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise steigen spürbar. Der Auftrieb kommt von den Öl- und Devisenbörsen. Das ist die schlechteste aller Konstellationen für die Preise. Nach ihrem gewaltigen Absturz wird sich aber kaum ein Verbraucher über die Wende beklagen. Sie dient nun als Auslöser eines Kaufrauschs, der unsere Heizöl-Plattform heute Morgen an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringt.

Im Binnenmarkt geht es rund. Der Handel wird nun herausgefordert, zumal die Weihnachtszeit mit ihren wenigen Arbeitstagen vor der Tür steht. Die Lieferzeiten werden steigen. Das liegt auch daran, dass im Winter und speziell um Weihnachten und Silvester mehr Eilbestellungen auflaufen als üblich. Die haben notgedrungen Vorfahrt. Logistisch sind sie Taxi- statt Busfahrten. Das heißt, sie erlauben weniger Transportmenge.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht hier nicht. Um die Lage heute richtig darzustellen, müssten wir Balken hinzufügen.

Der Glaube an günstigeres Heizöl ist geringer als in den letzten Tagen, aber immer noch stark. Ein Teil der Beobachter wird nun zu Käufern. Spekulativ eingestellte Leser, die es weiterhin in großer Zahl gibt, wollen noch mehr Preisabgang sehen. Aus logistischer Sicht ist es von Vorteil, dass die Meinungen über den „guten“ Preis weit auseinanderfallen. Würden alle Beobachter nun Käufer werden, hätte das einen nicht zu bewältigenden Kauftsunami zur Folge.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt in allen Regionen Kaufsignale. Damit liegt eine Entscheidungshilfe vor. Sie wird durchaus angenommen. In der kalten Jahreszeit kommen Kunden hinzu, die keine ausgewiesenen Preisbeobachter und Schnäppchenjäger sind. Sie treffen auf einen bemerkenswert günstigen Moment mit wunderbaren Preisen. Glückwunsch.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge sollte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein. Es ist allerdings Respekt vor dem Wahnsinn der Ölbörsen geboten. Da wird alles andere als Logik gehandelt. Die Preisbildung wird zunehmend von der wirren Psychologie der Finanzszene geprägt.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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